Goldpreis könnte nach Durchhänger weiter steigen

Seit Ende Mai 2021 steigt der Goldpreis wieder. Nach einem kurzen Durchhänger im Sommer könnte der Preis weiter anziehen, meinen Experten. Die Gründe für einen möglichen Anstieg und die Risiken.

Goldpreis könnte nach Durchhänger weiter steigen

In der Hochphase der Pandemie hat Angst das Verhalten der Anleger bestimmt. Die Angstwährung Gold hat davon überdurchschnittlich profitiert. Anfang August des Vorjahres hat die Sorge vor der Covid-19-Pandemie auf ein Allzeithoch von 2.069 Dollar je Feinunze getrieben. Begünstigt durch niedrige Zinsen, massive staatliche Konjunkturprogramme ,speziell in den USA, und einer damit einhergehend die Schwäche des Dollars, legte der Preis des Edelmetalls zu.

Kaum hat sich seit Jahresbeginn im Lichte der Impffortschritte die Wirtschaft jedoch aufgehellt, gab auch der Goldpreis nach. Doch mit Anfang April erfolgte bereits die nächste Trendwende: Der Preis des Edelmetalls zieht seither trotz eines sich laufend aufhellenden Wirtschaftsklimas wieder kräftig an.

Der Goldpreis ist, aus Sorge der Anleger vor steigender Inflation, seit Ende März wieder merklich gestiegen.

Inflation zieht an - Notenbank sehen trotzdem keinen Grund für Zinsanhebung
Was ist geschehen? Diesmal beunruhigt die Anleger jedoch nicht, dass die Wirtschaft wieder einbrechen könnte, sondern vielmehr, das diese zu kräftig anspringen könnte und es so zu einer erheblichen steigenden Teuerung und damit zu Verwerfungen bei den Anlageklassen kommen könnte. So dürfte alleine die österreichische Wirtschaft laut OECD-Prognosen heuer um 3,4 Prozent wachsen und 2022 um 4,1 Prozent wachsen. In Folge des starken Wirtschaftswachstums sind beispielsweise in Deutschland, vor allem wegen der teuren Energie, die Verbraucherpreise im Mai so stark gesteigert wie seit rund neuneinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der US-Preisindex für die Konsumausgaben legte zuletzt um 3,6 Prozent. Die US-Notenbank FED hat jedoch klargestellt, dass sie die die jüngsten Inflationsanstiege nur als vorübergehend einstuft und keinen Grund für eine Straffung der expansiven Geldpolitik sieht - was wiederum die Anleger, die Angst eine überschießenden Inflation fürchten, in den Gold treibt.

Zieht die Inflation um mehr als drei Prozent in die Höhe, steigt der Goldpreis in zweistelliger Höhe
Die Anleger könnten Recht behalten. Laut einer Untersuchung des World Gold Council stieg der Goldpreis, wenn die Inflation um mehr als drei Prozent steigt, im Schnitt pro Jahr um fast 15 Prozent. Liegt die Inflation unter drei Prozent klettert der Goldpreis auch noch um sechs Prozent, die Preise für Rohstoffe generell liegen in diesem Umfeld jedoch im Schnitt im Minus (siehe Grafik).

Wenn die Inflation auf über drei Prozent steigt, sorgte das in der Vergangenheit bei Gold und anderen Rohstoffen für einen Preisschub.

Zinsentwicklung wichtig für Goldpreis
In der Vergangenheit reagierten die Notenbanken bei einer anziehenden Konjunktur anders. Erholte sich die Konjunktur, hebten die Notenbanken die Zinsen an, um eine Überhitzung zu verhindern. Bereits mit steigenden Zinserwartungen klettern gleichzeitig für gewöhnlich auch die langfristigen Anleiherenditen. „Gerade Letztere sind einer der wichtigsten Faktoren für die Goldpreisentwicklung“, sie Raiffeisen in einer aktuellen Studie über die Goldpreisentwicklung.

Fallende Zinsen sorgten in der Vergangenheit für starken Goldpreisanstieg
So waren auf der anderen Seite die Erwartungen fallender Zinsen und damit auch fallende Anleiherenditen maßgeblich für den starken Goldpreisanstieg in den Jahren 2019 und 2020 verantwortlich. Im Zuge der gestiegenen Konjunktur- und Inflationserwartungen zogen die 10-jährigen US-Renditen 2021 aber wieder kräftig an, was Druck auf den Goldpreis ausgelöst hat. Nach Einschätzung von Raiffeisen sollten die langlaufenden US-Staatsanleihen bis Jahresende weiter moderat steigen, was wiederum entsprechenden Gegenwind für den Goldpreis bedeuten würde.


