Handelskrieg: China wertet den Yuan ab, Märkte geben nach

Wechselkurs als Waffe im Handelskrieg: China wertet den Yuan ab.

Wechselkurs als Waffe im Handelskrieg: China wertet den Yuan ab.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China schaukelt sich weiter hoch. Peking dreht an der Währungsschraube und lässt die Aktienmärkte beben. US-Präsident Trump zürnt wieder einmal via Twitter, der Goldpreis steigt auf ein Sechsjahres-Hoch.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China, den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, eskaliert weiter: Die US-Regierung hat China offiziell als ein Land gebrandmarkt, das den Kurs seiner Währung manipuliert, um sich damit unfaire Vorteile im internationalen Wettbewerb zu sichern.

Chinas Währung gab am Montag deutlich nach. Ein Dollar kostete erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan (--> Wechselkurs USD/CNY). Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als vermeintlich "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Dass sie es jetzt doch zugelassen hat, rief bei Analysten Befürchtungen hervor, China könne den Wechselkurs zur Waffe im Handelskrieg mit den USA nutzen.

Ein niedrigerer Wechselkurs zum Dollar verbilligt den Preis chinesischer Produkte im Ausland. Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von Chinas Notenbank in Grenzen gesteuert. Dies wirft bei jeder Marktbewegung die Frage auf, inwieweit die Kursbewegung durch die Marktteilnehmer oder durch die Notenbank zustande kam.

Trump ortet Währungsmanipulation

Trump kritisierte die Abwertung des Yuan als "Währungsmanipulation". China habe den Kurs seiner Währung nahe an ein historisches Tief gesenkt, um sich Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen. Trump legte auf Twitter nach: China habe "schon immer die Manipulation seiner Währung genutzt, um unsere Unternehmen und Fabriken zu stehlen, unseren Arbeitsplätzen zu schaden" und die Löhne der amerikanischen Arbeiter zu drücken. "Damit ist jetzt Schluss."

Chinesische und amerikanische Unterhändler sollen sich im September erneut in Washington treffen, um ein Handelsabkommen abzuschließen.

Das US-Finanzministerium forderte Peking auf, alle Währungsgeschäfte künftig mit größerer Transparenz und Fairness durchzuführen. Finanzminister Steven Mnuchin werde in der Sache Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds einleiten, hieß es in Washington weiter.

Der jüngste Schritt der US-Regierung in dem eskalierenden Handelskonflikt dürfte China verärgern, hat aber zunächst wenig konkrete Auswirkungen. China hatte unmittelbar zuvor seine Währung, den Yuan, abgewertet und erklärte, chinesische Unternehmen würden keine Agrargüter mehr aus den USA importieren. Beides wurde als Reaktion auf die vergangene Woche von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle angesehen. Trump hatte zudem gewarnt, die Zölle von 10 Prozent auf chinesische Importe im Wert von rund 300 Milliarden Dollar könnten jederzeit erhöht werden.

China kontert

China wies den Vorwurf der USA der Währungsmanipulation mit dem Ziel eigener Vorteile im Welthandel zurück. Der chinesische Zentralbankchef Yi Gang erklärte, die Abwertung des Yuan sei durch den Markt bewirkt worden. Die Volksrepublik habe und werde den Yuan nicht als Waffe im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten einsetzen. China als Währungsmanipulator einzustufen, stelle eine ernste Verletzung internationaler Regeln dar.

Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, so die chinesische Zentralbank. China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten. Der Yuan-Kurs werde auf einem angemessenen, ausgewogenen Niveau gehalten.

Analysten sehen den tiefsten Stand des Yuan seit elf Jahren aber sehr als Ergebnis einer aktiven Interventionspolitik. Der Fall des Yuan sei Folge der jüngsten Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump, sagt etwa Bo Zhuang, Chefökonom bei der Unternehmensberatung TS Lombard. Mit dem derzeitigen Wechselkurs sei "klar, dass China jetzt bereit ist, eine weitere Schwächung seiner Währung hinzunehmen".

Finanzmärkte geben nach

Die neue Eskalation im Handelskonflikt führte zu großen Kurseinbußen an den Finanzmärkten. Viele Investoren befürchteten, dass Politiker der beiden Länder mit immer neuen Gegenmaßnahmen reagieren würden - und damit das Wachstum der Weltwirtschaft abwürgen könnten. Die Wall Street verzeichnete einen der schlechtesten Handelstage des Jahres. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial schloss rund 3 Prozent niedriger bei 25.717 Punkten, der Nasdaq-Index verlor fast 3,5 Prozent und schloss bei 7.726 Punkte.

In Asien und Europa hatten die Märkte ebenfalls nachgegeben - der deutsche Leitindex Dax verlor 1,80 Prozent. Sichere Häfen hingegen konnten zugewinnen: Der Goldpreis ist dagegen auf ein neues Sechsjahreshoch gestiegen. Gold gilt traditionell als Krisenschutz, der in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird.

Sorgenfalten bei Ökonomen

Ökonomen sehen die Eskalation mit Sorge. "Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern sein", sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. China habe immer schon seine Währung manipuliert. "Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen."

Fratzscher befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren "Made in Germany" außerhalb des Euroraumes teurer. "Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen", mahnte Fratzscher.

Der Yuan könnte im Laufe des August weiter sinken, auf 7,25 Yuan pro Dollar. Im kommenden Jahr könne der Kurs sogar die Marke 7,50 Yuan reißen - wenn die USA zurückschlagen und alle Strafzölle auf 25 Prozent anheben.

Doch auch ein schwacher Yuan wird kann die Folgen des Handelskriegs nicht komplett ausgleichen können. Und ein zu schwacher Yuan kann auch die chinesische Wirtschaft schwächen - Importe werden dann deutlich teurer für China, etwa das in Dollar abgerechnete wichtige Erdöl. Die Kapitalflucht, die Peking seit 2015 verschärft bekämpft, dürfte damit zudem wieder zunehmen.

Geld

Währungsrechner- Der Euro und die Weltwährungen

Investors Challenge #IC19 Abschlussgala

Börsewissen #IC19

Investors Challenge #IC19 Einladung zur Abschlussgala

Geld

"Gewinnschätzungen werden in erschreckender Konstanz revidiert"

Geld

Wirecard: Kein Testat für Bilanz 2017 der Singapur-Tochter