Indien: Der neue Liebling der Investoren

Indien: Der neue Liebling der Investoren

Indiens Megastädte wie Mumbai zählen zu den pulsierenden Zentren der indischen Wirtschaft.

Indien, die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt, gilt als der große Hoffnungsträger der Investoren. Warum das so ist, welche Risiken drohen und welche Fonds für das Abenteuer Indien sich in der Vergangenheit bewährt haben.

Seit Premierminister Narenda Modi vor zwei Jahren an der Macht ist, ist die Börse des Landes in einem Freudentaumel.Der Sensex, der Leitindex der indischen Börse, ist seither um immerhin mehr als 40 Prozent gestiegen. Anfangs waren es nur Vorschusslorbeeren, die man dem reformfreudigen Premier gab, doch nun nachdem seinen Ankündigungen auch immer öfter Taten folgen, zeigt sich Wirtschaft und Börse in bester Laune. „Von Indien sind wir von den Schwellenländern am stärksten überzeugt“, behauptet so auch Didier Saint-Georges, Investmentexperte bei der Fondsgesellschaft Carmignac.
Alleine gemessen am Wirtschaftswachstum ist die Euphorie der Investoren verständlich. 2015 wuchs die Wirtschaft Indiens mit 7,2 Prozent bereits schneller als die Chinas, heuer soll es auf 7,5 Prozent steigen. Das Wachstumstempo dürfte sich im nächsten Jahr weiter erhöhen. Zahlungsbilanz und Wirtschaftsindikatoren sind ebenfalls robust. Ein Vorteil gegenüber entwickelten Wirtschaftsräumen wie der EU oder den USA: Die Verschuldung ist mit 69 Prozent des BIP moderat.

Vor allem vom jüngsten Reform erhoffen sich die Investoren einen neuerlichen Wachstumsschub: Die Vereinheitlichung der Steuern auf Waren und Dienstleistungen. Die Einführung einer landesweiten Mehrwertsteuer hat damit ein äußerst ineffizientes Netzwerk von Umsatzsteuern lokaler Bundesstaaten abgelöst. "Eine einzige Steuer auf Waren und Dienstleistungen steigert die Effizient der Wirtschaft auf allen Ebenen“, so Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select. Alleine dieser Schritt dürfte das Wirtschaftswachstum auf über acht Prozent katapultieren. Doch es gibt noch zahlreiche andere Reformen von denen starke Wachstumsimpulse ausgehen dürften.

Fünf weitere Reformen, die derzeit das Wachstum fördern:


Steigende staatliche Investitionen . Ein Anstieg der staatlichen Ausgaben für die Straßen- und Schieneninfrastruktur. Langwierige Prozesse beim Frachtverkehr dürften so abmildert werden.
Höhere Produktivität durch Reformen im Rohstoffsektor. In den Branchen Kohle und Energie wurden mehrere Reformen und Initiativen umgesetzt, und so die Häufigkeit von Stromausfällen verringert.
Besseres Insolvenzrecht. Das jüngst verabschiedete Insolvenzgesetz dürfe dazu beitragen, im Bankensystem festsitzende Kredite herauszulösen und Banken die Abwicklung von Insolvenzen zu erleichtern.
Mit erstem eigenen Bankkonto der Armut entrinnen. Alle Haushalte sollen Personalausweise und Bankkonten erhalten. Diese beiden Regierungsprogramme sind wichtige Schritte, um Menschen aus der Armut herauszuführen und sie in das formelle Finanzsystem zu integrieren. Bankkonten, Sozialversicherung und Krankenversicherung wurden dazu bereits mit eindeutigen biometrischen Informationen für die gesamte Bevölkerung verknüpft. So hat bereits für Millionen die Befreiung aus der Armut eingesetzt, während weite Teile des Landes aus der Schattenwirtschaft in das offizielle Bankensystem überführt wurden.
Steigende Hygiene. In Indien gibt es mehr Handys als Toiletten. 600 Millionen Inder verfügen über keinen Zugang zu einer Toilette. Da in jedem Stuhl Millionen von Bakterien stecken und ohne Abwassersystem in Felder und Flüsse gelangen, sterben hunderttausende Menschen an mangelnder Hygiene. Schätzungsweise rund 600.000 Inder sterben jedes Jahr an Durchfall. Die Regierung hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht über 100 Millionen Toiletten zu bauen. So sollen nicht nur Erkrankungen reduziert werden, sondern auch die Produktivität der erwerbstätigen Bevölkerung senken.

