Gold-Rallye: Sind die Chancen für 2020 bereits verpufft?

Gold-Rallye: Sind die Chancen für 2020 bereits verpufft?

Der Goldpreis geht durch die Decke und hat sogar kurzzeitig über 1.600 Dollar gestiegen. Geht die Rallye noch weiter oder war es das mit weiteren Kursgewinnen für 2020?

Kaufen, wenn die Kanonen donnern. Der Spruch ist gerade für Investments in Gold besonders treffend, wie sich dieser Tage zeigt. Seit der US-Militäraktion am Persischen Golf flüchten Anleger aus Furcht vor der Unsicherheit über die Eskalation im Nahen Osten in Gold.

Es ist die Unsicherheit über die künftige geopolitische Entwicklung, die dem Goldpreis einen kräftigen Schub verliehen hat. Seit der Tötung eines namhaften iranischen Generals ist der Goldpreis zwischenzeitlich um fast fünf Prozent gestiegen. Alleine in der Nacht zum Mittwoch den 8. Jänner kletterte das Edelmetall in der Spitze um zwei Prozent auf 1.610 Dollar je Feinunze und hat damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2013.
Der Preissprung spiegelt die Nervösität der Anleger wider. „Gerade in Zeiten von geopolitischen Spannungen wird Gold als sicherer Hafen gesucht und rückt in den Fokus der Anleger“, so Michael Stappel, Analyst der DZ Bank. Viele Investoren fragen sich: Wo soll das noch hinführen?

Diese Frage trifft sowohl auf die geopolitische Entwicklung als auch zunehmend auf die Goldpreis-Entwicklung zu. So hat der Gold-Kurs, nach heftigen kurzen Ausschlägen nach oben, einen Teil seiner Kursgewinne zwei Mal hintereinander wieder abgegeben. Derzeit hält der Kurs bei 1.584 Dollar. Nach wie vor eine stolze Entwicklung, notierte Gold im August 2018 erst bei knapp 1.200 Dollar je Feinunze. Seither ist der Kurs für das Edelmetall um insgesamt rund 35 Prozent angezogen.

Gold: Seit Mai 2019 zeigt der Kurs steil nach oben
Gold war zuletzt seit einigen Monaten wieder verstärkt als Krisenwährung gefragt. Bisher hatte aber vor allem die Sorge um eine abschwächende Konjunktur die Flucht in Gold vorangetrieben. Seit Mai ist der Preis für das Edelmetall um gut 20 Prozent gestiegen. Für Rückenwind sorgte unter anderem auch der leicht schwächere Dollar.

Beflügelt wurde das Edelmetall auch vom lockeren Kurs der europäischen und US- Notenbank. Denn ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Goldpreises ist die Zinspolitik und damit die Entwicklung der in diesem Zusammenhang vielbeachteten US-Staatsanleihen. Bringen solide Staatsanleihen keine oder geringe Zinsen, steigt die Attraktivität von Gold. So sind die Rendite von US-Staatspapieren ist in den zurückliegenden Monaten deutlich gesunken und auch Staatspapiere zahlreicher europäischer Länder bieten eine geringe oder negative Rendite.

Doch wie stehen die Chancen auf weitere Kursgewinne nach dieser fulminanten Goldpreisrallye?

Übertriebene Reaktion auf Nah-Ost-Konflikt?
Erste Stimmen warnen bereits vor einer Kurskorrektur. So erwarten Raiffeisen-Analysten nach dem starken Goldpreisanstieg bereits Rückschläge. Das aktuelle 7-Jahreshoch sei nur eine vorübergehende Spitze warnt etwa Peter Brezinscheck, Chefanalyst der RBI. Sein Argument: Die US-Notenbank werde die Zinsen nicht mehr weiter senken, womit US-Staatsanleihen wieder attraktiver werden würden. Die RBI erwartet für Mitte des Jahres nur noch einen Goldpreis in Höhe von 1.400 Dollar je Feinunze.
Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse der Commerzbank, hält die jüngste Rallye ebenfalls für übertrieben. „Der Preisanstieg war überwiegend durch Käufe am Futures-Markt getrieben“, erläutert er in einem Kommentar.

