Goldboom löst Aktienhausse ab

Goldboom löst Aktienhausse ab

Der Anstieg des Goldpreises stellt die Entwicklung an den Aktienmärkten in den Schatten. Die Edelmetall-Rallye könnte weiter gehen.

Das Brexit-Votum hat den Preis für Gold und Silber noch einmal so richtig in die Höhe getrieben, doch die Edelmetalle boomen bereits seit November an, ganz im Gegensatz zu den Aktienmärkten, die in den vergangenen zwölf Monaten teils deutlich eingebüßt haben. Warum die Edelmetallhausse anhalten dürfte und worauf Experten setzen.

Der Brexit hat die Aktienmärkte erschüttert - wahrscheinlich nachhaltig. Die Kurse an den europäischen Aktienmärkten haben sich zwar wieder halbwegs erfangen, doch es dürfte rumpelig weitergehen. Krisenprofiteur des Briten-Referendums und anderen Ereignissen der vergangenen Monate waren jedoch die Edelmetalle Gold und Silber. Den Anleger wollen nur noch eins: Sicherheit.

Aktienmärkte verlieren bis zu 15 Prozent

Die bietet Aktien derzeit offenbar nicht. Zudem hat sich das Kurspotential nach der jahrelangen Hausse, befeuert durch die Zinssenkungen der Notenbanken, großteils erschöpft. Das merkt man an den Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate deutlich: Der deutsche Aktienindex Dax hat seither mehr als 12 Prozent verloren. Fast nichts gewonnen hat man in dieser Zeit beim US-Aktienindex S&P, dem nach sieben Jahren Kursanstieg auch die Luft ausgegangen ist. Seit Anfang Juli 2015 schaffte das US-Börsenbarometer gerade einmal 1,2 Prozent. China hat sich nach dem Crash vorigen August ebenfalls noch nicht erholt. Die Bilanz seither: minus 15,8 Prozent.

Gold gewinnt um 15 Prozent

Ganz anders sieht dagegen für Anleger die Welt der Edelmetalle aus. Der Preis von Gold stieg auf Dollarbasis in den vergangenen zwölf Monaten um fast 15 Prozent. Silber legte gar um fast 27 Prozent zu.

Unsichere Zeiten in denen Gold und Silber mehr denn je als sichere Häfen angesteuert werden. Seit dem Brexit-Votum zeigt der Kurs von Gold und Silber noch steiler nach oben als in den Monaten davor. Die Krisenwährung hat seit dem Brexit um rund vier Prozent zugelegt. Im vergangenen Monat stieg der Wert der Unze Gold in Dollar bereits um 10,6 Prozent. Noch ausgeprägter war die Rallye bei Silber, dessen Wert in nur einem Monat um 23,7 Prozent stieg, innerhalb der vergangenen drei Monate um 31,3 Prozent. Gold hat somit die Marke von 1.300 Dollar locker hinter sich gelassen hat, Silber schaffte kürzlich den höchsten Stand seit Januar 2015.

Warum der Aufwärtstrend bestand haben könnte

Der Aufwärtstrend bei Edelmetall und die volatilen Aktienmärkte auf der anderen Seite könnte anhalten.
Der treibende Faktor für die Edelmetallrallye, die Angst, dürfte in den nächsten Monaten weiter bestehen. So sind die Folgen des Brexit-Votums derzeit nicht absehbar. Zweifel an Konjunktur und Geldpolitik könnte die Flucht in Sicherheit verstärken. Die unwägbare US-Geldpolitik könnte die Sorgen weiter verstärken. "Wenn die US-Notenbank auch bei ihrer Sitzung im Juli keinen weiteren Zinsschritt ankündigt, dürfte der Goldpreis noch um 100 bis 150 Dollar zulegen", schätzt Rudolph Brenner, Chef des Edelmetallhändlers Philoro. Angst macht vielen Anlegern auch eine mögliche Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Das Land wählt am 8. November 2016 einen neuen Präsidenten. Auch die Sorge vor einer steigenden Inflation, veranlasst Investoren Gold zu kaufen. "Das ist ja das Ziel der Notenbanken. Sachwerte wie Immobilien und Aktien sind schon teuer", argumentiert Roland Stöferle, Fondsmanager bei Incrementum.
Einer der stets dort ist, wo es die Chance gibt, groß abzuräumen, ist George Soros. Er ist jedoch nicht wegen der Gefahr und möglicher Auswirkungen eines Brexit in Gold eingestiegen, sondern wegen China.

Welche Investments vielversprechend sind


Ich gehe in Gold, weil die Probleme in China auf die Weltwirtschaft übergreifen können.

Er steckt sein Geld etwa in den weltgrößten Gold-ETF, den SPDR Gold Trust und in Aktien wie Barrick Gold, dem größten Goldminen-Betreiber der Welt. Ähnlich wie Soros setzen auch andere große Hedgefondsmanager auf das Edelmetall. Der Optimismus unter großen institutionellen Investoren ist derzeit so groß wie zuletzt 2010. Die Zahl der Kaufoptionen auf Gold ist zuletzt um 22 Prozent gestiegen. Der SPDR Trust ist in Österreich zwar nicht zugelassen, aber Anleger können in den Xetra Gold (ISIN: DE000A0S9GB0)

Doch nach dem merklichen Kursanstiegen sollte nach Einschätzung der große Renditesprung kurzfristig erst einmal vorbei sein. Experten prognostizieren bis Jahresende einen Kurs von 1.364 bis 1.500 Dollar je Feinunze in Dollar. Bis 2018 rechnet der renommierte Goldexperte Roland Stöferle, der erst kürzlich den jährlichen Goldreport veröffentlichte, sogar mit einem Kurs von stolzen 2.300 Dollar. Damit würde der Goldpreis auch den Höchststand von knapp 1.900 Dollar vom September 2011 deutlich übertroffen. Die jüngsten Kursgewinne haben Gold und Silber auch charttechnisch in aussichtsreiche Positionen gehievt. Philoro-Boss Brenner rät zu einem Edelmetallanteil im Depot von fünf bis zehn Prozent.

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