Inflation: EZB startet neue Anleihenkäufe

Die Inflationsrate fiel im September in der Eurozone auf 0,9 Prozent, dem niedrigsten Wert seit November 2016. Die Europäische Zentralbank will einem weiteren Abschwung ab November mit neuen Anleihekäufen entgegnen.

Inflation: EZB startet neue Anleihenkäufe

Trotz der vom scheidenden EZB-Chef Mario Draghi seit Jahren betriebenen Geldpolitik kommt die Inflation nicht in Gang. Die Verbraucherpreise in der Eurozone legten im September nur um 0,9 Prozent zu. Das ist der niedrigste Wert seit November 2016, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in einer Schnellschätzung mitteilte.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) die eine Inflationsrate von zwei Prozent anstrebt besonders angesichts der gesetzten Initiativen ein Rückschlag. Die EZB hat daher beschlossen, ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Nun sollen auch wieder Anleihen in großem Stil zugekauft werden.

Im Rahmen des "Quantitative Easing" Programms hatte die Zentralbank schon bis Ende Dezember 2018 Anleihen im Volumen von 2,6 Billionen Euro erworben, bevor sie dazu überging, nur noch auslaufende Anleihen zu ersetzen. Ab November sollen nun Monat für Monat wieder Zukäufe im Umfang von 20 Milliarden Euro hinzukommen. "Auch wenn es hart klingt: Die von EZB-Chef Draghi all die Jahre propagierte expansive Geldpolitik lief gemessen an der Preisentwicklung ins Leere", meint Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein.

Umstrittene Geldpolitik

Mario Draghi übergibt das EZB-Spitzenamt nächsten Monat an die Französin Christine Lagarde. Dass er praktisch auf den letzten Metern bei der Sitzung am 24. Oktober noch neue Maßnahmen auf den Weg bringt, gilt unter Experten als eher unwahrscheinlich: "Der EZB-Präsident zündete im September sein geldpolitisches Abschiedsfeuerwerk. Die Notenbanksitzung im Oktober dürfte der Noch-Vorsitzende ohne weitere Aktionen beenden", prophezeit EZB-Beobachter Gitzel.

Innerhalb der EZB sorgt der Kurs ihres scheidenden EZB-Chefs jedoch seit längerem für Diskussionen. Der Deutsche Bundesbankchef Jens Weidmann kritisierte etwa, Draghi sei über das Ziel hinausgeschossen. Der vorzeitige Rückzug von EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger wird ebenfalls mit Differenzen zwischen ihr und Draghi in Verbindung gebracht. Lautenschläger hatte keinen Hehl aus ihrer Ablehnung einer noch lockereren Geldpolitik gemacht. EZB-Chefökonom Philip Lane will jedoch nichts von Grabenkämpfen in der Notenbankspitze wissen. Es gebe lediglich unterschiedliche Ansichten "über Details der Geldpolitik", sagte er jüngst.

Auf die Inflationsrate drückten im September insbesondere die Energiepreise. Sie verbilligten sich um 1,8 Prozent und damit drei Mal so stark wie im August. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich lediglich um 0,7 (August: 2,5) Prozent. Dienstleistungen kosteten 1,5 (1,3) Prozent mehr. "Vor allem die erneut niedrigeren Energiepreise haben die Teuerungsrate tiefgehalten. Bei rund 1,0 Prozent bleibt die Inflationsrate vorerst festgetackert", so Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Da sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend nicht abzeichne, dürfte die EZB seiner Ansicht nach "ihren Expansionsgrad" im nächsten Jahr noch steigern.

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