Infineon – Ein Goldesel der Digitalisierung

Infineon-CEO Sabine Herlitschka

Infineon-Austria-Chefin Sabine Herlitschka hat mit ihre Truppe den richtigen Dreh heraus und entdeckt den Charme eines Spitzenplates.

Die österreichische Tochter des deutschen Chipkonzern Infineon hat ein hervorragendes Jahr absolviert. Und auch im kommenden Jahren werden satte zweistellige Umsatzzuwächse erwartet. Die Digitalisierung kennt damit bereits einen ersten großen Gewinner.

Die Digitalisierung scheint für Infineon Austria ein Segen zu sein. Elektronik in Autos oder spezielle Chips für Smartphones (Augmented Reality), Radargeräte, Energiesparchips für Server, Halbleiter für Sicherheitssysteme sowie Fingerringe (Mini-NFC-Chips), die Kreditkarte oder Smartphones als Geldbörsel ersetzen oder in Fabriken, wo Produktionsprozesse neu aufgesetzt werden sowie in Datenbrillen für die Produktion und Entwicklung – all das bringt Infineon im abgelaufenen Jahr und auch künftig geradezu einen Geldsegen.

In Zahlen: Infineon Austria hat im vergangen Jahr ein Umsatzplus von 29 Prozent erzielt auf 1,84 Milliarden Euro zu verzeichnen. Der Gewinn (EGT) ist um vier Prozent auf 158,5 Millionen Euro gestiegen. Auch auf der Ausgabenseite hält sich Infineon nicht zurück: Die Ausgaben für Forschung & Entwicklung wurden um 20 Prozent auf über 412 Millionen Euro Rekordhöhe gesteigert. Die Gesamtinvestitionen (Sachanlagen und Wirtschaftsgüter) wurde um 20 Prozent auf 357 Millionen Euro erhöht. Und auch bei der Belegschaft wurde wieder aufgestockt: Mit 3625 Beschäftigten ist die Belegschaft um vier Prozent gewachsen. Weitere Einstellungen sind geplant, um vor allem auch das Wachstum zu stemmen.

Ein Ende des Geldregens ist derzeit offenbar nicht absehbar. „Um sechs Prozent – plusminus zwei Prozent – wird der Konzern insgesamt wachsen“, wie Infineon Austria-Chefin Sabine Herlitschka für 2017 prognostiziert. Der Halbleitermarkt insgesamt sei heuer nur ganz wenig gewachsen. Der Infineon-Konzern hat den Umsatz um sechs Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert.

Auf Schrumpfkurs war die Halbleiterindustrie, obwohl die Digitalisierung langsam in jeden Lebensbereich durchschlägt. Nach Angaben des IT-Beratungs- und Forschungsunternehmens Gartner wird der Chipmarkt 2016 weltweit Einbußen von zwei Prozent auf 62,8 Milliarden Euro Umsatz haben.

Der Charme der Spitze

Das Credo der Infineon-Chefin lautet: „Entweder man ist vor dabei oder fast nicht dabei.“ Vorne dabei sein will Infineon vor allem weiterhin bei Energiesparchips, wo das Unternehmen weltweit die Nummer eins ist. Aber auch im Automotive-Geschäft - derzeit Nummer 2 weltweit - will Infineon weiter Fahrt aufnehmen. Dieser Bereich ist mit 41 Prozent übrigens der größte Umsatzbringer. Energie-Chips (Power Management & Multimarket-Halbleiter) steuern 32 Prozent bei. Industrie-Chips tragen 17 Prozent zum Umsatzes bei.

Der steigende Autoabsatz, die Verbreitung von Elektroautos und neue Mobilitätskonzepte wie Autonomes Fahren lassen auch künftig die Kassen klingeln. Zumindest ist das für die Infineon-Manager für das Jahr 2017 schon fix. Mit der Verbreitung von E-Autos steigt auch der Umsatz für Infineon. Werden bei herkömmlichen Autos noch Chips im Wert von 350 bis 400 Dollar verbaut, sind es in Elektrofahrzeugen rund 700 Dollar, die für Sensoren und Chips verwendet werden. Insgesamt hat Infineon im abgelaufenen Jahr in Villach 16,3 Milliarden Chips hergestellt, was fünf Prozent über der Vorjahresmarke war.

Die Bereiche Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit und fortschreitende Digitalisierung in Unternehmen, die ihre Fertigungsprozesse weiter automatisieren sind die Bereiche, wo Infineon das große Geschäft der Zukunft sieht. Intensiv befasst sich der Halbleiterhersteller mit dem Thema Industrie 4.0, wo auch viel Geld in die Forschung gesteckt wird. In Kärnten hat der Halbleiterhersteller eigens dazu eine Miniaturfabrik errichtet, wo im Trockendock unterschiedliche Szenarien getestet werden.

In Österreich wird das Wachstum auch im kommenden Jahr anhalten. „Wir werden stärker wachsen“, sekundiert Finanzchef Oliver Heinrich. Was einerseits aus dem Unternehmen heraus passiert. Andererseits bekommt Infineon mit der Übernahme des US-Chipherstellers International Rectifier einen weiteren Umsatzbringer.

Kein Facharbeitermangel

Wir haben Mitarbeiter aus 23 Nationen und sind das größte Forschungsunternehmen des Landes, betont Infineon-Chefin Herlitschka. Und das soll auch weiterhin so bleiben. Die positiven Zahlen schlagen sich auch bei den Jobs nieder. Infineon beschäftigt in Österreich 3625 Mitarbeiter in insgesamt fünf Standorten. 23 Prozent der Mitarbeiter kommen aus rund 60 Nationen. Alleine 1426 Mitarbeiter hat Infineon in der Forschung beschäftigt. Der Akademikeranteil beläuft sich auf rund 50 Prozent.

Facharbeitermangel? 132 Mitarbeiter wurden neu eingestellt. Insgesamt 1000 Ferialpraktikanten konnten im Verlauf des Jahres ihre ersten Berufserfahrungen sammeln. „Wir unternehmen viel, damit wir die richtigen Mitarbeiter bekommen“, sagt Herlitschka dem trend. „Wir haben aber auch schon früh damit begonnen eigene Aktivitäten zu starten. Und ein ganz besonderes Anliegen war mir vor allem auch Mädchen und Frauen für Technologie zu begeistern.“ Die Frauenquote im Unternehmen liegt übrigens bei 16,2 Prozent.

Infineon engagiert sich auch bei der Integration von Flüchtlingen. So wurden bereits drei unbegleitete Minderjährige als Lehrlinge eingestellt. „Wir sind sehr zufrieden mit den jungen Menschen. Sie sind sehr motiviert und lernwillig. Und das sage ich ganz bewusst, weil in der Öffentlichkeit so mancher ein anderes Bild gerne zeichnen möchte – was aber nicht stimmt.“

Der Chipkonzern mit Headquarter in München beschäftigt weltweit 36.300 Leute - davon mehr als 15.000 in Europa, knapp 3700 in den USA und über 17.400 in Asien. Infineon hat den Umsatz weltweit um 12 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro gesteigert - rund 28 Prozent des Umsatzes kommt von der Österreichtochter. Der Gesamtgewinnn des Konzerns belief sich im Finanzjahr 2016 auf fast eine Milliarde Euro - fast zehn Prozent über dem Jahr 2015.

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