Inflation steigt weiter, Zinswende für EZB noch kein Thema

Die Inflation steigt weiter und lag im Dezember bei 4,3 Prozent. Eine Zinswende ist für EZB-Präsidentin Christine Lagarde dennoch kein Thema. Die Europäische Zentralbank müsse geldpolitisch nicht so aggressiv vorgehen wie die US-Notenbank Fed.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Trotz rasant steigender Preise kommt eine rasche Zinswende für die EZB laut ihrer Präsidentin Christine Lagarde nicht infrage. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse geldpolitisch nicht so aggressiv vorgehen, wie es die US-Notenbank Fed voraussichtlich tun werde, sagte Lagarde dem französischen Hörfunksender France Inter.

"Der Zyklus der wirtschaftlichen Erholung in den USA ist dem in Europa voraus", sagte die Französin und fügte an: "Wir haben also allen Grund, nicht so schnell und rabiat vorzugehen, wie man es sich bei der Fed vorstellen kann." Sie gehe davon aus, dass sich die Preise 2022 stabilisierten und es schrittweise zu einem Rückgang komme. In den Folgejahren werde es zu einer weiteren Entspannung an der Preisfront kommen, da die Energiepreise nicht dauerhaft zulegen dürften und sich auch die Materialengpässe nach und nach auflösten. Gleichwohl habe die EZB bereits auf den erhöhten Preisauftrieb reagiert und stehe für geldpolitische Maßnahmen bereit, falls die Datenlage es erfordern sollte.

Die EZB hat ihre Inflationsprognose für 2022 im Dezember auf 3,2 Prozent angehoben und damit fast verdoppelt. In den Reihen der Euro-Hüter sind zuletzt allerdings Warnungen vor einer länger anhaltenden hohen Inflation laut geworden. Die lockere Geldpolitik der EZB ist zuletzt zunehmend in die Kritik geraten. Der deutsche Wirtschaftsweise Volker Wieland forderte die Notenbank auf, die Zinsen bereits im laufenden Jahr anzuheben.

US-Inflation bei 7 Prozent

Die Währungshüter in den USA reagieren mit einer voraussichtlich bald anstehenden Zinswende auf den starken Preisauftrieb: Im Dezember wurde in den USA eine Teuerungsrate von 7,0 Prozent erreicht - der höchste Wert seit Juni 1982. Die Inflation in der Eurozone stieg zuletzt auf 5,0 Prozent. Sie liegt damit weit über dem Ziel der EZB. Die Notenbank peilt mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent an.

Lagarde hat jedoch mehrfach betont, dass eine Zinserhöhung im Euroraum dieses Jahr sehr unwahrscheinlich sei. An den Finanzmärkten wird unterdessen erwartet, dass die Federal Reserve bereits im März die Zinsen anheben wird und im laufenden Jahr bis zu drei weitere Schritte nach oben folgen könnten. Aus Furcht vor einem Zins-Stakkato der großen Notenbanken warfen Investoren zuletzt verstärkt Staatsanleihen aus ihren Depots. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe war am Mittwoch erstmals seit Mai 2019 wieder über die Marke von null Prozent gestiegen. Lagarde sagte im Hörfunk-Interview zu der Entwicklung bei den Staatsanleihen: "Wenn die Renditen wieder steigen, bedeutet dies, dass sich die Fundamentaldaten der Wirtschaft verbessern."

Inflation in Österreich

In Österreich sind die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr durchschnittlich um 2,8 Prozent gestiegen und damit doppelt so stark wie im den vergangenen zwei Jahren. Die Inflation war damit den Erhebungen der Statistik Austria zufolge auf dem höchsten Wert seit zehn Jahren. Im Dezember war die Teuerungsrate mit 4,3 Prozent gleich hoch wie im November. Gegenüber dem Vormonat war das durchschnittliche Preisniveau im Dezember um 0,6 Prozent höher. "Angeheizt wurde die Teuerung von starken Preisanstiegen bei Treibstoffen und Haushaltsenergie - ohne sie hätte die Inflationsrate 1,8 Prozent betragen", erklärte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. "Hintergrund sind nicht zuletzt die Rohölpreise auf den Weltmärkten, die im letzten Jahr um mehr als 50 Prozent zugelegt haben."

Die Ausgaben für Verkehr und Wohnen waren für drei Fünftel der Inflation verantwortlich. Die auf europäischer Ebene harmonisierte Inflationsrate (HVPI) betrug im Dezember 3,8 Prozent. Die Preise für Verkehr stiegen im Jahresvergleich durchschnittlich um 12,0 Prozent und damit etwas weniger als im November (+12,2 Prozent). Sie beeinflussten die allgemeine Teuerung mit +1,64 Prozentpunkten. Hauptverantwortlich waren die Treibstoffpreise, die um 32,9 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Für Wohnung, Wasser, Energie musste durchschnittlich um 5,4 Prozent mehr bezahlt werden (Einfluss: +1,00 Prozentpunkt). Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten durchschnittlich um 1,7 Prozent mehr.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresvergleich um 4,6 Prozent (November: +3,9 Prozent). Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, stieg im Jahresabstand um 9,4 Prozent (November: +10,0 Prozent).

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