Hoffnung ruht auf Konsum

Treiber des Wachstums ist die Binnenwirtschaft Nun hoffen Investoren, dass die Kaufkraft der Haushalte weiter steigt. „Reformen und staatliche Infrastrukturausgaben allein reichen nicht aus, um das indische Wachstums-Wirrwarr vollständig zu entflechten“, so Natasha Ebtehadj, Portfoliomanagerin für indische Aktien bei der britischen Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments. „Wenn sich das BIP-Wachstum gegenüber aktuell sieben Prozent deutlich steigern soll, müssen auch Private stärker investieren."

Die Aufholjagd Indiens hat begonnen

Wie stark Indien aufholt, zeigt etwa der steigende Zugang zum Internet. 2010 gab es knapp 20 Millionen Internetzugänge. Ende 2015 waren es 350 Millionen, und bis 2020 wird sich diese Zahl mit voraussichtlich 730 Millionen mehr als verdoppeln. Google hat sich nun sogar zum Ziel gesetzt jeden Inder ins Internet zu bringen. "Für einen Großteil der Inder ist es immer noch zu teuer, online zu gehen", sagte der Geschäftsführer von Google Indien, Rajan Anandan. "Wir wollen aber jeden Inder online bekommen."


Ein weiteres Beispiel sind Flugreisen: In Großbritannien machen die Leute durchschnittlich zwei Flüge im Jahr. Menschen in weniger weit entwickelten Ländern Asiens wie etwa Thailand fliegen etwas seltener als einmal pro Jahr. In Indien liegt der Durchschnitt laut Angaben der Weltbank derzeit bei nur 0,08 Flügen pro Jahr. Aber die indischen Einkommen steigen nach Angaben der Wirtschaftsexperten von Ernst & Young schnell und die städtische Mittelklasse des Landes (Menschen, die zwischen 10 und 100 Dollar pro Tag verdienen) wird voraussichtlich von heute etwa 50 Millionen Menschen auf 475 Millionen im Jahr 2030 ansteigen. In der Landwirtschaft holt Indien ebenso auf. 2014 ist das Land zum größten Rindfleischexporteur der Welt aufgestiegen. In weniger als zehn Jahren konnte das Land seinen Export von gut 0,6 Millionen Tonnen auf mehr als 2 Millionen Tonnen mehr als verdreifachen. Rindfleischexporte lösten inzwischen sogar Basmatireis als das Agrarprodukt ab, mit dem das Land den meisten Exportumsatz macht.

Welche Unternehmen profitieren


Eines gleich vorweg, die IT- und Telekombranche, jahrelang die Vorzeigebranche Indiens, zählt nicht dazu. Die Branche leidet unter der schwachen Weltkonjunktur. „Heute liegt das wahre, längerfristige Potenzial in der Binnenwirtschaft und der wachsenden Mittelklasse Indiens“, so Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select.

Innovative Indische Firmen und Verbesserungen bei Unternehmensführung

Auch lokale Unternehmen sind wettbewerbsfähig. „Heute gibt es in Indien viele innovative, hochwertige Unternehmen, die bereit sind, auf die sich wandelnden Bedürfnisse der indischen Verbraucher zu reagieren“, analysiert Vazirani. Der Aktienmarkt ist mit über 4.000 notierten Unternehmen mit einem Gesamtwert von 1,2 Billionen Dollar riesig und extrem breit gefächert. Das Spektrum reicht von dynamischen inländischen Fluggesellschaften, die den anhaltenden explosionsartig steigenden Bedarf an Flugreisen decken können, bis hin zu innovativen Pharmaunternehmen, die zu ihren eigenen Bedingungen mit globalen Marken in den Wettbewerb eintreten können. Die Corporate Governance, in der Vergangenheit oftmals ein Sorgenkind, verbessert sich beständig, und hat laut Transparency International bereits ein besseres durchschnittliches Rating als China (5) bei der Führung seiner Unternehmen.

Die wichtigsten Bewertungskennzahlen für Aktieninvestoren

Indien ist derzeit mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 18,9 zwar nicht mehr so billig, wie in den vergangenen Jahren. So lag die Bewertung in den letzten zehn Jahren im Schnitt bei 16,6, dafür ist das prognostizierte Gewinnwachstum deutlich höher als in der Vergangenheit. Statt des jährlichen Gewinnwachstums von zehn Prozent in den vergangenen zehn Jahren soll sich dieses laut DZ Bank 2017 auf 22 Prozent mehr als verdoppeln. Das durchschnittliche Gewinnwachstum der Emerging Markets für 2017 liegt aktuell bei 13,9. Die Kurse dennoch noch nicht durch die Decke gegangenen. Seit Jahresbeginn lag das Kursplus bei sechs Prozent.

