Ultraschneller Aktienhandel: Roboter sind die besseren Spekulanten

Ultraschneller Aktienhandel: Roboter sind die besseren Spekulanten

Bei sogenannten "High Frequency Trades" analysiert eine Software Finanznachrichten und führt daraufhin in Sekundenbruchteilen Trades durch. Das Konzept ist kein Nischenprogramm mehr, sondern längst Mainstream. Menschen können als Investoren in punkto Schnelligkeit gegenüber den Robotern nur verlieren. Und müssen ihr Investment-Verhalten daher ändern.

Wenn Laien an Aktien und Börsen denken, dann beschwören sie vor ihrem inneren Auge das Bild eines Herrn im Anzug hervor, der in seiner Stretch-Limousine durch Manhattan fährt und mit cholerischer Stimme „Kaufen Kaufen!“ in den Hörer seines Autotelefons brüllt. Dieses Bild ist ein Relikt der Vergangenheit.

Nicht nur, dass private Investoren ihre Trades heutzutage meist mit nur wenigen Klicks über Online-Broker abwickeln – in den meisten Fällen sind es nicht einmal mehr Menschen, die da handeln, sondern Computersysteme. Als „High Frequency Trading“ (kurz: HFT) bezeichnen Experten diese Vorgangsweise, bei der Entscheidungen über den Kauf und Verkauf von Wertpapieren in Sekundenbruchteilen von eigens dafür entwickelten Programmen gefällt werden. Das ist kein Nischenphänomen mehr, sondern längst Mainstream: In den liquidesten Marktsegmenten in Europa und den USA macht HFT nun fast 50 Prozent der Handelsaktivitäten aus.

Benötigt wird dafür eine Infrastruktur auf dem neuesten Stand der Technik, die durch hohe Rechenleistung und schnelle Leitungen auf eine möglichst geringe Zeitverzögerung ausgerichtet ist – teils wird dabei sogar darauf geachtet, die eigenen Server räumlich möglichst nah an jenen der Börse zu platzieren. Bei den ultraschnellen Trades zählt nämlich jede Millisekunde.

Der frühe Vogel fängt den Profit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit HFTs Gewinne zu erzielen. Bei der sogenannten „statistischen Arbitrage“ geht es etwa darum, Preisunterschiede zwischen verbundenen Produkten oder Märkten auszunutzen, zum Beispiel zwischen einem börsengehandelten Fonds (Exchange-traded fund: ETF) und dem zugrundeliegenden Korb an Einzelwerten. Dies ist an und für sich nicht verwerflich, zumal durch den Handel mit den Preisdiskrepanzen diese schlichtweg schneller abgebaut werden. Weit kritischer sind schon die sogenannten „direktionalen Strategien“ zu sehen – allem voran das sogenannte „News Trading“.

Schließlich gibt es genug Finanznachrichten, die das Potenzial haben, für Bewegung an den Börsen zu sorgen: Aussagen der Notenbanken zu Geld- und Zinspolitik, Quartalsbilanzen und natürlich politische Beben, wie das Brexit-Votum im Sommer diesen Jahres. Je nach Inhalt der Nachricht handelt der Computer in die entsprechende Richtung, kauft also zum Beispiel eine Aktie – nur um sie kurz danach mit einem Gewinn wieder zu verkaufen. Dabei ist er deutlich schneller als es ein Mensch jemals sein könnte, denn er setzt beide Handlungen innerhalb der ersten Sekunde nach Bekanntwerden der Nachricht. Wenn der menschliche Investor später die Bekanntgabe in einem Finanzmedium liest und darauf reagieren möchte, kann er gegenüber dem Computer nur noch den Kürzeren ziehen – der Löwenanteil des Kuchens ist zu diesem Zeitpunkt längst verteilt.

Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt, auf den Analysten der Deutschen Bundesbank in ihrem Monatsbericht von Oktober 2016 hinweisen: Nicht bloß, dass HFT-Akteure durch das Ausnützen von Geschwindigkeitsvorteilen bei stark schwankenden Kursen die höchsten Gewinne erzielen können – sie erhöhen durch ihr Verhalten auch die Volatilität der Märkte und sorgen dadurch für erhöhte Unsicherheit unter den Investoren. Befürworter der HFTs betonen wiederum, dass durch die Robo-Investoren mehr Geld in den Markt gepumpt wird – und sich dementsprechend die Liquidität erhöht.

Eine Frage der Fairness

In ihrem Bericht weisen die Analysten der Deutschen Bundesbank darauf hin, dass langsamere Marktteilnehmer durch HFTs entmutigt werden, auch in Zeiten hoher Volatilität ausreichend Geld in den Markt zu pumpen. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, werden laut den Experten bereits verschiedene Instrumente diskutiert – darunter etwa die Einführung einer minimalen Zeitverzögerung in der Ausführungszeit der Aufträge aller Marktteilnehmer.

Langsamere Investoren würden somit eher die Gelegenheit erhalten, ihre Aufträge an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Ihre Wettbewerbsnachteile werden zumindest teilweise kompensiert, ohne dass der technische Fortschritt an den Handelsplätzen spürbar gebremst wird. Außerdem, so die Autoren, „wären hierdurch die Anreize für das in Hinblick auf den volkswirtschaftlichen Nutzen zweifelhafte technologische „Wettrüsten“ an den Börsenplätzen reduziert“.

Der Mensch kann niemals den Roboter schlagen

Ein Praxisbeispiel dafür gibt es bereits in den USA: Die elektronische Handelsplattform IEX Group verzöget den Handel mit Aktien an der Wallstreet seit dem Frühjahr 2016 um 350 Millisekunden. Das ist genug, um das technologische Wettrüsten unter den Robo-Tradern einzudämmen – allerdings ist der Privatinvestor gegenüber den institutionellen HFTs nach wie vor im Nachteil.

Hier gilt wohl der Rat, den verschiedene Analysten im Gespräch mit trend.at unisono geben: Nicht zocken und mit Schnelligkeit zu punkten versuchen, sondern Aktien als ein Investment in Unternehmen sehen und die Beteiligungen möglichst lange halten. Wer mit dieser Philosophie an seine Investitionen herangeht, der löst sich erstens vom Bild des nach schnellem Profit gierenden Spekulanten und tritt vielmehr als Investor auf, der Unternehmen Kapital für ihre Wachstumspläne zur Verfügung stellt. Zweitens profitiert er von der Erkenntnis, dass der Robo-Trader dem Menschen in punkto Schnelligkeit immer überlegen ist – und dass die Gewinnchancen des menschlichen Privatinvestors im langfristig ausgelegten, mit Bedacht ausgelegten Investment liegen.

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