Silicon Valley: "Viel Lärm um überkapitalisierte Industrie"

Silicon Valley: "Viel Lärm um überkapitalisierte Industrie"

Neueste Satelliten-Technik sorgt für Nachfrage- und Innovationsschub.

Der Wettkampf um die neueste Technik bei Satelliten, erneuerbarer Energie oder der Raum- und Luftfahrt, zwischen den USA und Europa wird härter und die Europäer erfolgreicher. Welche Branche die Innovationen derzeit besonders vorantreibt, wie mittelständische Unternehmen und Start ups unterstützt werden sollen. Tipps für Anleger.

Dänemark nimmt derzeit ein riesiges Projekt in Angriff. Nichts geringeres als das Silicon Valley Europas soll südlich von Kopenhagen entstehen. Bis 2020 soll dort einer der größten und innovativsten Gewerbegebiete Europas geschaffen werden. 12.000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Europa innovativer als die USA
Schon heute steht Europa bei Innovationen besser da als man vermuten möchte. Ende 2018 glänzten europäische Unternehmen mit durchschnittlich 24 Prozent Umsatz durch Innovation gegenüber nur 19 Prozent in US-Unternehmen und knapp 13,5 Prozent in chinesischen Firmen. "Silicon Valley in den USA und die asiatischen Pendants machen dagegen viel Lärm um ihre florierende aber überkapitalisierte Industrie“, bemerkt Evelyne Pflugi, Leiterin Anlagestratgie der Reseach-Gesellschaft The Singularity Group.

Folgende Bereiche wurden dazu von Singularity unter die Lupe genommen: 3D-Druck, Künstliche Intelligenz, Big Data, Bioinformatik, Blockchain, Internet der Dinge, Nanotechnologie, Neurowissenschaft, Erneuerbare Energie, Robotik, Raumfahrt und Virtual Reality.

Innovationsgetriebene Unternehmen an der Börse 2019 besonders gefragt
An der Börse laufen diese Sektoren ebenfalls derzeit gut. Die höchste Performance lieferte im Januar Aktien der Raumfahrt-Branche (+14,92%) und Big Data (+11,34%). Airbus (+19,82%) und Boeing (+19,57%) führten das Feld im Raumfahrt-Sektor an, während Facebook (+27,16%) und Netflix (+27,64%) bei Big Data im Zuge der Erholung bei Techwerten am meisten von der positiveren Anlegerstimmung profitierten. Zu den Top-Performern zählt auch der französische Software-Entwickler Dassault Systemes, seit kurzem Mitglied im französischem Leitindex CAC. Der Konzern ermöglicht es Unternehmen mit seinerr Software von Turbinen über Moleküle bis hin zu Autos und BHs zu designen. Die Aktie ist alleine in den vergangenen vier Wochen um 22 Prozent gestiegen. In drei Jahren betrug das Kursplus fast 100 Prozent. Der Singularity-Sektor mit der schlechtesten Performance zu Jahresbeginn war Blockchain (-0,26%).

Airbus mit 40 Prozent Kurspotential
So mancher Techaktie könnten noch weitere Kursgewinne bevorstehen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat soeben Airbus von "Buy" auf "Conviction Buy List" hochgestuft und das Kursziel von 127 auf 142 Euro angehoben. Derzeit steht das Papier bei 102 Euro. In den kommenden fünf Jahren sollte auch das operative Ergebnis (Ebit) dank des Wachstums bei den neuen Flugzeugmodellen A320neo und A350 schneller wachsen und die Digitalisierung weiter voranschreiten. Aktien wie Dassault könnten ebenfalls weiterhin Potential haben. So ist Amazon die grösste Plattform für den Einzelhandel, Dassault könnte die grösste Plattform für die industrielle Produktion werden. Derzeit ist da Aktie jedoch bereits recht teuer. Gelingt der Durchbruch sind allerdings weitere hohe Kurszuwächse möglich.

Zahl der Weltraumorganisationen stark gestiegen
Besonders im Luft- und Raumfahrtsektor wird derzeit auf Hochdruck geforscht und entwickelt. Führende Unternehmen in diesem Bereich sind der US-Tech- und Rüstungskonzern General Dynamics. Das Unternehmen will alleine 2019 eine Milliarden Dollar investieren, um seine Produktion weltweit zu modernisieren. Für 6,8 Milliarden Dollar wurde ein IT-Dienstleister erworben. Zu den Top-Unternehmen zählt auch der Münchner Betrieb SpaceTec Partners, der auf Satelliten-Anwendungen spezialisiert ist.

Tankstelle auf dem Mond
Das luxemburgische Unternehmen ispace bringt sich für den Treibstoff-Nachschub von SpaceShuttles auf dem Mond in Stellung. Die Visionen von ispace sind groß. 2040 soll für die Mondtankstelle eine Basis mit 1.000 Mitarbeitern stehen. Der für die Tankstellen nötige Wasserstoff soll vor Ort hergestellt werden, Raumschiffe sollen so am Mond anlegen und aufgefüllt werden. Zudem soll es Platz für 10.000 Besucher geben. Ab 2021 macht sich deswegen ein solarbetriebener Mond-Rover auf die Suche, den ispace gemeinsam mit dem „Luxembourg Institute of Science and Technology“ entwickelt hat.

