4 Gründe, warum es an den Börsen wieder gut läuft

4 Gründe, warum es an den Börsen wieder gut läuft

Der Spuk an den Börsen dauerte nicht einmal den Sommer lang. Seit Mitte August geht es bei Dax & Co wieder kräftig bergauf. Warum die Stimmung wieder gedreht hat und was Anleger als nächstes erwartet.

Aktienabsturz! Welcher Absturz? Gerade noch im Juli und bis Mitte August rasselten die Kurse an den wichtigen Börsen in Europa und des USA in den Keller – und schon ist der Sturm an den Börsen auch schon wieder vorbei. Und das alles in einem Umfeld das kaum schlechter sein könnte. Die Konjunktur hat sich abgeschwächt. Eine Rezession ist nicht mehr auszuschließen. Die Zahl der Krisenherde in der Welt war noch selten so groß. Der globale wirtschaftspolitische Unsicherheitsindex, der seit über 20 Jahren erhoben wird, hat einen absoluten Höchststand erreicht.


Wie passt das mit steigenden Aktienkursen zusammen? Hier sechs Gründe, die das erklären. „Es deuten allerdings auch viel darauf hin, dass nicht alles so bleiben wird wie bisher“, so Martin Hüfner, Chefökonom der Fondsgesellschaft Assenagon.

1. Zinspolitik wird wieder lockerer
Der erste Grund ist die Aussicht auf monetäre Erleichterung. Die Phase der Normalisierung der Geldpolitik dürfte vorbei sein. Die Zentralbanken haben bereits wieder begonnen diese zu lockern. Die amerikanische Fed hat ihre Leitzinsen bereits einmal gesenkt. Weitere Schritte stehen bevor. Die Europäische Zentralbank hat ein umfangreiches Expansionspaket angekündigt. In dieser Woche wird sie vermutlich den Einlagenzins herunternehmen. Hüfner: „Das macht Aktien natürlich attraktiver.“

2. Anleihenrenditen sind abgestürzt
Einer der Gründe für den jüngsten Anstieg der Aktie ist der extrem starke Rückgang der Renditen am Bondmarkt. „Sie sind so stark gesunken, dass ein Ungleichgewicht zu den Aktien entstanden ist. Jetzt müsste auch der Letzte erkannt haben, dass Dividendenpapiere trotz des erreichten hohen Kurs-/Gewinnverhältnisses immer noch attraktiv bewertet sind“, befindet Hüfner.

3. Konjunktur läuft gar nicht so schlecht
Ein weiterer Grund für den Anstieg der Börsen: „Die Konjunktur ist nicht so schlecht, wie sie von manchen Analysten gemacht wird“, argumentiert der Assenagon-Ökonom. Die USA sind noch weit, weit weg von einer Rezession. Für den Euroraum rechnet der IWF mit einer Zunahme des realen BIPs von respektablen 1,3 Prozent. Vor allem Frankreich hält sich wegen der Macron'schen Reformen gut. „Es sind nur Italien und Deutschland, die wirklich Probleme haben“, so Hüfner.

4. Unternehmen restrukturieren
Die Börsen laufen auch deshalb gut, weil die Unternehmen den Rotstift ansetzen. Der deutsche Aktienindex Dax beispielsweise läuft auch deshalb gut, weil sich nach Einschätzung Hüfners in der deutschen Wirtschaft positivere Impulse gibt, als aus den Makrozahlen erkennbar ist und er zählt auf: Eine Reihe von Unternehmen haben erhebliche Anpassungsmaßnahmen begonnen. Die Deutsche Bank hat ein weitreichendes Restrukturierungsprogramm in Gang gesetzt. BMW hat den Vorstandschef ausgetauscht. Bayer ergreift Maßnahmen gegen das Debakel mit Glyphosat. Thyssen will seine Aufzugssparte verkaufen. „Nicht alles wird gelingen. Aber es bewegt sich etwas. Das ist wichtig für die Aktienmärkte“, so der Experte. Auch in Österreich tragen Restrukturierung Fürchte. So etwa bei Semperit, der Immofinanz oder beispielsweise der Voest, wenn bei letzterem der Handelskonflikt kräftige Spuren hinterlassen hat und die Aktie teils auch von Analysten herabgestuft wurde. Bei der Immofinanz hat sich das Ergebnis im ersten Halbjahr allerdings, auch dank Einsparungen, verdoppelt. Andritz hat ebenfalls den Sparstift angesetzt. Die Voest hat auf die Widrigkeiten der Konjunktur mit Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogrammen reagiert. Andere ATX-Konzerne versuchen ebenfalls das Ruder wieder herumzureißen und für die konjunkturellen Widernisse gewappnet zu sein.

Europa: Konjunktureller Tiefpunkt 2020 erwartet
Insgesamt ist der Aufwärtstrend an den Börsen wieder ungebrochen. Die Geldpolitik hilft da sicher. Sie wird auch weiterhin locker bleiben. Vermutlich werden auch fiskalische Impulse hinzukommen. Wo es schwieriger wird, ist bei der Konjunktur. Hüfner: „Viel spricht dafür, dass 2020 in Europa der Tiefpunkt erreicht wird. Dann entfällt manches von der Fantasie, die die Kurse dieses Jahres getrieben hat. Umgekehrt in den USA. Dort kann niemand ausschließen, dass es 2020 zu einer Rezession kommt.“ Ob Trump mit Steuersenkungen gegensteuern wird und wie Wall Street darauf reagiert, ist offen. „Ein Unsicherheitsfaktor sind schließlich die Bondzinsen. Sie werden sich nach dem starken Rutsch nach unten nicht noch einmal in diesem Ausmaß verringern“, so der Ökonom.

2019 dürfte insgesamt gutes Aktienjahr sein
In diesem Jahr wird trotz schlechter Konjunktur und erheblicher Belastungen von der Politik aller Voraussicht nach ein gutes bis sehr gutes Aktienjahr. "Natürlich soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Es gibt genügend Beispiele, dass die Märkte in den letzten Monaten des Jahres noch eingebrochen sind. 2020 wird es mit der Aufwärtsentwicklung aber vermutlich nicht so reibungslos weitergehen", resümiert Hüfner.


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