Google, Facebook & Co: Giganten für die Ewigkeit?

Google, Facebook & Co: Giganten für die Ewigkeit?

Google: Der Status als einer der größten Tech-Gigangen des Planeten ist nicht in Stein gemeißelt.

Die Flaggschiffe der Technologiebranche scheinen bombenfest dazustehen, Gewinne an den Börsen garantiert, die Geschäftsmodelle langfristig abgesichert zu sein. Doch selbst diese Riesen könnten ins Wanken kommen.

Der Technologie-Sektor hat in den vergangenen Jahren durch die rasante Entwicklung in vielen Bereichen wahre „Gorillas“ hervorgebracht. Darunter etliche Konzerne, die heute marktbeherrschende Positionen haben. Amazon dominiert etwa den Internethandel in der westlichen Welt, Alibaba den in China. Weitere Beispiele gibt es zuhauf. Google und Baidu dominieren den Suchmaschinenmarkt, Apple und Samsung das Smartphone-Business, und nicht zu vergessen Facebook.

„Diese Unternehmen haben heute so großen Einfluss, weil sie enorm hohe Cashflows erwirtschaften, die sie anschließend wieder ins eigene Unternehmen investieren oder zur Übernahme neuer Unternehmen verwenden“, erklärt William Davies, Aktienchef von Columbia Threadneedle das Erfolgsrezept.

Die größten Techfirmen an der Börse nach Marktkapitalisierung

  1. Apple: 238 Milliarden Dollar
  2. Microsoft: 133 Milliarden Dollar
  3. Alphabet (Google): 86 Milliarden Dollar
  4. Facebook: 29 Milliarden Dollar
  5. Amazon: 26 Milliarden Dollar
  6. Gesamt: 512 Milliarden Dollar

Doch ist der Erfolg damit auch langfristig abgesichert? Oder könnte den Star-Unternehmen vielleicht auch ein ähnliches Schicksal drohen, das ehemalige Highflyer erlebt haben? Man denke nur an die früheren Mobiltelefon-Giganten Nokia, BlackBerry oder Motorola. Wo sind die heute? Was ist aus Kodak geworden?

Die Liste der gefallenen Riesen ließe sich lange fortsetzen. Sie alle waren Giganten und sind daran gescheitert, dass sie zu lange an bestehenden Technologien und Erfolgsrezepten festgehalten haben. Nicht zu vergessen Apple: Das heute wertvollste Unternehmen der Welt ist selbst einmal knapp vor der Pleite gestanden. Schlechte Produkte, schlechtes Management - nur die tatkräftige und finanzielle Unterstützung des Microsoft-Gründers Bill Gates hat das Unternehmen am Leben gehalten

Gibt es dahinter ein Muster? Was könnte die Technologieriesen von heute stoppen? Dafür gibt nach Einschätzung von Threadneedle drei Möglichkeiten:

  1. Das Unternehmen bricht durch ein schlechtes Management zusammen.
  2. Das geht aufgrund hoher Regulierungsmaßnahmen zugrunde.
  3. Das Unternehmen wird von einer neuen Technologie verdrängt.

Die Möglichkeit, dass Tech-Giganten von heute von neuen Technologien verdrängt werden, „wird oft von denen abgetan, die meinen, Techkonzerne besitzen ohnehin die meisten der relevanten Start-ups“, so Davies. Doch bei neuen, disruptiven Technologien könne es sich um völlig andere Technologien handeln, die man sich aktuell noch nicht einmal vorstellen könne. Technologien, die auch von den Big Shots der Gegenwart übersehen werden

Zweifellos sind die Cashflows der Techkonzerne hoch und Investments aus heutiger Sicht safe. Aber: „Wenn sich alternative Technologien entwickeln können wir nicht sicher sein, ob diese hohen Geldflüsse auch in fünf oder zehn Jahren noch vorhanden sind“, schränkt der Threadneedle-Aktienchef ein. Auch Änderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen seien nicht auszuschließen. Als Alibaba in China beispielsweise an den Markt ging, gab es kaum Regulierungen für den Onlinehandel im Reich der Mitte. „Aber ob die Unternehmensgewinne künftig durch Regulierungsmaßnahmen beschnitten werden, lässt sich unmöglich vorhersagen, und zwar nicht nur in China“, warnt Davies.

Fallbeispiel Autoindustrie

Disruptive Technologien gibt es auch in der Autobranche, und zwar zuhauf. Mit der Markteinführung von Fahrerassistenzsystemen hat sich die Menge der elektronischen Bauteile in einem Auto nun um ein Vielfaches erhöht. Man experimentiert mit autonom fahrenden Autos. Der Anteil der Bereiche Forschung und Entwicklung an der Wertschöpfung wächst in der Branche stetig.

Das könnte bald zu einem deutlichen Shift in der Bewertung von Unternehmen führen, dann die dafür notwendigen Forschungsarbeiten fallen oft nicht beim Autohersteller an, sondern beim Produzenten der Autoteile. Beim Batterie-Hersteller oder bei dem Unternehmen, dass das Betriebssystem für das autonome Fahrzeug liefert.

"Aus Sicht eines Anlegers müssen wir analysieren, ob die Autoteile von Michelin, Continental, Denso oder Delphi geliefert werden. Oder vielleicht gar von Unternehmen wie Google oder Mobileye“, argumentiert Davies. Die Papiere dieser heute vielleicht auch noch gar nicht zu den Big Playern zählenden Unternehmen könnten als interessante Wertpapiere in den Fokus rücken.

Wer an der Börse investiert sollte daher technologische Entwicklungen bewusst im Auge behalten, auf aufstrebende Unternehmen setzen und auf mögliche geänderte Bedingungen rechtzeitig reagieren.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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