Halloween an der Börse: 6 Grusel-Grafiken für Anleger

Halloween an der Börse: 6 Grusel-Grafiken für Anleger

Die Finanzwelt kann ein unheimlicher Ort sein: Zu Halloween präsentiert deshalb das Anleihen-Team von M&G Investments sechs Grafiken zum Gruseln.

1. High Yield oder Hochzinsanleihen

Anleiheninvestoren lieben es gefährlich. Bei Thomas Cook und anderen Hochzinspapieren hat sich der Zinsritt nicht ausgezahlt.

Hochzinsanleihen sind auch hochriskant. Anleger in Thomas Cook Anleihen können ein Lied davon singen.

Wer auf der Suche nach einer anständigen Rendite ist, kommt am Markt für Hochzinsanleihen kaum vorbei. In diesem Jahr ging es dort bislang zweistellig nach oben: rund 12 Prozent in den USA und 9 Prozent bei Euro-Anleihen. Kein Wunder, dass auch Anleger, die normalerweise solidere Investment-Grade-Anleihen bevorzugen, auf Bonität verzichten und einen Ausflug in die Welt der High Yields unternehmen.

Doch Vorsicht: Wenn es bei bekannten Emittenten auch nur das geringste Anzeichen für Probleme gibt, neigen die High-Yield-Touristen zur Flucht, und zwar um jeden Preis. Einige Titel sind dieses Jahr schon abgestürzt, obwohl die Anleihen gar nicht ausgefallen waren.


2. Staatsanleihen

Langweilige Staatsanleihen? Von wegen! Für Anleger in argentinische Papiere war das letzte Jahr der reinste Horror, für Austro-Bond-Anleger war es dagegen ein Fest.

Blutbad Argentinien.

Staatsanleihen gelten allgemein als ein sicherer und eher langweiliger Bestandteil eines Portfolios. Österreich und Argentinien machen dieses Investment aufregend.
Anleger, die auf Staatsanleihen mit 2,1 Prozent bis 2117 gesetzt haben, können sich dieses Jahr für den Deal ihres Lebens auf die Schulter klopfen. Bei einer Laufzeit von fast 100 Jahren und einem AA-Rating konnte diese Emission angesichts des Abwärtsdrucks auf die Anleiherenditen ihren Wert fast verdoppeln. Argentinische Anleihen (8,75 Prozent /2024) erlebten dagegen ein Blutbad und verloren mehr als die Hälfte ihres Wertes. Aktuell werden sie mit nur noch 40 US-Dollar pro 100 Dollar Nennwert gehandelt.


3. Der Handelskrieg

Die Machtspiele von US-Präsident Donald Trump

Handelskrieg kostet Anlegern nur noch ein müdes Schulterzucken. Horrormeldungen gehen mittlerweile fast spurlos an ihnen vorüber.

Auf Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Segment hatten die Handelskonflikte zu Beginn dieses Jahres eine einschüchternde Wirkung. Inzwischen werden die Abwärtsbewegungen mit jedem neuen Tweet und jeder neuen Schlagzeile aber immer kleiner, und es sieht so aus, dass die Anleger des Handelskrieges allmählich müde sind.
Werden sie sich trotzdem wieder erschrecken lassen?

Der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren wird nachgesagt, dass sie in Handelsfragen sogar eine noch grimmigere Haltung vertritt als Donald Trump. Durch ihre Kritik an den großen Tech-Unternehmen, die auch große Anleiheemittenten sind, wurde sie schon als "der schlimmste Alptraum der Monopolisten" bezeichnet. Die US-Wahl mag noch weit weg erscheinen, doch ein Erfolg für die Demokraten könnte die Märkte ordentlich durchschütteln.


4. Gruselschocker Renditen

Renditen sind in manchen EU-Ländern selbst auf 20 Jahre Laufzeit negativ.

Man muss schon nach Mexiko ausweichen, um etwas Rendite für Staatsanleihen zu bekommen. Italien bietet auch noch eine schwache Zitterprämie für große Ängste.

Mit Anleihen konnte man bei entsprechender Summe ein Einkommen generieren. Aber das scheint schon Lichtjahre her. In Deutschland, Frankreich, Japan und Großbritannien sind die realen Renditen inzwischen sogar bis zu Laufzeiten von 30 Jahren negativ. Immerhin: In Italien muss man nur auf Sicht von sieben Jahren investieren, um eine inflationsbereinigte Rendite im positiven Bereich zu erzielen.

Kein Wunder, dass Anleger auf Schwellenländeranleihen setzen. Brasilien und Mexiko bieten zwar positive reale Renditen, ebenso wie die Türkei, doch hier könnte die Inflation noch für unangenehme Überraschungen sorgen – ein gruseliges Beispiel dafür, wie weit Anleiheinvestoren inzwischen gehen müssen, nur um Renditen über Null zu erzielen.


5. Unternehmensanleihen

Der Negativ-Virus breitet sich aus.

Die Negativzinsen bei Firmenanleihen erreichen einen absoluten Höchststand. Schrecklich: Anleihen im Nennwert von einer Billion Euro werfen keine Zinsen mehr ab.

Wer sich von negativ verzinsten Staatsanleihen nicht mehr erschrecken lässt, fürchtet sich vielleicht noch vor demselben Trend bei Unternehmensanleihen. Die Grafik oben zeigt den Nennwert aller negativ rentierenden Anleihen im ICE BofAML Euro Corporate Index. Inzwischen hat die Summe eine Billion Euro erreicht – und ein Großteil dieser Anleihen liegt am unteren Ende des Investment-Grade-Bereichs mit Ratings zwischen A und BBB.


6. Staatschulden

Rette sich wer kann: Die Schulden steigen und steigen.

Verschuldung in Prozent des BIP am Beispiel Großbritanniens. Regierungen und Zentralbanken haben ein massives Problem die Schulden unter Kontrolle zu halten.

Das ist wirklich zum Fürchten: Der Gesamtwert der Schulden öffentlicher und privater Emittenten weltweit war noch nie so hoch wie derzeit. In der Vergangenheit stieg die Staatsverschuldung typischerweise in Kriegszeiten besonders stark an, und am höchsten war sie vor und nach dem zweiten Weltkrieg. Das zeigt die Grafik am Beispiel Großbritanniens.

Doch nun hat die Kreditaufnahme der Staaten in Friedenszeiten ein Rekordniveau erreicht. Ein Grund dafür könnte die weltweit zunehmende Demokratisierung sein. Um seine Schulden zu tilgen, muss ein Land seinen Primärüberschuss aufrechterhalten, also mehr Einnahmen durch Steuern erzielen als es für seine Bürger ausgibt. Die Regierungen der Vergangenheit hatten die Macht dazu, doch heute würden sie wohl vom Wähler bestraft. Länder wie Italien, die vom Defizit zurück zum Überschuss kommen wollten, haben einen Aufschwung der Populisten erlebt. In dieser neuen Welt haben Regierungen und Zentralbank ein massives Problem damit, die öffentliche Verschuldung unter Kontrolle zu halten – zum Gruseln!

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