Inflation: Das wurde nach 25 Jahren aus 10.000 Euro am Konto

Die Inflation vernichtet seit Jahren Geld am Konto. Was nach 25 Jahren aus 10.000 Euro am Sparbuch wurde, wie viel Geld seither am Konto für täglich fälliges Geld vernichtet wurde und wie wie viel noch übrig ist, wenn das Geld nicht auf der Bank aufbewahrt wurde. Welche Preisentwicklung Industrie und Banken prognostizieren und wann die Zinsen in der EU erst wieder steigen könnten.

Inflation: Das wurde nach 25 Jahren aus 10.000 Euro am Konto

Die Inflation lässt Geld am seit dem Jahr 2000, bis auf eine kurze Phase, schmelzen (siehe Grafik). Seither liegt die Realverzinsung, also die Sparbuchzinsen abzüglich der Inflation unter Null. Der Grund dafür ist, dass der Wert des Geldes im Schnitt seither Jahr für Jahr sinkt, da die Zinsen in den vergangenen 20 Jahren. Das Geld am Sparbuch zu vermehren, war deshalb in den vergangenen zwei Dekaden nur zu einem minimalen Prozentsatz pro Jahr möglich. Das Geld auf einem täglichen fälligen Bankkonto schlummern zu lassen oder es gar nicht auf der Bank aufzubewahren, hat sich in den vergangenen 25 Jahren als pure Geldvernichtung erwiesen.

Viel Geld am Sparbuch war in den vergangen 40 Jahren aufgrund der geringen Verzinsung (abzüglich Inflation) schon nicht zu holen. In den letzten 20 Jahren waren die Einbußen (rote markierte Linie bedeutet, dass die Realverzinsung unter null war) besonders hoch.

Sparbuch: Im Schnitt 0,8 Prozent Zinsen per anno in 25 Jahren
Die Österreicher horten ihr Geld trotzdem gerne. Rund 300 Milliarden Euro stecken in Bargeld, Sparbuch und am Konto. Die beliebtesten Sparformen der Österreicher haben sich jedoch am schlechtesten entwickelt. Aus 10.000 Euro wurden in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten laut Berechnung der Agenda Austria. So ist der reale Wert eines Sparbuchs (reale Zinssatz um Inflation bereinigt) das vor 25 Jahren eingelegt wurde, heute rund 12.000 Euro wert. Das entspricht einem Zinsanstieg von 20 Prozent in 25 Jahren. Pro Jahr stieg damit der Wert des Geldes seither nur um 0,8 Prozent.

Der Zinseszinseffekt hat selbst bei Minizinsen langfristig einen enormen Einfluss auf die Entwicklung des Sparguthabens. Zwischen einer jährlichen Verzinsung von 0,8 Prozent pro Jahr und gar keiner Verzinsung klafft nach 25 Jahren für einen zu Beginn eingezahlten Sparbetrag von 10.000 Euro eine Differenz von rund 5.800 Euro.

Täglich fälliges Geld: Aus 10.000 Euro wurden nach 25 Jahren 8.400 Euro
Derselbe Betrag, dass ohne Fixzinsbindung, also als täglich fälliges Geld am Konto liegt, hat dagegen seither massiv an Wert verloren. Für vor 25 Jahren auf das Konto gelegte 10.000 Euro kann man sich heute nur noch zu einem realen Wert von 8.400 Euro etwas Leisten.

Geld nicht auf der Bank horten: Nach 25 Jahren um 35 Prozent weniger wert
Noch härter trifft es jene, die ihr Geld zu Hause liegen haben und so nicht einmal Mikrozinsen bekommen. 10.000 Euro vor 25 Jahren angelegt, sind in diesem Fall nur noch 6.500 Euro wert. Nur in den 60er und 70er-Jahren war die Vernichtung von Geld am Sparbuch noch höher. Damals wurde in der Spitze das Geld am Konto in einem Jahr um sechs Prozent weniger wert.