60 Weltraum-Organisationen weltweit
Der Kampf um den Weltraum ist mehr denn je entbrannt. Dieser hat sich sowohl am privaten als auch im öffentlichen Sektor in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Während vor einigen Jahren noch wenige Weltraumnationen das Feld unter sich aufgeteilt haben, gibt es mittlerweile 60 Weltraumorganisationen weltweit.

Große Space Hubs außerhalb der USA
Besonders außerhalb des traditionell starken US-Marktes entwickeln sich große „Space Hubs“, etwa in Singapur, China, Luxemburg oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Getrieben wird der Fortschritt vor allem durch Innovationen aus dem kommerziellen Sektor. Die Entwicklung ermöglichen letztlich sowohl immer mehr Regierungen als auch Unternehmen, sich in der niedrigen Erdumlaufbahn zu betätigen. Das ist eine Höhe von 200 bis 2.000 Kilometer über der Erdoberfläche. Die meisten Raumflüge finden in niedrigen Bahnen statt. In dieser Umlaufbahn befinden sich zahlreiche Satelliten für Kommunikation, Wetter und Forschung. Das ist vielfach ein einträgliches Business, das in vielen Bereichen eingesetzt wird.


Im Weltraum gibt es unbegrenzte Ressourcen – Ressourcen für die wir uns auf der Erde bekriegen

Wer wird der Kolumbus des Mars?
Die Phantasie am meisten beflügelt derzeit jedoch das Wettrennen, um die erste bemannte Marsmission. Dieses heizt Investitionen und Innovationen kräftig an. Zwei große Player stehen sich bei diesem Kraftakt gegenüber. In Europa ist das die European Space Agency, die bereits 2016 den ersten Mars-Roboter landen ließ. Der nächste Mars-Rover wurde erst kürzlich vorgestellt. Auf der anderen Seite steht das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX. Dessen Chef Elon Musk im Jahre 2022, wenn alles nach Plan geht, den ersten unbemannten Flug zum Mars in Angriff nehmen will. Die ESA wiederum hofft zwischen 2020 und 2025 Menschen zum Mond und fünf Jahre später, um 2030, europäische Astronauten zum Mars zu entsenden. Die Raumfahrtbehörde arbeitet jedoch auch an zahlreichen anderen Projekten. So dokumentiert diese unter anderem mit Satellitenbildern Umweltereignisse wie große Brände und Überflutungen und arbeitet daran die Erde besser vor Asteroiden zu schützen. Aus diesem Wettlauf um den Mars entstehen zudem zahlreiche Innovationen, die auf der Erde nützlich sind und die helfen die Ressourcen im Weltall für die Erde zu nützen. Astrophysiker Neil deGrasse Tyson. „Im Weltraum gibt es unbegrenzte Ressourcen – Ressourcen für die wir uns auf der Erde bekriegen.“

Revolutionärer Wettersatellit
Die europäische Raumfahrbehörde ESA ist auch in der Entwicklung moderner Satelliten stark. Vor kurzem startete diese nach 15 Jahren Forschung mit einem neuen, revolutionären Wettersatelliten ins All. Die 300 Millionen teure Lasertechnik und Spiegelteleskop soll es ermöglichen die fünf bis sieben-Tage-Prognosen deutlich zu verbessern.

Klassische Konzerne steigen die Raumfahrt ein
Innovationen und die Nutzung neuer Technologien im Weltraumsektor treiben auch die Performance von börsennotierten Unternehmen. Roboterunterstützte Fertigung und 3D-Druck im Weltraum befinden sich bereits heute in der konkreten Entwicklung und Nutzung. Aufgrund seiner Umsatzrelevanz hat der Raumfahrt-Sektor aktuell ein Gewicht von 10,5 Prozent im Nasdaq Singularity Index. Unternehmen, die von der Entwicklung der Raumfahrt profitieren, tauchen in unerwarteten herkömmlichen Branchen auf. So weist beispielsweise das Blue-Chip-Unternehmen Johnson & Johnson, obwohl traditionell im Gesundheitsbereich verankert, bereits einen sehr relevanten Umsatz im 3D-Druck und in der Raumfahrt auf.

EU: 20 Milliarden Euro für künstliche Intelligenz
Die EU wappnet sich auch für den Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz. Dafür sollen die Kommission und die Regierungen, zusammen mit der Wirtschaft, bis 2020 rund 20 Milliarden Euro investieren. Anschließend soll die gleiche Summe jährlich in die Entwicklung und den Einsatz fließen, sieben Milliarden davon aus den öffentlichen Haushalten.

Mittelständische Unternehmen sollen profitieren
Staat, Wirtschaft und Forscher sollen eng zusammenarbeiten. Partnernschaften mit großen Playern, etwa SAP und Kuka sollen sich beteiligen. Zunächst soll ein 100 Millionen Euro schwerer Fonds aus EU-Mitteln ab 2020 Start-ups die Finanzierung erleichtern. Da selbstlernende Maschinen auf enorme Datenmengen angewiesen sind, soll der Zugang zu Daten erleichtert werden. Davon sollen auch mittelständische Unternehmen profitieren, über sogenannte Innovationshubs. Im April 2019 soll dazu ein 26-seitiger Aktionsplan der EU vorgelegt werden.

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