Liquiditätsflut unterstützt physische Vermögenspreise

Nach leichter Schwäche könnte Goldpreis 2022 anziehen
„Doch der Verzicht der Notenbanken, die Zinsen anzuheben, ist laut Raiffeisen schon in den Goldpreis eingepreist, weshalb sich Raiffeisen in seinem Ausblick dazu veranlasst sieht, die Goldpreis-Prognosen für die nächsten Quartale anzuheben. „Zumal wir von keinem aggressiven Rückgang der US-Notenbank-Kaufprogramme ausgehen und die Geldpolitik angesichts der steigenden Geldmenge äußerst expansiv bleiben wird.“ Diese Liquiditätsflut unterstützt nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch physische Vermögenspreise, wie den Goldpreis. Raiffeisen-Goldexperte Aaron Alber: "Weshalb der Goldpreis nach einer leichten Schwäche in den kommenden Monaten dann ab dem nächsten Jahr wieder merklich anziehen sollte."

Zinsen dürften auch bei steigender Inflation niedrig bleiben
Der Realzins müsste laut Raiffeisen, wie die Historie zeigt, schon in Richtung 2,0 bis 2,5 Prozent klettern, um den Goldpreis nachhaltig zu belasten. Da die Notenbanken die Bedingungen für die Refinanzierung der Schulden niedrig halten wollen, hält das Institut ein signifikanten Ansteigen der Zinsen bei gleichzeitig ansteigenden Verbraucherpreisen für unwahrscheinlich.

Eindämmung der Liquiditätsflut in den nächsten Jahren unwahrscheinlich
Gefährlich wird es für den Goldpreis erst, wenn die wirtschaftliche Lage in den großen Volkswirtschaften als so stabil angesehen wird, dass vor allem die US-Notenbank beginnt, ihre Liquiditätsflut einzudämmen, beziehungsweise der Markt ernsthaft beginnt das einzupreisen. Alber: „Das halten wir aber in nächster Zeit für unrealistisch.“


Sommer günstiger Einstiegszeitpunkt

Goldpreis von 2.000 Dollar bis Jahresmitte 2022 erwartet
Insofern rechnet Raiffeisen beim Goldpreis nach einem Durchhänger in den Sommermonaten anschließend wieder mit einem Anstieg in Richtung 2.000 Dollar je Unze bis zur Jahresmitte 2022. „Der Sommer bietet unseres Erachtens daher einen günstigen Einstiegszeitpunkt."

Steigende 10-jährige Treasury-Renditen belasten den Goldpreis
Die Analysten der US-Bank Citigroup sehen dagegen in ihrer aktuellen Prognose mehrere Risiken für die Goldpreisentwicklung. Dazu gehören das Risiko, dass die US-Notenbank die Ankäufe von Vermögenswerten bis Ende 2021 reduzieren könnte, was einen aggressiveren Handel mit kurzfristigen Zinssätzen zur Folge hätte und wodurch eine Anhebung der Leitzinsen in den Jahren 2022/2023 einpreist wäre, was wiederum den Dollar stützen dürfte. "Ein Anstieg der 10-jährigen Treasury-Renditen in diesem Jahr hätte auch ein Gegenwind für ein langfristiges Nulldividenden-Asset wie Gold zur Folge", so die Begründung der Citigroup.

Dem widersprechen die Autoren des diesjährigen „In Gold We Trust“-Reports von Peter Stöferle und Mark Valek vom liechtensteinischen Vermögensverwalter Incrementum. Sie erwarten, dass die Realzinsen noch lange negativ bleiben werden. Wie Raiffeisen glauben auch die beiden Goldexperten, dass den Notenbanken aufgrund der hohen Staatsschulden gar nichts anderes übrig bleibt, als die Zinsen nicht anzuheben.

Zudem würden laut Incrementum die erhöhten Anforderungen durch den Klimaschutz und der Arbeitskräftemangel für anhaltend höhere Inflation sorgen. Sachgüter wie Aktien bestimmter Branchen, Rohstoffe, Gold und Silber sollten von diesem Umfeld profitieren.

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