"Höhe der staatlichen Pension nicht vorhersehbar"

Das österreichische Pensionssystem könnte schon in wenigen Jahrzehnten ins Wanken geraten.

Das österreichische Pensionssystem könnte schon in wenigen Jahrzehnten ins Wanken geraten.

Laut dem aktuellen „Finanzierbarkeitsindex"von Pensionen der Allianz rangiert Österreich im Vergleich zu 54 anderen Ländern gerade einmal im Mittelfeld. Doch die Belastungen für das Pensionssytem steigen bis 2050 erheblich. Bereits 2030 kann es kritisch werden. Wo Experten die Situation einschätzen und wozu sie raten.

Der Versicherungskonzern Allianz lässt mit einer großangelegten Studie über die Nachhaltigkeit von Pensionssystemen weltweit aufhorchen. Grundlage für die Studie der Allianz über die Nachhaltigkeit von Pensionssystemen in weltweit 54 Staaten sind demografischen Trends, der Situation der Staatsfinanzen und die Ausgestaltung des Pensionssystems. Bei einer Gesamtbewertung von 10 besteht kein Bedarf – ein Score von 1 deutet auf hohen Reformdruck hin.

Österreich hinter Schweiz und Deutschland

Weltweit weist demnach Australien das nachhaltigste Pensionssystem mit dem geringsten Reformdruck auf, Platz 2 belegt Dänemark, gefolgt von Schweden.
Das nachhaltigste Pensionssystem der D-A-CH-Region hat laut aktueller Studie die Schweiz (Platz 13), deren Pensionssystem deutlich besser aufgestellt ist als das jenes Österreichs. Die Schweiz wird gefolgt von Deutschland (Platz 25). Österreichs Pensionssystem wird in Sachen Nachhaltigkeit weiterhin ein eher durchschnittliches Zeugnis ausgestellt und belegt Platz 28.

Länder mit mehreren Säulen der Finanzierung stehen gut da

Die aktuellen Ergebnisse zeigen laut Allianz, dass vor allem jene Länder wie die Schweiz die gut dastehen, dass deren Altersvorsorgesysteme auf mehreren Säulen steht und mit Reformen frühzeitig begonnen haben. „Ein gutes Ranking im Index deutet darauf hin, dass das Pensionssystem eines Landes mit aktuellen und künftig zu erwartenden demografischen Entwicklungen mithalten kann. Frühzeitig eingeführte Reformen scheinen hier langsam aber sicher Früchte zu tragen“, erklärt Brigitte Miksa, Pensionsexpertin bei Allianz Asset Management. So ist die betriebliche Pensionsvorsorge, etwa im Vergleich zu Deutschland, in Österreich äußerst schwach ausgeprägt. Experten fordern seit Jahren die betriebliche Vorsorge stärker zu fördern. Ebenso die private Vorsorge. Zwar steht es in Österreich jedem frei privat vorzusorgen, aber staatlich gefördert, wird diese Investition, außer in Form der nahezu nicht mehr existenten Zukunftsvorsorge, nicht. Pensionsexperten fordern deshalb seit Jahren die steuerliche Absetzbarkeit von Eigenbeträgen. Pensionskassen-Verband-Chef Andreas Zakostelsky sieht darin eine "Win-Win-Situation für Saat und Arbeitnehmer."

Bis 2050: Österreichs „Altenquotient“ wird sich verdoppeln

Der Reformdruck hängt auch vom Alterungsprozess der Bevölkerung ab. Diese Entwicklung kann man am „Altenquotient“ abgelesen. Dieser misst das Verhältnis zwischen den Über-65-Jährigen zu denjenigen im Haupterwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren. Wie die Allianz Studie zeigt, wird sich der Altenquotient bis 2050 in vielen Regionen der Welt deutlich steigern: Spitzenreiter ist Lateinamerika mit einer Verdreifachung dieses Wertes, in Nordamerika und Europa wird ein Zuwachs um 75 Prozent prognostiziert. Als wesentliche Treiber für diese Entwicklung sehen Allianz Experten vor allem niedrige Geburtenraten und dass nun die Generation der Babyboomer beginnt in Pension zu gehen. In Österreich wird der Altenquotient von derzeit 28,3 auf 54,8 im Jahr 2050 steigen. Das bedeutet, dass deutlich mehr Erwerbstätige für eine immer mehr Pensionisten aufkommen müssen. „Der Rucksack der arbeitenden Bevölkerung wird 2050 fast doppelt so schwer sein wie heute“, so Littich.

