Großbritannien: Ein Schlaraffenland für Auslandsbanken

Großbritannien: Ein Schlaraffenland für Auslandsbanken

Auslandsbanker dürften den Union Jack immer und überall hochhalten: Nach der Finanzkrise gibt es auf Milliardengewinne Steuerschonung und Steuerfreiheit.

Das Jammern der Banker über restriktive Vorgaben dürfte beim Standort Großbritannien schnell verstummen. Ausländische Banken haben auf der Insel offenbar hervorragende steuerliche Bedingungen. Es winken einstellige Steuersätze oder sogar Steuerfreiheit trotz Milliardengewinne. Britische Banken bezahlen immerhin 20 Prozent auf ihre Gewinne.

London. Einige der größten ausländischen Banken in Großbritannien haben auf ihre milliardenschweren Gewinne nur einen Steuersatz von sechs Prozent zahlen müssen. Das ergibt eine am Freitag veröffentlichte Reuters-Analyse der den Behörden für das Jahr 2015 vorgelegten Papiere. Das ist weniger als ein Drittel des Steuersatzes für britische Unternehmen, der bei 20 Prozent liegt.

Demnach meldeten fünf große US-Banken zusammen einen Gewinn von 7,5 Mrd. Dollar (7,2 Mrd. Euro), zahlten dafür aber nur insgesamt 452 Mio. Dollar an Steuern. Hohe Verluste aus der Zeit der Finanzkrise halfen dabei, die Steuerlast zu drücken.

Die Bank of America führte für ihre beiden britischen Investment-Töchter überhaupt keine Unternehmensteuer ab - trotz eines Überschusses von 875 Mio. Dollar. JPMorgan schickte 160 Mio. Dollar an den Staat, bei einem Gewinn von 3,3 Mrd. Dollar in Großbritannien. Bei Goldman Sachs waren es 256 Mio. Dollar bei einem Überschuss von 2,8 Mrd. Dollar, bei Morgan Stanleys wichtigster britischer Tochter 33 Mio. Dollar auf 530 Millionen Profit. Wells Fargo überwies von 34 Millionen Gewinn 2,7 Mio. Dollar an den Fiskus. Die Unternehmen wollten sich dazu auf Nachfrage nicht äußern - mit Ausnahme von Wells Fargo: Ziel sei es gewesen, den Anforderungen nachzukommen.

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Dem britischen Bankenverband BBA zufolge spiegelten die Daten nicht den gesamten Umfang der Steuerzahlungen wider. Über andere Steuern und Zahlungen hätten ausländische Geldhäuser im vergangenen Jahr etwa 20 Mrd. Dollar an das Finanzamt überwiesen.

Das britische Finanzministerium wollte sich nicht dazu äußern. "Das sieht wieder mal nach alarmierend niedrigen Steuersätzen für Banken aus, die Geld anhäufen, dass es einem Tränen in die Augen treibt", sagte der oppositionelle Finanzpolitiker John McDonnell von der Labour Party.

Im Jahr 2014 lag der durchschnittliche Steuersatz der zehn größten ausländischen Investment- und Geschäftsbanken in Großbritannien sogar nur bei einem Prozent.

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