Griechenland-Anleihen: Bis zu sieben Prozent Zinsen pro Jahr

Griechenland-Anleihen: Bis zu sieben Prozent Zinsen pro Jahr

Zinsen ohne Risko gibt es nicht mehr. Griechen-Bonds könnten einen Ausweg aus dem Zinsdilemma bieten.

Griechenland begibt am 29. Jänner 2019 erstmals seit dem Ende des EU-Stabilitätsprogramms eine Staatsanleihe. Ein wichtiger Schritt nach dem Ausbruch der griechischen Finanzkrise. Experten empfehlen Griechen-Anleihen zum Kauf. Wie viel Zinsen die Hella-Bonds abwerfen.

Griechenland hat den Rettungsschirm der EU verlassen. Seit dem Ausbruch der griechischen Finanzkrise ist Griechenland damit nicht mehr unter den Fittichen der EU-Stabilitätskontrolleure. Dieses dafür eingesetzte ESM-Programm, eine internationale Institution, hatte bisher Griechenland mit Stabilisierungshilfen wie direkte Kredite beim Weg aus der finanziellen Misere geholfen. Nun begibt Griechenland erstmals seit Beendigung des ESM-Programms wieder eine Anleihe und finanziert sich so wieder selbst am Kapitalmarkt.


Neun Jahre nach dem Ausbruch der griechischen Finanzkrise ist das ein wichtiger Schritt bei der wirtschaftlichen Erholung des Landes

urteilt Christian Kopf, Anleihenchef der deutschen Fondsgesellschaft Union Investment. Kopf und sein Team schätzen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes positiv ein und erachtet das Land wieder als kapitalmarktfähig und damit für Anleger als attraktiv.


Anleger, die am griechischen Anleihenmarkt Geld veranlagen wollen, sind zwar nach wie vor wesentlich größeren Risiken als etwa bei österreichischen Staatsanleihen bester Bonität ausgesetzt, haben dafür aber auch deutlich höhere Gewinnchancen, bei abnehmenden Gefahren.

Finanzieller Polster in Milliardenhöhe
So verfügt die griechische Regierung mittlerweile über finanzielle Reserven von 26 Milliarden Euro. Das Land ist also gar nicht angewiesen darauf, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen. „Damit will der Staat vor allem die Kapitalmarktfähigkeit beweisen“, so Kopf. Ein Vertrauensbeweis, der letztlich auch der griechischen Privatwirtschaft zu Gute dürfte.

Privater Konsum springt an
Was lange angezweifelt wurde, ist nun Realität. Die griechische Wirtschaft ist am Weg der Erholung. 2018 betrug das Wirtschaftswachstum 2,1 Prozent, für dieses Jahr wird eine Wachstumsrate von 2,4 Prozent erwartet – was deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone liegt. „Diese Entwicklung wird vom Tourismus und dem steigenden privaten Konsum angetrieben“, so Union-Investment-Experte Kopf. Dazu trägt auch die sinkende Arbeitslosenquote bei. Diese ist von 25 Prozent im Jahr 2015 auf 19 Prozent im Vorjahr gesunken.

7,5 Milliarden Haushaltsüberschuss 2018
Die Arbeitslosenquote ist zwar noch immer auf einem hohen Niveau und das Steueraufkommen entsprechend niedrig, trotzdem ist es der Regierung gelungen, einen Haushaltsüberschuss von 7,5 Milliarden Euro zu erzielen. Das entspricht 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit zeigt Griechenland die mit Abstand höchste Haushaltsdisziplin in der Eurozone. Zum Vergleich: Deutschland erzielte im Vorjahr trotz Vollbeschäftigung und sprudelndem Steueraufkommen gemessen am BIP nur einen Überschuss von 2,5 Prozent des BIP.


Staatsschulden sind unter Kontrolle

Die Staatsverschuldung ist mit 182 Prozent des BIP zwar nach wie vor hoch. „Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von zwei Prozent erscheint sie uns jedoch tragfähig“, so Anleihenexperte Kopf. Der Zinsdienst beläuft sich nur auf 3,5 Prozent des BIP und liegt damit im europäischen Durchschnitt. Die durchschnittliche Laufzeit der Kredite und Staatsanleihen ist mit 18,5 Jahren jedoch relativ hoch. „Die Staatsschuld sollte deshalb mittelfristig unter Kontrolle bleiben. Wenn der griechische Staat weiterhin Haushaltsdisziplin walten lässt, wird die Schuldenquote in den nächsten Jahren fallen“, glaubt Kopf.

Wahlen im Oktober
Ob die wirtschaftliche Erholung Griechenland auf dem Erfolgspfad bleibt, hängt vor allem am Finanzgebaren, der Haushaltsdisziplin und der guten Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen ab. Nächster wichtiger Markstein in der Entwicklung des Landes sind die Parlamentswahlen im Oktober 2019.

Dass die Zuversicht der Investoren in Griechenland steigt, lässt sich auch der Kursentwicklung ablesen. Seit Anfang des Jahres ziehen die Kurse zahlreicher Staatsanleihen wieder an. Viele von den Anleihen notieren 15 bis 20 Prozent unter dem Ausgabekurs. Dazu kommen satte Renditen von bis zu sieben Prozent.

So erzielen Anleger, die in Griechenland EO-Bonds 2012(39) (ISIN: GR0138011771) derzeit eine jährliche Rendite von 5,3 Prozent.
Interessant klingt auch die Griechenland-Anleihe: 6,140 Prozent(ISIN: GR0133007204) mit Kurs 42 Euro und einem Kupon von 6,1. Stückelung: 1.000. Laufzeit bis Februar 2028.
Einen Überblick über die aktuellen Griechenland-Anleihen finden Sie auf finanzen.net.Aber achten Sie auf die Stückelung. So manche dieser Staatsanleihen sind nur für Großanleger und beginnen oft erst ab einem Mindestinvestment von 100.000 Euro.

Trotz der guten Investmentchancen und der positiven Einstellung der Experten gegenüber Griechen-Anleihen sollte man nur einen Bruchteil seines Vermögens in solche nach wie vor risikobehafteten Anleihen stecken. Wenn das Geld am Ende nicht oder nur teilsweise zurückgezahlt werden kann, hat man zumindest nicht alles auf eine Karte gesetzt. Auch Fonds können eine gute Alternative darstellen. Doch da bekommt man nicht nur Griechenland-Bonds sondern auch Anleihen anderer Staaten und oft auch Unternehmensanleihen. Bei einer Anleihe, weiß man am Ende, wenn der Staat nicht pleite geht, genau welche Zinsen man bekommt und kann auch noch auf hohe Kursgewinne hoffen.

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