Dividendenaktien: Zuverlässiger Zinsersatz?

Aktien, die Jahr für Jahr Dividenden ausschütten, werden gerne als Sparbuchersatz gepriesen. Doch wie reagieren Dividendenaktien bei einem Crash und wozu raten Experten?

Dividendenaktien: Zuverlässiger Zinsersatz?

Auf der Suche nach Alternativen zu festverzinslichen Anlagen haben Dividendenstrategien in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Zuweilen werden Dividenden gar als potenzieller Zinsersatz betrachtet. Die Überlegung erscheint naheliegend: Dividendenausschüttungen schwanken tendenziell weniger als Unternehmensgewinne, wodurch Dividendentitel trotz Aktienrisiko als vergleichsweise defensives Investment gelten und einen gewissen Ertragscharakter aufweisen.

Ein trügerisches Bild

In Krisen geht es stärker bergab
„Dies ist jedoch ein trügerisches Bild, da Dividendenstrategien eher einen zyklischen Charakter aufweisen“, warnt Daniel Jakubowski, Aktienexperte bei der Investmentgesellschaft Assenagon in einer Analyse. Doch während der letzten zwei großen Krisenphasen (siehe Grafik) hat sich der vermeintlich defensive Charakter von Dividenden mitunter vollkommen in Luft aufgelöst. Die Performance während der Corona-Krise war sogar schlechter, als sich der Durchschnitt der europäischen Aktien entwickelte. Jakubowski führt das bei der jüngsten Krise auch auf gekürzte oder gestrichene Dividenden im Zuge von Liquiditätsengpässen zurück. Ein ähnliches Verhalten in Krisen wurde jedoch auch während der Finanzkrise beobachten, als der Dividendenindex in der Spitze acht Prozent mehr verlor als der europäische Aktienmarkt.

Beim Aktiencrash 2008 hat der Dividendenindex für europäische Aktien um acht Prozent mehr verloren, als der allgemeine Index. Auch während des Crash in der Hochphase der Pandemie verlor der Dividendenindex mehr (hellgrauer Balken und oranger Charrt).

Schwache Profitabilität und hohe Verschuldung
Ein Teil dieses prozyklischen Charakters ist wohl auch der Zusammensetzung des europäischen Aktienindex geschuldet. Neben dem starken Übergewicht an zyklischen Finanzwerten in europäischen Aktienindizes hält Assenagon mitunter auch die Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen, etwa mangels Profitabilität und zu hoher Verschuldung für ein Problem, was sich bei einem Marktcrash zusätzlich negativ auswirkt.

Cashflow kurzfristig ausgerichtet
Ein weiteres Problem: Dividendentitel erwarten für gewöhnlich einen Großteil ihrer Cashflows - die wiederum den Marktwert ausmachen - in der näheren Zukunft zu erwirtschaften. In Krisenphasen, die die Erwartungen für die nächsten Jahre trüben, sind sie so deutlich stärker betroffen als Wachstumstitel, deren Cashflows weiter in der Zukunft liegen. Eine ausgeprägte Allokation in aus ESG-Sicht umstrittenen Geschäften wie Tabak belastet die Performance zusätzlich.

Gegenstrategie zur Absicherung
Um eine Dividendenstrategie defensiv zu gestalten, benötigen Anleger nach Einschätzung von Assenagon eine antizyklische Komponente, welche das Risiko reduziert.

Futures oder dynamische Portfoliosteuerung
Die Investmentgesellschaft empfiehlt dazu Futures oder ein Wertsicherungskonzept, das dynamisch zwischen Aktien und Cash ("CPPI") gesteuert wird. Dabei wird das Verlustrisiko durch entsprechende Verringerung der Aktienquote reduziert. Erholt sich der Markt jedoch, ist man weniger flexibel und kann an einem Aufschwung nicht in dem Maße partizipieren.

Optionen als verlässliches Mittel
Eine Alternative zu diesen Absicherungen bieten Optionen. „Put-Optionen haben den Vorteil, dass sie verlässlich sind und in Krisen ein starkes Mittel zur Absicherung darstellen“, der Assenagon Aktienexperte. In steigenden Märkten ermöglichen sie darüber hinaus eine höhere Partizipation und bieten so eine asymmetrische Partizipation in steigenden und fallenden Märkten. Der geringe Kapitaleinsatz von Put-Optionen ermöglicht zudem Aktienquoten von knapp unter 100 Prozent.

Kein uneingeschränkter Zinsersatz
Dividende sind damit jedoch nicht der neue Zinsersatz, zumindest nicht, wenn nur in Aktien investiert wird und ohne Gegenstrategie. Zu zyklisch und krisenanfällig sind entsprechende Strategien, um eine verlässlich defensive Alternative darzustellen.

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