Die Risiken

Doch es gibt auch Schattenseiten: In Indien sind fast 30 Prozent der Bevölkerung unter 24 Jahre alt. Was zwar eigentlich ein hervorragendes Zukunftspotential bieten würde, aber nur wenn diese auch eine gute Ausbildung und Arbeitsplätze bekommen. Und genau hier ist derzeit das Problem. 2015 wurden nur 135.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das ist der geringste Zuwachs seit Jahren. Bei der Ausbildung hapert es ebenso. Geld dafür hat Modi sogar gekürzt. Vor allem am Land gibt es vielfach unqualifizierte Lehrer. Schulen werden teilweise zweckentfremdet genutzt. Da Indien förderal reagiert wird, unterliegen viele Entscheidungen den Landesparlamenten. Die Einführung eines zentrale Beschäftigungs- und Ausbildungspolitik ist so nicht möglich. Das Kastenwesen ist ebenso ein Hemmschuh für die Wirtschaft. So sind viele Jobs im öffentlich Dienst nur für bestimmte Kasten zugänglich.
Auch wenn die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Indien nicht besonders groß sind, hat die Chinakrise auch die Börse im Mumbai erwischt und zu Jahresanfang etwa getroffen. Viele Konzerne sind hoch verschuldet. Vor allem die Banken sind in einer schweren Krise. Die Zinspolitik in den USA wirkt sich ebenso auf Indiens Börse aus. Sobald nur das Gerücht einer Zinswende auftaucht, reagiert der Sensex. Die Börse zählt zu jenen mit den höchsten Kursschwankungen. 80 Prozent Kursgewinn in einem Jahr und mehr ist ebenso möglich, wie ein ebenso hohe Verluste. Doch wer einen geringen Prozentsatz seines Kapitals an den indischen Markt investiert, könnte in mehreren Jahren reich belohnt werden.

Welche Indien-Fonds sich seit Jahren bewähren:

Zu den Indien-Fonds, die sich seit Jahren zu den besten ihres Segments zählen, gehört der Jupiter India Select (ISIN: LU0946219929). Der von Vazirani gemanagte Fonds, erzielte seit Jahresbeginn einen Wertzuwachs von 14,6 Prozent und zählt damit zu den renditestärksten Fonds seiner Vergleichsgruppe. In den vergangenen drei Jahren warf der Fonds jährliche einen Ertrag von im Schnitt 34,1 Prozent ab und ist damit im 3-Jahresvergleich der beste seiner Klasse. In den vergangenen zehn Jahren im Schnitt immerhin gut zehn Prozent. Der 4-Sterne-Fonds ist ein Stock-Picker und investiert sowohl große, etablierte Unternehmen als auch in mittelgroße Unternehmen, die unter Umständen auch das Potential haben zu den Riesen von morgen zu zählen.

Der Comgest Growth India fuhr heuer bisher sogar eine Rendite von 21,6 Prozent ein. Die Investmentphilosophie erklärte Wojciech Stanislawski, Manager des Fonds, im Vorjahr gegenüber format.at: "Wir investieren in Unternehmen, die sich auch relativ unabhängig von der Konjunktur entwickeln und langfristig eine gute Perspektive für Anleger bieten. Wir investieren nicht auf Basis von makroökonomischen Grundlagen, sondern sehen uns an wie gut, die Unternehmen, die für uns in Frage kommen, dastehen. Wir wählen nur Aktien von Unternehmen aus, die stark wachsen, aber dennoch über ein solides Fundament verfügen und große Player in ihrer Branche sind. Wir bilden auch nicht den breiten Markt ab und haben ein sehr konzentriertes Portfolio von rund 40 Aktien.

Der Franklin India (WKN: AOHF4A) zählt mit einem Fondsvolumen von 3,6 Milliarden Dollar ebenfalls zu den Flaggschiffen der Branche und schlägt wie die beiden anderen Aktienindex und Investmentkategorie seit Jahren. Der Fonds orientiert sich nicht an einen Vergleichsindex und profitiert von seinem erfahrenen Team für diesen Spezialbereich von Franklin Templeton, das direkt in Indien sitzt. Das Spezialgebiet ist die Auswahl großer, wachstumsstarker Unternehmen. Das Portfolio ist mit aktuell 46 Titel ebenfalls konzentriert.

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