Ausschlaggebend für die langfristige Nachhaltigkeit eines Pensionssystem sind unter die Staatsausgaben für die erste Säule: Im globalen Vergleich gibt Österreich 13,9 Prozent des BIP für die erste Säule aus – und liegt damit auf Platz 5. Spitzenreiter ist Griechenland (16 Prozent), am wenigsten in Europa bringen die Niederlande auf (7 Prozent), weltweit Singapur (0,7 Prozent). Globale Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf das Verhältnis zwischen Bruttopension aus der ersten Säule und durchschnittlichen Bruttoeinkommen (Bruttoersatzrate): Dieser Wert beträgt hierzulande 51 Prozent. Damit liegt Österreich weltweit auf Platz 13, die höchste Bruttoersatzrate mit 79 Prozent erhalten Spanier, gefolgt von Luxemburgern (77,7 Prozent). Schlusslichter sind Mexiko und Chile mit jeweils 5 Prozent.

2030: Jeder dritte älter als 60 Jahre

Fest steht, die globale Pensionslandschaft wird sich massiv verändert: Kapitaldeckungsverfahren gewinnen gegenüber Umlageverfahren weltweit an Bedeutung, beitragsorientierte Pensionspläne gegenüber leistungsorientierten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt die Bedeutung der finanziellen Eigenvorsorge für die Pension an Notwendigkeit: Im Jahr 2030 wird jeder dritte Österreicher älter als sechzig Jahre alt sein, die Lebenserwartung steigt statistisch um drei Monate pro Jahr und jedes zweite derzeit Neugeborene wird hundert Jahre alt. Das Umlageverfahren gerät aufgrund dieser dramatischen Entwicklung immer mehr unter Druck.

Fondssparpläne und Lebensversicherungen als Bausteine für die Altersvorsorge


Niemand kann genau voraussagen, wie hoch die staatliche Pension in zwanzig, dreißig oder mehr Jahren ausfallen wird

so Littich. Um ein sorgenfreies Altern genießen zu können, muss man daher verstärkt selbst vorsorgen. Je höher das Aktiveinkommen, desto höher voraussichtlich auch die finanzielle Lücke. Um diese zu schließen eigenen sich unter anderem Fondssparpläne. "Diese können je nach Lage an den Märkten und eigenem Risikoprofil relativ flexibel zwischen den Asset-Klassen wählen", so Christian Jost, Vorstand von C-Quadrat Asset Management.
Auch Lebensversicherungen können einen wichtigen Beitrag zur Eigenvorsorge leisten, wenn die Erträge aufgrund der jahrelangen Niedrigzinsphase äußerst bescheiden. Diese Sparform garantiere nicht nur eine Leistung, sondern auch die Höhe der Pension über lange Zeithorizonte garantieren kann – auch wenn Kunden hundert Jahre oder älter werden.

Jeder siebente 40-Jährige erlebt seinen 65. Geburtstag nicht

Lebensversicherung spielen nicht nur bei der Altersvorsorge sondern auch zur Absicherung des Ablebensrisiko eine wichtige Rolle: Jeder siebente 40-Jährige erlebt seinen 65. Geburtstag nicht. Durch den Abschluss eines Versicherungsvertrages sind Hinterbliebene finanziell gut abgesichert. Jährlich wird so in Österreich die Existenz von über 40.000 Familien gesichert, die dadurch in geringerem Ausmaß auf staatliche Auffangnetze zurückgreifen müssen.

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