Geldanlage: Wissen ist Macht, Zeit ist Geld

Wer erfolgreich investieren möchte, sollte sich umfassend über die Märkte informieren und zumindest Basiswissen über wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen. Noch nie war das Angebot an Information größer als jetzt.

Geldanlage: Wissen ist Macht, Zeit ist Geld

Was sagt Ihnen eigentlich der Begriff „stochastic “? Können Sie vielleicht etwas mit „Fibonacci Retracements “ anfangen? Aber was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, das wissen Sie doch hoffentlich schon, oder? Wer glaubt, Geldanlage bestehe daraus, irgend eine Aktie, einen Fonds oder gar einen Future zu kaufen und einfach darauf zu warten, dass das Papier steigt, kann eine herbe Enttäuschung erleben. Der Satz „Zeit ist Geld“ trifft auf den Bereich Geldanlage in einer ganz bestimmten Weise zu: Wer nicht bereit ist, Zeit in sein Investment zu investieren, sollte lieber auch kein Geld investieren. Ohne Finanzwissen und gründliche Information über die Märkte droht ein empfindlicher Absturz.

Die Ausgangsposition ist dabei für „Durchschnittsösterreicher“ alles andere als förderlich, und hier sprechen wir noch gar nicht von „Financial Literacy“, also spezifischer Finanzbildung, wie sie für jede Form der Geldanlage – selbst das Sparbuch eingeschlossen – erforderlich ist. Den Begriff „Aktie“ haben die wenigsten Absolventinnen und Absolventen höherer Schulen im Unterricht vernommen, und wie Inflation zustande kommt, was die EZB tut und was ein Budgetdefizit bedeutet, bleibt für viele ein Geheimnis. In den aktuellen Lehrplänen finden sich zwar rudimentäre Ansätze, „Wirtschaftskunde“ zu unterrichten, in der Praxis findet das aber meist nicht statt.

Finanzwissen

Was das Bildungssystem nicht schafft, können sich Interessierte allerdings mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand anderweitig besorgen. „Die Möglichkeiten, sich wirklich gründlich über wirtschaftliche Zusammenhänge zu informieren und sich Finanzwissen anzueignen, waren noch nie so vielfältig wie heute“, schwärmt Dieter Kerschbaum, Pressesprecher der Erste Asset Management.

Die Erste Group zählte zu den ersten österreichischen Geldinstituten, die eine Verbreitung von Finanzwissen als Unternehmensziel formuliert haben. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit unterstrich deren früherer Chef Andreas Treichl die Notwendigkeit, Österreichs Konsumentinnen und Konsumenten, am besten schon durch Initiativen auf schulischer Ebene, umfassend zu informieren.

Zumindest der Geldsektor hat hier einiges auf die Beine gestellt. Heute bieten praktisch alle Geldinstitute auf ihren Internetseiten Informationen über Aktienkurse, Konjunkturprognosen und Fonds- preise – oft allerdings wie etwa die Plattform „George“ der „Ersten“ nur für die eigenen Kunden. Öffentlich zugänglich ist hingegen der Finanzblog der Erste Asset Management, der Fondstochter der Erste Group (das elektronische Anmeldeformular finden Sie auf der Website der Erste Asset Management unter „Investment Blog").

Die Erste Group ist da keineswegs allein auf weiter Flur. Monatliche Informationen über den Finanzmarkt sowie tagesaktuelle Nachrichten über Zeichnungsprodukte bietet die Raiffeisen Centrobank ebenfalls gratis auf ihrer Internetseite unter „Tools & Services“. Auf der Website der Bank Austria sind laufend aktualisierte Wirtschaftsnachrichten zu finden.

Unabhängig

Wer bereit ist, für unabhängige und kompetente Informationen über das Geschehen an den Börsen Geld auszugeben, findet eine Fülle von Medien, die sich dem Thema Börse widmen. Sie alle bieten auch Onlineausgaben an. Am klarsten fokussiert sind hier die Börsenbriefe.

Der „Austria Börsenbrief“ berichtet wöchentlich über österreichische und internationale Werte, kommentiert volkswirtschaftliche Entwicklungen und führt ein Musterdepot. Ebenfalls wöchentlich erscheint das einflussreiche, von Dow Jones herausgegebene US-Anlegermagazin „Barron’s“, dessen schwerpunktmäßig die USA betreffenden Berichte den Markt bewegen können. Börsenbriefe und -sendungen liefert Bernecker, einer der am weitesten verbreiteten deutschen Börseninformationsdienste. Über Hintergründe vor allem US-amerikanischer Unternehmen stets gut informiert ist das „Wall Street Journal“.

