Great years: Trump und die Börse - der Rückblick

Donald Trump wurde als Präsident kritisiert wie keiner seiner Amtsvorgänger, doch aus Anlegersicht war er eine gute Wahl. Wie stark die Kurse seither gestiegen sind, was den Höhenflug begründete, welche Branchen besonders profitierten.

Great years: Trump und die Börse - der Rückblick

Die Aktienmärkte unter Trump waren great.

Als US-Unternehmer hat Donald Trump während seiner Amtszeit stets einen Blick für die Börse gehabt. Der US-Präsident betonte immer wieder, wie wichtig ein florierender Aktienmarkt für die Wirtschaftspolitik ist. „Europäischen Politikern ist dagegen, ausgenommen Großbritannien und die Niederlande, die Bedeutung des Aktienmarkts für die wirtschaftliche Entwicklung nicht so geläufig“, kritisiert Peter Brezinschek Chefanalyst von Raiffeisen.

Anlegern in US-Aktien brachte die Amtsperiode von Trump einen überdurchschnittlich guten Ertrag. "Selten haben Aktienindizes in vier aufeinander folgenden Jahren solche Wertsteigerungen erzielt, wie seit dem 9. November 2016, dem Tag seines Wahlerfolges", hält Brezinschek fest.

Keine harte Linie gegenüber Internet-Giganten
Dabei war der Beginn seiner Amtszeit für Investoren alles andere als vielversprechend. Die Kurse der US-Techbörse Nasdaq entwickelten sich enttäuschend. Was nur zu verständlich war: Der US-Präsident hat während seines Wahlkampfzeit die Macht der Internet-Konzerne stark kritisiert und auch eine Beschränkung deren Marktmacht gefordert. Doch es kam anders. „Trump erwies sich als Pragmatiker, der keine harte Linie gegen IT- und Internet-Konzerne einschlug und Steuerprivilegien auch in seiner Steuerreform 2018 nicht aufkündigte“, analysiert der Raiffeisen Chefanalyst. Die Folge: NASDAQ-Titel verzeichneten einen gigantischen Börsenaufschwung.

Börsenranking: Ära Clinton an der Spitze, gefolgt von Trump
In der Ära Trump stiegen die Kurse pro Jahr im Schnitt um 13,8 Prozent und brachten damit vier Jahre lang einen überdurchschnittlichen Ertrag. Zum Vergleich: Die Obama-Periode war ebenfalls gut für Aktien, fällt aber in der Dynamik hinter der Ära Trump zurück. Wobei Obama allerdings auch das Handicap der Weltwirtschaftskrise zu bewältigen hatte.

Unangefochten an der Spitze steht jedoch die Clinton II Präsidentschaft, in der das Tandem mit Notenbank-Chef Alan Greenspans lockerer Geldpolitik und dem Aufkommen der Tech- und Internetblase für Aktienerträge von 25 Prozent pro Jahr gesorgt haben und so ein fast unglaubliches Kursfeuerwerk entfacht haben, "wenn auch nicht nachhaltig“, bemerkt Brezinschek.

Bis zu 1.700 Prozent bei Top-Tech-Aktien, 150 Prozent im S&P
Der FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix & Google) waren in der Amtszeit von Trump die Lieblinge der Investoren. Sie haben von Mitte 2012 bis September 2020 im Schnitt um 1.700 Prozent zugelegt, während der Nasdaq Index mit 350 Prozent und der S&P 500 mit 150 Prozent ebenfalls hervorragend lief, wenn auch nicht ganz so fulminant. Die meisten Tech-Titel notieren mit Anfang November 2020 höher als vor Ausbruch der COVID-19 Korrektur.

Neun Techtitel mit 8.000 Milliarden Dollar Börsenwert
Erweitert man diese Gruppe um Adobe, Nvidia, Microsoft und Tesla, repräsentieren diese neun Unternehmen mit fast 8.000 Milliarden Dollar Börsenkapitalisierung fast ein Viertel des gesamten US- Börsenwerts von 34 Milliarden Dollar, gemessen am breiten Wilshire 5000 Index.

Teure US-Börsen – droht ein Crash?
Der Börsenwert des US-Aktienmarkt beträgt somit bereits 180 Prozent des US-BIP – ein historischer Höchstwert,. „Die US-Börsen sind damit bereits hoch bewertet und teuer“, bemerkt der Raiffeisen-Experte. Anleger fürchten nach Bewertungsübertreibungen Kurseinbrüche wie nach der Internet-Blase im Jahr 2000, da extreme Unternehmensgewinnsteigerungen schon antizipiert sind und daher Kursrückschläge in dieses Bild passen würden. „Aufgrund des überdurchschnittlichen Gewinntrends bei den betreffenden Unternehmen lässt sich die Situation mit 2000 aber nicht vergleichen“, ist Brezinschek überzeugt.