Viel Gold am Markt
Ein weiterer Risikofaktor: Am Markt gibt es Gold in Hülle und Fülle. Die Minen fördern so viel wie noch nie. Erst 2022 erwartet S&P Global Market Intelligence einen Rückgang der Fördermengen. Druck auf den Goldpreis ist von dieser Seite also ebenfalls nicht zu erwarten.
Zurückhaltender sind derzeit auch die Schmuckkäufer in Indien, neben chinesischen und anderen Schmuckerzeugern, einer der größten Käufergruppen am Goldmarkt. Sie warten ab und hoffen auf niedrigere Preise. Die Goldsaison in Indien beginnt aber ohnehin erst im Sommer, wenn Schmuckfabrikanten Gold einkaufen, um sich für die Nachfrage nach Goldschmuck für die Hochzeitssaison, zu der traditionell viel Gold geschenkt wird, einzudecken. Deren Nachfrage ist jedoch übers Jahr gesehen meist relativ stabil.

Anleger in Gold treiben den Preis am stärksten
Am stärksten wird die Nachfrage jedoch von Finanzinvestoren getrieben. Ihr Engagement in Gold schwankt auch am stärksten. So ging die Nachfrage von Anlegern, die in Münzen, Barren oder Gold-Indexfonds (ETFs) investieren 2018 um 66 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 zurück. 2018 hat sich das Blatt aber zu wenden begonnen und ETF verzeichnen seither beispielsweise wieder hohe Mittelzuflüsse, auch die Nachfrage bei Goldhändlern hat deutlich zugelegt.

Viele Kursziele für 2020 bereits durchbrochen
Doch auch wenn erste Experten vor einem zu heiß gelaufenen Goldmarkt warnen, solange die Angst vor einem Krieg im Nahen Osten vorherrscht und am Ende gar einer ausbricht, wird Gold als sicherer Hafen gefragt bleiben. Selbst wenn zahlreiche Kursziele für 2020 von Investmentgesellschaften in den ersten Tagen des Jahres bereits durchbrochen worden sind. So hat die deutsche Investmentgesellschaft DWS Gold als Absicherungsinstrument nun hochgestuft.

Dass die Kursziele der jüngsten Entwicklung davon galoppiert sind, zeigt etwa die Analyse der DZ Bank. So rechnet diese in einer wenige Tage alten Analyse, das Gold in den nächsten sechs Monaten die Marke von 1.500 Dollar je Unze erreicht und Ende 2020 bei 1.600 Dollar liegt.

Anhaltend hohe Nachfrage der Notenbanken erwartet
Doch es gibt auch Argumente, die für einen anhaltend hohen Goldpreis sprechen. Nach Einschätzung des World Gold Council bieten die niedrigen Zinsen und eine weiterhin robuste Goldnachfrage der Notenbanken gute Chancen, dass der Goldpreis 2020 noch weiter steigt.

Charttechnik: Gute Ausgangsbasis für weitere Kursgewinne
Charttechniker reiben sich nach dem jüngsten Kursanstieg die Hände. Martin Chmaj, Chefanalyst und Chartechniker des Onlinebrokers GKFX: „Sollten es die Rohstoff-Spekulanten schaffen den Kurs nachhaltig über der Marke von 1.557 Dollar zu halten, würde das mittelfristig einen größeren Aufwärtstrend bedeuten, der von den Marktteilnehmern nicht zu übersehen wäre.“

Sollte sich die Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten allerdings beruhigen, drohen aber herbe Kursrückschläge – sofern dann nicht eine flaue Wirtschaft auf die Stimmung drückt oder andere Risiken in den Vordergrund treten.

Nur 1,4 Prozent pro Jahr Langfrist-Ertrag
Ob nun Gold aufgestockt oder erstmals ins Depot kommt: Gold sollte stets nur als kleine Beimischung im Portfolio sein. Das liegt schon an der nicht-vorhandenen Rendite dieses Investments. Die Kursentwicklung ist stark von Emotionen getrieben, da Gold ist in erster Linie zur Absicherung von Risiken herangezogen wird. Selbst wenn derzeit die Kurse durch die Decke gehen, im Langfrist-Rückblick erzielt Gold nur einen bescheidenen Ertrag. So betrug der jährliche Ertrag seit Jänner 1975 laut dem Datenspezialisten Bloomberg in Euro jährlich nur 1,4 Prozent. Der Aktienindex MSCI World brachte es in der selben Zeit auf 7,4 Prozent per anno. Ohne Risiko sind Investments in Gold auch nicht. Der größte maximale Verlust betrug seither über 70 Prozent. Und wer Pech hatte musste über 30 Jahre ohne Erträge auskommen.

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