Inflation fällt stark zurück: Zinswende rückt in weite Ferne

Inflation fällt stark zurück: Zinswende rückt in weite Ferne

"Die Zinswende war bis vor kurzem noch zum Greifen nah", so Daniel Schwaninger von der Schoellerbank.

Die EZB-Banker sind beunruhigt. Die Inflation sinkt, trotz Geldschwemme, deutlich unter die Zielmarke. Womit die EZB für die nächsten drei Jahre bei Wachstum und Inflation rechnet und was das für Konsumenten und Anleger bedeutet.

Kaum etwas in Schwung geraten, geht der Wirtschaft und damit der Teuerungsrate in der Eurozone auch schon wieder die Luft aus. Noch im Mai, Juni 2018 schöpften Experten Hoffnung, nachdem sich die Inflation nach Jahren in denen 1,5 Prozent Teuerungsrate das höchste der Gefühle war, es könnte nachhaltig bergauf gehen. Die Inflationsrate war im Mai schließlich um 1,9 Prozent angezogen, im Juni waren es sogar die von der EZB anvisierten zwei Prozent. Eine Inflationsrate von zwei Prozent gilt als ideal für die Konjunkturentwicklung. Doch schon im Herbst verlor das Wachstum und damit die Nachfrage wieder an Fahrt. Und im Jänner kam bereits der Einbruch.

Nun heißt es de facto wieder zurück an den Start. Im Jänner 2019 lag die Teuerungsrate wieder nur noch bei 1,4 Prozent. Ähnlich niedrig wie vor einem Jahr. Noch im Oktober hat die Österreichische Nationalbank für 2019 für Österreich eine stabile Inflationsrate von 2,2 Prozent für 2019 ausgegeben. Die OECD erwartet für dieses Jahr 2,3 Prozent. Der Annahme liegt ein Rohölpreis von 59,6 Dollar per Barrel Brent zugrunde. Derzeit liegt der Ölpreis mit 65,89 Dollar aber sogar noch über dieser Marke.

Inflationsentwicklung: Seit Jahren ein Trauerspiel

Nach einem kurzen Anstieg, stürzte die Inflationsrate im Jänner 2019 bereits wieder ab.

Preise für Lebensmittel und Sprit in Österreich sinken am stärksten
Doch statt dass die Preise steigen, sinken wichtige Produkte im Warenkorb laufend. Vor allem die Preise für Lebensmittel sinken, 2019 laut Prognosen sogar deutlich. Die Teuerungsrate sollte in diesem Bereich von 2,6 Prozent im Jahr 2018 in diesem Jahr auf 2,1 Prozent sinken. Am stärksten fallen jedoch die sinkenden Treibstoffkosten ins Gewicht. Diese sollen 2019 von einer fünf prozentigen Inflationsrate auf 0,7 Prozent sinken. Schon jetzt sind die Rückgänge der Inflationsrate zu einem Gutteil auf diese beiden Einflussfaktoren zurückzuführen. Sowohl in Österreich als auch in der EU.

Inflationsziel von zwei Prozent rückt in weitere Ferne
Die EZB hat ihre Erwartungen zuletzt stark heruntergeschraubt. Die Notenbanker der EU erwarten nicht mehr in den nächsten drei Jahren das Inflationsziel, also die 2-Prozent-Marke zu erreichen. Was letztlich auch bedeuten würde, dass es mit dem Konjunkturaufschwung der letzten Jahre vorbei sein dürfte.


Die Zinswende schien zum Greifen nah

Erwartete Zinsanhebung im September dürfte ausbleiben
Im kommenden Jahr werde die Eurozone laut Prognosen der EU-Experten nur noch um 1,3 Prozent wachsen. Das sind 0,6 Prozent weniger, als die EU-Kommission noch im Herbst für 2019 in Aussicht gestellt hatte. Noch bis vor kurzem erwarteten Analysten eine Zinsanhebung im Herbst 2019. „Die Zinswende schien zum Greifen nah. Doch in kürzester Zeit haben die politischen Risiken sowie Konjunktursorgen Oberhand gewonnen“, so der Schoellerbank-Experte.

Erst 2024 könnten die Zinsen auf 0,80 Prozent steigen. Die 1-Prozent-Marke wird laut Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg noch lange nicht erreicht werden.


