GRAWE Bankengruppe startet neue Direktbank "DADAT"

DADAT

Start der neuen Direktbank DADAT. Motto: "Nichts für das Konto zahlen."

Mit der Direktbank "DADAT" steigt die GRAWE Bankengruppe in das Direktbanking-Geschäft ein. Aufgebaut wurde die Bank vom Finanzmanager Ernst Huber, der einst direktanlage.at mitbegründete. DADAT bietet neben kostenlosen Girokonten auch Sparkonten und Wertpapier-Geschäfte an.

"Die Bankenbranche befindet sich im Umbruch. Die Kunden setzen immer mehr auf digitale Angebote. Wir dürfen das Feld nicht den Fintecs überlassen", fasst der Finanzmanager Ernst Huber die Situation in seiner Branche zusammen, "wir müssen selbst aktiv werden."

Huber ist einer, der das nicht nur sagt, sondern auch gleich Hand anlegt und Nägel mit Köpfen macht. Und der auch weiß, wie man diese Nägel herstellt: Im Jahr 1995 war er einer der Mitbegründer der ersten Direktbank Österreichs direktbank.at, die heute unter "Hellobank" firmiert. Fast 20 Jahre lang, bis zum Verkauf des Instituts an BNP Paribas im Jahr 2014, war er CEO des Instituts. Über eine Zwischenstation bei der DAB Bank ist er vor neun Monaten zum traditionsreichen, zur GRAWE Bankengruppe gehörenden Bankhaus Schelhammer & Schattera gekommen, wo er die neue Direktbank "DADAT" (ein Akronym für "Die Alles Direktbank .AT") konzipierte und entwickelte.

"Es war fast wie eine Schwangerschaft", sagt Huber, "wir haben die Bank von Grund auf entwickelt. Die Produkte, das technische Setup, das Marketing, einfach alles." Die Vision dabei war, die innovativste und flexibelste Direktbank in Österreich, "eine Benchmark in diesem Bereich", wie es Huber formuliert, zu schaffen.

Start mit Gratis-Konten

Mit 31. März 2017 gehen die DADAT Bank und ihre Website www.dad.at nun an den Start. Christian Jauk, CEO der GRAWE Bankengruppe, sieht sie als erste Full-Service-Direktbank in Österreich. Das Angebot ist auf die drei Kernbereiche Girokonto, Sparen und Brokerage konzentriert, wobei die Bank für Gehalts- oder Pensionskonten keine Gebühren verrechnet, gratis eine Bankomat- und eine Kreditkarte (Partner ist Visa) und obendrein auch noch einen Startbonus von 75 Euro drauflegt. Bei Eröffnung eines Sparkontos bietet DADAT in den ersten vier Monaten einen Zinssatz von 1,0 Prozent auf täglich fälliges Geld.

DADAT Bank Chef Ernst Huber

DADAT Bank Chef Ernst Huber: "Die innovativste Direktbank Österreichs."

Zusätzlich offeriert DADAT einzelne Kreditangebote und Versicherungsprodukte. Konsumkredite bis zu 50.000 Euro werden dabei in Kooperation mit der SWK Bank abgewickelt und Baufinanzierungen über die zur GRAWE Gruppe gehörende Bank Burgenland. Die Versicherungsprodukte werden über die GRAWE angeboten. Ebenfalls über die GRAWE vermittelt die DADAT Bank Mietimmobilien - ohne Maklerprovision, wie Huber betont. In der Folge soll das Angebot konsequent ausgebaut und weiterentwickelt werden. Huber nennt als Beispiel einen Gold-Sparplan, mit dem man auch einfach in Gold investieren können wird.

Für den GRAWE Bankengruppen-Chef Jauk ist der Start der DADAT Bank jedenfalls ein wichtiger Schritt. "Wer im Banking nicht digital denkt wird in Zukunft keine Chance haben", sagt er und betont, dass die Digitalisierung ein elementarer Teil der Geschäftsstrategie der Bankengruppe sei. Jauk: "Mit DADAT starten wir ein umfassendes und höchst attraktives Angebot für online-affine Kunden, mit dem wir den österreichischen Direktbankenmarkt prägen und weiterentwickeln möchten."

Die neue Direktbank ist für die GRAWE Bankengruppe daher auch kein Vehikel, mit dem man nur den Markt abtesten möchte, sondern das bald substanziell zum Geschäft beitragen soll. Für den ersteren Fall wäre auch der Einsatz zu hoch. Jauks Angaben zufolge wird ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. Der Break-even soll in vier bis fünf Jahren erreicht sein.

Großes Potenzial

Sowohl Jauk als auch Huber sehen in Österreich noch ein großes Potenzial für Direktbanken. So gäbe es in Österreich aktuell rund 3,4 Millionen Onlinebanking-Kunden, aber bislang nur 1,2 Millionen Direktbankkunden, von denen wiederum nur die Hälfte ein Girokonto bei einer Direktbank hat. Einer von der GRAWE Bankengruppe durchgeführten Umfrage zufolge kann sich jedoch mittlerweile jeder zweite Bankkunde vorstellen, ein Konto bei einer Direktbank zu eröffnen. Zudem gäbe es aufgrund des Trends zu Zweitkonten Potenzial. In Österreich liege man laut Jauk aktuell bei rund 1,35 Girokonten pro Person. Andernorts wäre die Quote bereits deutlich höher.

Ein noch größeres Potenzial wird bei den Brokerage-Kunden geortet. Hier ziehen die Banker den Vergleich mit Deutschland, wo die Direktbanken schätzungsweise 3,6 Millionen Depotkunden haben, während es in Österreich erst rund 105.000 sind. Hier liege Österreich drei bis vier Jahre zurück.

Um den Wertpapierhandel bei der DADAT Bank in Schwung zu bringen werden im ersten Halbjahr für Transaktionen bis zu einer Höhe von 25.000 Euro pauschal nur 3,95 Euro verrechnet, für Wertpapiere der Premium Partner (Commerzbank, Deutsche Bank, Bank Vontobel und UniCredit) werden in den ersten sechs Monaten bis zu einem Volumen von 50.000 Euro gar keine Gebühren verrechnet. Zusätzlich übernimmt DADAT bei einer Übertragung von einem bestehenden Depot bis zu 200 Euro der Spesen und verrechnet im Jahr 2017 keine Depotgebühren.

Unterstützt wird der Markteintritt von einer breit angelegten Kampagne quer über alle Medien, wobei gerade auch die Online-Medien und die Sozialen Netzwerke eine große Rolle spielen werden. Über die Höhe des Marketingbudgets wird nobel geschwiegen, ebenso über die Zahl der Kunden, die man bis Jahresende zu gewinnen hofft. "Einige tausend sollen es aber schon sein", sagt Huber auf die Frage. Man werde sehen, wie weit man bis Jahresende in Richtung 10.000 Kunden komme.

Das Ziel sei jedoch, die Bank auch mit den Kunden gemeinsam weiter zu entwickeln und über die Kundenzufriedenheit ein konstantes Kundenwachstum zu erreichen. Huber: "Wir wollen den Kunden auch lehren, mit Finanzen umzugehen. Die Leute schmeißen so viel Geld weg. Unser Ziel ist es, DADAT-Kunden von Sparern zu Investoren zu machen." Das will Huber unter anderem auch mit Hilfe von Webinaren erreichen. Huber: "Wir wollen die Leute animieren, sich auszubilden und weiterzubilden. Unser Aufruf ist: Kümmert euch um eure Finanzen, schaut darauf!"

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