Branchenbilanz: Tech als Sieger bei Kursgewinnen, Ölpapiere als große Verlierer
Bei den Branchen führt in den vergangenen vier Jahren der IT-Sektor mit einem Plus von insgesamt 157 Prozent. Dies entspricht einer jährlichen Wertentwicklung von 26,8 Prozent. Mit 97 Prozent in vier Jahren folgt der Sektor zyklischer Konsum, wenn hier auch Werte, wie Amazon oder Tesla die Zahlen verzerren. An dritter Stelle der Branchen-Hitparade folgt der Gesundheitsbereich mit fast 61 Prozent. Dagegen haben sich alle jene Propheten verschätzt, die von Trump einseitige Unterstützung für den Immobilien- und Energiesektor vermutet haben. Diese beiden Branchen liegen abgeschlagen mit weit unterdurchschnittlicher Performance am Ende des Rankings. Öl-Aktien sind sogar mit einem satten Minus von 51 Prozent in den vergangenen vier Jahren – entspricht einem Minus von 16,4 Prozent pro Jahr– die größten Verlierer für ihre Aktionäre.

Die Branchen nach Performance seit Beginn der Trump-Regentschaft:

Seit 2007: US-Aktien schlagen Emerging Markets und europäische Aktien um Längen
Im Vergleich mit anderen großen Aktienindizes weltweit liegen die US-Börsen in der Regierungsperiode Trumps vorne. Dieser Trend hat jedoch schon unter den Präsidenten Bush und Obama einsetzt. Seit dem Juni 2007 sind US-Aktien, gemessen am S&P 500, allen anderen Aktienkategorien mit durchschnittlich 9,4 Prozent per anno signifikant besser gelaufen. Der Weltaktienindex MSCI World, der immerhin 70 Prozent der globalen Börsenkapitalisierung abdeckt, liegt mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent jährlich deutlich darunter. Emerging Markets erzielen mit einem Plus 4,2 Prozent p.a. eine deutlich geringere Performance als US-Papiere. Schlusslicht stellen die EuroStoxx50 Werte dar, die mit einem Wertzuwachs von 1,2 Prozent jährlich weit abgeschlagen sogar unter der Performance von europäischen Staatsanleihen rangieren (siehe Chart).

US-Aktien waren seit 2007, der Beginn der Ära Clinton, die großen Gewinner. Europäische Börsen (EuroStoxx) sind das Schlusslicht und schafften im Schnitt nicht einmal zwei Prozent Wertzuwachs pro Jahr.

Die Gründe für die Outperformance der US-Märkte
Dass die USA in dieser Zeit ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum verzeichnen konnten und die EU seither unterdurchschnittlich gewachsen sind, lässt Brezinschek nur als der Teil der Erklärung für das unterschiedliche Abschneiden der beiden Indizes gelten. In erster Linie sei die stark abweichende Sektor-Zusammensetzung in den Indizes das dominante Element. Während zum Beispiel bei der US-Techbörse Nasdaq 100 der Tech & Gesundheitssektor 72 Prozent der Börsenkapitalisierung umfasst, ist es beim Stoxx Europe 600 beispielsweise nur 24 Prozent. Und die US-Tech- und Internet-Konzerne sind in vielen Bereichen Marktführer und können Kursphantasie und reale Umsatz- und Gewinnzuwächse in teils gigantischem Ausmaß für sich verbuchen. Bei anderen werden auch Unternehmen, die noch keine Gewinne machen, mit hohen Kursgewinnen belohnt, wenn das Geschäftsmodell langfristig als vielversprechend und vielleicht auch noch als Game-Changer gilt.

An Europas Börsen dominieren wiederum der Finanzsektor und traditionelle zyklische Sektoren, die wiederum in den USA weit weniger Bedeutung für die Indexentwicklung haben. Insbesondere in der Trump Ära der letzten vier Jahre blieben die europäischen Aktienmärkte gegenüber den US-Pendants substanziell zurück. Das gilt insbesondere auch für den österreichischen ATX. Starke Aktiengewinne können Unternehmen in der EU vielfach nur verbuchen, wenn auch die Gewinnentwicklung stimmt. Aktien wie Tesla, die über Jahre nicht aus den roten Zahlen kommen, und an der Börse trotzdem gefeiert werden, sucht man in Europa vielfach vergebens.

Finance for Future: Klimaschutz durch Geldanlage

Klima- und Umweltschutz gehören zu den größten Herausforderungen für die …

Gewinnfreibetrag: Mit diesen Wertpapieren senken Sie Ihre Steuer

Einkommensteuerzahler können Ihre Bemessungsgrundlage für die Steuern …

USA zapfen Ölreserven an - Freigabe von 50 Millionen Fass

USA zapfen Ölreserven an - Freigabe von 50 Millionen Fass

Damit soll der starke Preisanstieg abgemildert werden.

Italiens Kartellbehörde verhängt Strafe gegen Amazon, Apple

Italiens Kartellbehörde verhängt Strafe gegen Amazon, Apple

Strafe wegen wettbewerbschädlicher Kooperation