Rechne für 2019 mit keiner Zinserhöhung

Damit, dass die Zinswende 2019 abgesagt ist, rechnet auch der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny. Im Interview mit dem Trend im aktuellen Heft Ausgabe 8/2019 rechnet der Nationalbank-Gouverneur angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa nicht damit, dass es heuer Zinserhöhungen geben wird. "Diese Erwartung hatten wir im Herbst 2018, seither hat sich die Konjunktur deutlich eingetrübt.

Weiterhin gutes Umfeld für Kredite

Für den 3-Monats-Euribor, dieser ist für die meisten Kreditnehmern als Referenzzinssatz, werden erst im Sommer 2021 wieder positive Werte erwartet.


Es wirkt, als hätte die EZB den Zeitpunkt für eine Erhöhung übersehen


Gefahr einer Rezession sorgt für deutliche Eintrübung der Erwartungen
Der Grund für die rückläufige Inflationsrate: Die Preise geben nach, unter anderem da die Konjunktur schwächelt. Frühindikatoren, wie der ifo-Geschäftsklimaindex, sind stark geschrumpft, die Einkaufsmanagerindizes in Frankreich und Italien waren zuletzt schwach und zeigen die mögliche Gefahr einer kommenden Rezession an. Die Erwartungen haben sich massiv verschlechtert und sind erstmals seit Dezember 2012 leicht pessimistisch. Schuld daran sind unter anderem die ungelösten Handelsprobleme, die Brexit-Debatte und weitere marktbeeinflussende Politthemen in Europa. Schwaninger: „Es wirkt, als hätte die EZB den Zeitpunkt für eine Erhöhung übersehen.“

USA haben bereits neun Zinsanhebungen hinter sich
Es sieht also danach aus, als wird die EZB die Geldpolitik der US-Notenbank nicht nachahmen. Diese hat bereits neun Zinserhöhungen durchgeführt und eine Liquiditätsverknappung eingeleitet. Aber selbst in den USA scheint der Zinsanhebungszyklus derzeit beendet. Das bedeutet, „die Niedrigzinspolitik bleibt den europäischen Sparern und Anlegern noch lange Zeit erhalten“, so Benoît Coeuré, Mitglied des Direktoriums der EZB, in einer Pressekonferenz. In den USA sind auch die Konjunkturzahlen weiterhin vergleichsweise robust. Für die USA erwartet etwa Sonal Desai, Chefinvestor bei Franklin Templeton sogar steigende Inflationsrate: "Der US-amerikanische Arbeitsmarkt ist sehr stark, was allmählich Aufwärtsdruck auf die Löhne ausübt. Gleichzeitig stützt ein robuster Konsum die Preismacht der Unternehmen."


An den Finanzmärkten gibt es kaum ein größeres Risiko, als eine Zentralbank, der die Möglichkeiten ausgehen

Die Risiken an europäischen Börsen steigen durch die geänderten Vorzeichen. „An den Finanzmärkten gibt es kaum ein größeres Risiko, als eine Zentralbank, der die Möglichkeiten ausgehen“, warnt Schwaninger vom Asset Management Schoellerbank. Falls Konjunktur und Inflation sich weiterhin so schwach entwickeln, wird bereits von einer weiteren geldpolitischen Lockerungsrunde der EZB spekuliert. So könnten Anleihekäufe erneut forciert werden. Sollten sich die Wachstumsaussichten tatsächlich deutlich verschlechtern, ist nicht ausgeschlossen, dass die EZB ihre Nettozukäufe wieder aufnimmt, was die Anleihenrenditen weiter drücken würde", warnt Ulrich Willeitner, Portfolio Manager der DWS für europäische Staatsanleihen. In jedem Fall dürften sich angesichts der aktuellen Lage „Gewinne bei Anleihen in Grenzen halten.“

Diese Möglichkeiten gibt es sich vor Nullzinsen am Sparbuch zu retten
Irgendwann werden die Zinsen wieder steigen, doch wann ist ungewiss. Schwaninger glaubt, dass auch die langfristigen Zinsen in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen. Für Anleger heißt dass, sich weiterhin nach gewinnbringenden Anlageklassen umzusehen. Was mehr Risiko bedeutet. Am Sparbuch verliert man jedes Jahr Geld. Schwaninger: „An Aktien qualitativ hochwertiger Unternehmen führt kein Weg vorbei.“ Auch Aktien-Zertifikate mit hohem Verlustpuffer können eine Alternative sein. Oder etwa Unternehmensanleihen, die man bis zum Ende der Laufzeit hält. Auch fondsgebundene Lebensversicherungen können vor Nullzinsen auf dem Sparbuch bewahren.

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