Ken Fisher: Ich erwarte einen starken Anstieg

Ken Fisher: Ich erwarte einen starken Anstieg

Ken Fisher - Investmentberater und Autor

Gastkommentar. Nach einem düsteren vergangenen Jahr bringt 2019 für heimische Anleger wieder eine Morgendämmerung.

Sind Sie enttäuscht nach dem schwachen Aktienjahr 2018? Das Abrutschen des ATX um 17,4 Prozent war ziemlich unschön. Die Entwicklung zwischen Hoch- (23. Jänner) und Tiefstand (27. Dezember) von minus 25,2 Prozent entspricht den meisten Definitionen eines Bärenmarkts. Die weltweiten Aktien entwickelten sich zunächst besser und erreichten am 3. Oktober ein Allzeithoch. Ein Abrutschen Ende des Jahres sorgte jedoch für ein Jahresminus von 4,1 Prozent.

Die gute Nachricht? Egal, ob der Marktrückgang oberflächlich war wie in Österreich oder eine Korrektur wie bei den globalen Aktien, es folgt immer ein V-förmiger Abpraller. Ich erwarte für 2019 einen Anstieg um 15 bis 25 Prozent, angetrieben von einer kräftigen Erholung in Europa und Österreich.

Es ist menschlich und verständlich, dass Anleger nach dem schlechten 2018 auch für 2019 Kummer erwarten. Verhaltensforscher nennen das "Recency Bias" oder Rezenzeffekt. Abschwünge wie der im Dezember können sich aber schnell umkehren und tun es zumeist dann, wenn es am wenigsten erwartet wird. Auch wenn mein Optimismus im vergangenen Herbst falsch war, ist das kein Grund für Pessimismus. Schauen wir also nach vorn.

JETZT PESSIMISTISCH zu sein widerspricht 100 Jahren Aktienmarktgeschichte. Nehmen wir den amerikanischen S&P 500 in US-Dollar, weil er die längsten durchgängigen Daten bietet. Nach einem schwachen Jahr betrug der durchschnittliche Ertrag 12,4 Prozent. Zwei aufeinanderfolgende rückläufige Jahre kamen nur während globaler Rezessionen oder weltweiter Kriege vor, sonst kaum. Nichts davon wird jetzt passieren.

Die Talsohlen von Bärenmärkten oder Korrekturen (ein Minus von zehn bis zwanzig Prozent ohne Rezession) bilden einen beängstigenden Rutsch, der wie die linke Seite eines V geformt ist. Ungeachtet ihrer Tiefe folgt darauf jedoch bald ein rasanter Anstieg - die rechte Seite des V. Seit 1925 stiegen US-Aktien im Jahr nach dem Ende einer Korrektur im Schnitt um 34 Prozent, nach einem Bärenmarkt um 47 Prozent. In Geschichtsbüchern wird intensiv auf Zeiten wie die der Krise nach dem Wiener Börsenkrach 1873 oder der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren eingegangen - Anomalien, die nicht mit heute vergleichbar sind.


Die V-förmige Erholung wird bald einsetzen.

Die Schwankungen in Österreich, Amerika und der Welt waren 2018 stimmungsgetrieben. In Amerika stiegen die Unternehmensgewinne 2018 geschätzt um 20,4 Prozent und werden es 2019 weiter tun. Das BIP in Amerika und Österreich wächst kräftig. Nur in fünf Industrieländern ging es im dritten Quartal 2018 zurück: Deutschland, Italien, Schweden, Schweiz und Japan, die für 14,5 Prozent des weltweiten BIP stehen - zu wenig für eine globale Rezession. Zudem scheinen die meisten Probleme vorübergehend und nicht anhaltend zu sein. Das Wachstum in Amerika, China, Indien und großen Teilen Europas gleicht die Schwäche aus. Positive Zinsstrukturkurven und steigende Leading-Economic-Indizes weisen dafür auf weiteres globales Wachstum hin.

Gleichzeitig hält der weltweite Stillstand die politischen Risiken klein. Und was noch dazukommt: 2019 ist das dritte Jahr von Präsident Trump - historisch das beste im vierjährigen Politturnus Amerikas, weil sich die Politiker um die Wiederwahl bewerben. In 91 Prozent der Jahre seit 1925 waren die Renditen dritter Jahre mit durchschnittlich 17,8 Prozent positiv und entwickelten sich seit 1939 nie negativ.

ALLES AN DER Marktentwicklung im Dezember sagt mir, dass die V-förmige Erholung bald einsetzen wird, wenn sie es nicht schon getan hat. Außerdem wurde der Rückgang im Dezember vor allem von kollidierenden amerikanischen Hedgefonds verursacht. Hunderte wollten insgeheim zum Jahresende wegen ihrer schlechten Performance die Bücher schließen, aber niemand wusste, dass so viele gleichzeitig zur vollständigen Liquidierung drängten. Weitere Hunderte mussten Liquidität schaffen, um einer Rückkaufwelle Anfang Jänner zu begegnen. Dies verursachte den kräftigen, Panik auslösenden Rückgang im Dezember. Die Daten über Kapitalströme in ETFs und Investmentfonds belegen das. Nun sind Jahresende und Panik vorbei und die weltweiten Aktien liegen bereits um 6,1 Prozent über ihrem Tiefpunkt vom 24. Dezember.

Ärgern Sie sich wegen 2018 nicht länger. Die falschen Ängste werden schwinden. In Italien ist das schon geschehen. Der Brexit geht in die Endphase. Während sich der Nebel lichtet, dürften die Aktien auf der rechten Seite des V hochschießen.


Der Autor

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Einmal im Monat analysiert er im trend nun die Lage an den Märkten.



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