Hartnäckige Inflation: EZB steht vor Kursänderung

Der Inflationsschock der vergangenen Monate setzt die EZB unter Druck, ihren finanzpolitischen Kurs zu ändern. EZB-Chefin Christine Lagarde gesteht ein: "Die Situation hat sich in der Tat geändert."

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos (li) und Präsidentin Christine Lagarde bei ihrer Erklärung am 3. Februar 2022

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos (li) und Präsidentin Christine Lagarde bei ihrer Erklärung am 3. Februar 2022

Angesichts gestiegener Inflationsgefahren rückt die EZB ein Stückerl von ihrer Absage an eine Zinswende im heurigen Jahr ab. EZB-Chefin Christine Lagarde wiederholte nach der jüngsten Ratssitzung ihre Aussage nicht mehr, dass eine Erhöhung 2022 sehr unwahrscheinlich sei.

Lagarde signalisierte stattdesssen Handlungsbereitschaft im Kampf gegen steigende Preise. Sie räumte ein, die Inflation sei im Dezember und Jänner angesichts eines unvorhersehbaren Energiepreisschocks "überraschend" stark gestiegen. Das habe im EZB-Rat einhellig für Besorgnis gesorgt, man sei auf dem falschen Fuß erwischt worden. "Die Situation hat sich in der Tat geändert", sagte die Lagarde. Vor allem auf kurze Sicht dürfte die Inflation hoch bleiben.

Mit Blick auf die geradezu explodierenden Energiepreise sprach die EZB-Chefin von einem "massiven Schock". Die EZB werde nun sorgfältig die weiter hereinkommenden Daten auswerten und dann im März eine Entscheidung treffen. Ob sie dann bereits auf eine straffere Linie umschwenken wird, ließ Lagarde offen: "Ich kann dem nicht vorgreifen." Doch sei die Zeit für eine Zinswende noch nicht gekommen: "Wir sind noch nicht soweit."

Inflation: Gekommen, um zu bleiben

Die zuletzt weiter gestiegene Teuerungsrate in der Eurozone wird aus Sicht Lagardes vor allem kurzfristig noch hoch bleiben. "Die Inflation wird wahrscheinlich noch länger als bisher gedacht erhöht bleiben, aber sich abschwächen im Laufe dieses Jahres", sagte die Französin. Die hohen Energiepreise erwiesen sich als hartnäckig. Aber auch die Lebensmittelpreise kletterten deutlich. Risiken gebe es derzeit eher wegen einer weiter steigenden Teuerungsrate.

Die Inflationsrate ist im Euroraum im Jänner auf 5,1 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997. Experten hatten hingegen einen Rückgang der Inflation auf 4,4 von 5,0 Prozent im Dezember erwartet. Damit entfernt sich die Rate immer weiter vom mittelfristigen EZB-Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent. In Österreich zog die jährliche Teuerungsrate zu Jahresbeginn laut Schnellschätzung der Statistik Austria ebenfalls auf 5,1 Prozent an. Im Dezember lag die Inflation noch bei 4,3 Prozent. Vor allem steigende Energiepreise heizen den Preisauftrieb an.

Viele Regierungen in Europa starten Hilfsprogramme wegen hoher Heizkosten. Die Ukraine-Krise hat laut dem Chef des deutschen ZEW-Instituts, Achim Wambach, das Potenzial die Preise weiter zu treiben. Auch spielen bei dem derzeit hohen Preisdruck Störungen der Lieferketten eine Rolle, die sich aus der Pandemie ergeben haben.

Kursänderungen in den USA

Die US-Notenbank Fed hat für März eine Zinswende signalisiert, der mehrere weitere Schritte nach oben im Jahresverlauf folgen dürften. Die EZB beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz einstweilen auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zugleich müssen Finanzinstitute weiterhin Strafzinsen berappen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Der dafür gültige sogenannte Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wollte eine beträchtliche Minderheit der EZB-Währungshüter breits erste geldpolitische Schritte gegen den Inflationsschub einleiten. Sollte sich die Teuerung nicht merklich abkühlen, sei nun eine Entscheidung auf der März-Sitzung wahrscheinlich. Ein schnelleres Zurückfahren der Anleihenkäufe des sogenannten APP-Programms werde dann geprüft. Ein Sprecher der EZB wollte dazu nichts sagen.

Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen von Deutschland und anderen großen Euroländern stiegen nach den Äußerungen Lagardes an. Der Kurs des Euro zog zeitweise um 0,8 Prozent auf 1,1361 Dollar an.

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