Gratis gibt es zahlreiche bankenunabhängige Portale, über die Finanzinformationen zu bekommen sind. So bietet etwa die Wiener Börse (wienerborse.at) neben aktuelle Kursen auch ein kostenloses Chartservice sowie aktuelle Nachrichten über die in Wien gelisteten Unternehmen. Im Rahmen der „Ad-hoc-Publizität“ können Interessierte kursrelevante Nachrichten über „ihr“ Unternehmen abfragen. Spärlich fließen hingegen Informationen über die in Wien notierten internationalen Aktien. Wer da informiert sein möchte, findet auf den Seiten der Consorsbank, einer Marke der französischen Großbank BNP Paribas, und dem reichweitenstarken deutschen Finanzportal onvista kostenlose Kursinformationen, Analysteneinschätzungen und die Möglichkeit, selbst charttechnische Analysen mit den gängigsten Indikatoren durchzuführen.

Darüber hinaus werben zahlreiche Blogger und private Börseninformationsdienste um die Aufmerksamkeit der Anleger, etwa finanznachrichte.de, das Portal e-fundresearch, das über die Fondslandschaft informiert und (teils bezahlte) Berichte und Interviews aus der Fondsbranche bringt. Das Portal boerse-express.com berichtet vor allem über die DAX-Unternehmen. Originelle und interessante Podcasts liefert „investorella“, dessen Urheberin vor allem Frauen dazu ermutigen möchte, in Sachen Investment die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.

Lernprozess

 Eine, die genau das tut, ist die Unternehmensberaterin Maria Schwarz,. „Ich recherchiere viel im Internet und nutze auch Printmedien. Bei Bankeninformationen habe ich manchmal das Gefühl, sie wollen doch vor allem ihre eigenen Produkte verkaufen“, so die aktive Anlegerin. Da gab es zu Beginn natürlich auch Missgriffe. „Ich habe den Fehler gemacht, zu sehr auf einzelne Aktien zu setzen. Inzwischen habe ich aber gelernt, mein Investment breit zu streuen.

Bei ihren Anlageentscheidungen lässt sich die Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Beratung für Ordinationsgründungen gern von einer Kombination aus harter Information und „Bauchgefühl“ leiten. „Ich suche Firmen und Produkte, die ich verstehe, mit denen ich mich identifizieren kann, an die ich glaube.“ In ihrem Portfolio finden sich etwa Unternehmen aus der Nahrungs- und Genussmittelbranche, da diese eher moderat auf konjunkturelle Schwankungen reagieren. „Und am Tiefpunkt habe ich Daimler gekauft. Meine Überlegung war: Wenn Daimler einmal Pleite geht, dann geht ganz Deutschland Pleite.“

Pragmatisch geht die Beraterin auch bei Verkaufsorders vor. „Meist verkaufe ich, wenn ich ein Plus von 25 Prozent habe. Da könnte ich zwar nachher oft noch mehr Gewinn machen, aber da bin ich auf der sicheren Seite.“ Dass sich Frauen mit dem Thema Geldanlage beschäftigen, hält Schwarz für besonders wichtig. „Meist überlassen das die Frauen ja immer noch den Männern. Das sollte sich aber ändern!“ Und wie sieht die persönliche Einschätzung aus? „Dass auf uns eine Inflation zukommt, davon bin ich überzeugt. Momentan macht mir jeder Euro auf der Bank Sorgen.“ Manche dieser Sorgen hat sie freilich dann doch an Banken delegiert. „Einen Teil meiner Anlagesumme verwalten Profis.“

Diese können dann auch mit den eingangs erwähnten Begriffen operieren: Stochastic (Stocastic Oscillator) und Fibonacci Retracement dienen zum Auffinden charttechnischer Signale. Der Stochastic stellt ein Verhältnis zwischen Schlusskurs und Höchst-/Tiefstkursen einer Periode dar und wird genutzt, um Trendwenden frühzeitig zu erkennen. Fibonacci Retracements leiten sich aus der Fibonacci-Zahlenfolge ab und markieren Kurse, an denen bei Abwärtsbewegungen eine Unterstützung beziehungsweise in Aufwärtsbewegungen ein Widerstand zu vermuten ist. Und das in breiten Anlegerkreisen wohlbekannte Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt Auskunft darüber, wie oft der Gewinn pro Aktie im jeweiligen Aktenkurs enthalten ist – wie viele Jahre es also dauern würde, bis ein Aktienkurs durch den Gewinn gedeckt ist. Diesen aussagekräftigen Wert finden Anleger ebenso wie die Dividendenausschüttung gratis auf fast jedem guten Börsenportal.



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