Banken und FinTechs: Goldene Zeiten für Kreditnehmer

Ingo Kipker

Ingo Kipker, Horváth & Partners

Gastkommentar von Ingo Kipker, Horváth & Partners Management Consultants: Junge FinTech-Anbieter setzen mit ihren Digitalangeboten neue Marktstandards und bringen damit die traditionellen Banken unter Druck. Die Banken sind gefordert.

Wer eine neue Wohnung kauft, eine Geschäftsidee hat oder die Expansion in neue Märkte plant, weiß ein Lied davon zu singen: Unbarmherzig wird man privat durchleuchtet, auf Einkommen, Bonität und Sicherheiten geprüft – selbst wenn es um rein geschäftliche Investitionen geht. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Finanzinstitute wird alles anders.

Schon heute geht alles online, auch für Kredite: Immer mehr Kunden haben den Anspruch, das gewünschte Darlehen möglichst einfach, zu jeder Zeit, von jedem Ort und komplett digital abzuschließen. Clevere FinTechs haben dies längst erkannt und ein Geschäft daraus gemacht. Das bringt die traditionellen Banken schwer unter Druck. Ob vermehrte Eigenanstrengungen oder Kooperationen mit FinTechs: Nur wenn sie ihre Kreditprozesse beschleunigen, werden die Kunden treu bleiben.

Banken erhöhen Leistungsfähigkeit

Die Zeiten, in denen FinTechs belächelt wurden, sind schon lange vorbei. Denn die kundenfreundlichen Lösungen der Start-ups stellen einen direkten Angriff auf das Geschäftsmodell etablierter Banken dar. FinTechs sind damit zu ernstzunehmenden Wettbewerbern geworden. Peer-to-Peer-Plattformen etwa vermitteln Kredite zwischen privaten Anlegern und Kreditnehmern direkt. Die deutsche “auxmoney” hat bereits über eine Milliarde Euro an Kreditvolumen ausgezahlt.

Dass die Banken angesichts dieser Herausforderungen kaum stillhalten können, ist klar. Laut einer aktuellen Studie der Managementberatung Horváth & Partners planen nahezu alle Institute massive Investitionen in die Leistungsfähigkeit ihrer Kreditprozesse und -Kapazitäten. Trotz Konjunkturabkühlung, zunehmender Investitionsunsicherheit und daraus resultierend stagnierender Kreditnachfrage planen sie derzeit Wachstum! Das geht wohl nur, indem die Kreditvoraussetzungen gelockert und die Prozesse vereinfacht werden.

FinTechs stellen Standards auf den Kopf

Die neuen Finanztechnologie-Anbieter im Kreditgeschäft entwickeln End-to-End-digitalisierte Kreditstrecken und setzen damit neue Marktstandards in punkto Effizienz und Prozessgeschwindigkeit. Sie werben denn auch mit raschen Zusagen und Auszahlung innerhalb kürzester Zeit. Das bringt traditionelle Banken wie Vermittler in die Bredoulle, denn kombiniert mit der konjunkturell abnehmenden Nachfrage wird der Wettbewerb im Kreditgeschäft zwangsläufig weiter steigen.

Kooperationen mit FinTechs bieten Banken die Chance, mehr Kreditwerber zu halten und zu befriedigen. Kann die Bank etwa kein Kreditangebot machen, wird der Kunde an ein FinTech weitergeleitet, das die Bonität mit eigenen Scoring-Verfahren einschätzt. Der Kunde erhält sein Kreditangebot dann mit den individuellen Konditionen in Echtzeit, und den Kredit dank eines Video-Identifizierungsverfahrens und der digitalen Unterschrift gleich online. Natürlich kann die Bank dieses Verfahren auch selbst einführen, wenn ihr die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung im eigenen Haus wichtig ist.

Fazit: Jedes Jahr bemühen sich Millionen Menschen in ihrer Bankfiliale um einen Kredit. Wurden diese bisher vielfach aufgrund pauschaler Risikobewertungen einfach abgewiesen, können sie künftig wohl mit etwas mehr Freundlichkeit rechnen. Denn die Banken werden nicht zuletzt wegen der drohenden Konkurrenz aus dem Netz alles tun, um Effizienz und Tempo der Kreditvergabe zu erhöhen.


Der Autor

Ingo Kipker ist Partner und Leiter des Beratungsbereichs Banking & Financial Institutions bei Horváth & Partners Düsseldorf..

Die Studie „Kreditprozesse der Zukunft“ (April 2019 => LINK) kann bei Horváth & Partners bezogen werden. An der Marktbefragung haben Experten aus Banken, Sparkassen und Spezialinstituten teilgenommen.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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