Inflation auf 9-Jahreshoch
Derzeit ist die Teuerungsrate so wie seit acht Jahren nicht mehr. Im Mai und Juni ist die Teuerungsrate erstmals seit Jahren kräftig angezogen und auf bis zu 2,3 Prozent gestiegen. Ein Wert der das letzte Mal 2013 erreicht wurde. Damals waren jedoch die Zinsen noch höher.


Corona hat das Sparbuch endgültig kaltgestellt

„Wenn der Crash im Jahr 2008 den Anfang vom Ende des Sparbuchs eingeleitet hat, dann hat Corona dieses Produkt endgültig kaltgestellt“, resümiert das Forschungsinstitut Agenda Austria in einer Analyse. Und mit ihm alle anderen Sparformen, die an den Leitzinsen hängen: etwa Bausparvertrag und Lebensversicherung.


Fürchte Preisdynamik wird unterschätzt


Die Mehrzahl der Experten erwartet jedoch, dass die Preise in den nächsten Monaten wieder sinken werden. Doch es gibt Experten, wie jene in der Deutschen Bank, die DZ Bank und auch die US-Investmentgesellschaft Blackrock, die befürchten, dass die Preisdynamik unterschätzt wird. So warnt Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank, dass es Parallelen zu den 60er- und 70-Jahren gebe, als die Inflation besonders hoch war. Denn aus seiner Sicht habe sich eine zu hohe Staatsverschuldung aufgebaut, die zu einer steigenden Inflation führen würde. Die DZ Bank hält die Inflationssorgen vieler Bürgen für berechtigt.

Wichtig für die Entwicklung der Sparbuchzinsen, ist vor allem die Einschätzung der Notenbanken. Sowohl jene in der EU als auch in den USA halten den Inflationsanstieg nur für eine vorübergehende Auswirkung der Pandemie, weshalb auch keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Schließlich resultieren viele Preissteigerungen aus Unterbrechungen der Lieferketten durch die Lockdowns. Die höheren Rohstoffpreise schlagen sich in steigenden Produzentenpreisen nieder, die wiederum mittelfristig auch auf die Konsumentenpreise durchschlagen. In den USA sind aufgrund der Angebotsverknappung von Neuwagen und einer anziehenden Wirtschaft deshalb beispielsweise in den vergangenen drei Monaten die Preise von Gebrauchtwagen um 30 Prozent gestiegen. Diese Strategie der Notenbanken bleibt auch aus einem andern Grund nachvollziehbar, würde doch der Entzug von Überschuss-Liquidität den Wirtschaftsaufschwung abwürgen und die Finanzmärkte einbrechen lassen.

Zinsanhebung nicht vor 2027?
„Ein nachhaltiges geldpolitisches Bremsmanöver steht unseres Erachtens bis Mitte 2027 nicht an, auch wenn wir der US-Notenbank eher als der EZB zutrauen, die geldpolitischen Zügel deutlicher zu straffen. Unseres Erachtens dürfte die EZB bis zum Jahresende 2024 den Einlagesatz auf null Prozent und den Refinanzierungssatz auf 0,25 Prozent anheben.


Ende der Preissteigerungen bei Halbleitern und Stahl nicht in Sicht

Aus der Industrie kamen nun jedoch andere Signale. Industrielle Vorprodukte wie Halbleiter, Stahl oder Kautschuk sind knapp - das setzt etwa die Autoindustrie unter Druck. Nach Expertenmeinung gehen die schon deutlich gestiegenen Preise weiter nach oben - ein Ende ist nicht absehbar. "Leere Lager, ein eingeschränktes Angebot und eine anhaltend hohe Nachfrage führen dazu, dass die Rohstoffmärkte langfristig überstrapaziert werden", sagt Danilo Zatta vom Beratungsunternehmen Horváth. Alle drei Güter sind für viele Branchen ein wesentlicher Bestandteil.

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