Gold als Inflationsschutz: Das sollten Anleger beachten

Der Goldpreis sinkt und das, obwohl die Inflation steigt. Welche Erklärungen gibt es und worauf es bei Investments in Gold letztlich ankommt und was dieses bringt. Ein Kommentar von Bert Flossbach von der Investmentgesellschaft Flossbach von Storch.

Gold als Inflationsschutz: Das sollten Anleger beachten

Gold ist kein kurzfristiger Inflationsschutz, sondern ein langfristiger Wertspeicher, meint Investmentexperte Flossbach von Storch.

Verkehrte Welt scheints: Die Inflation steigt, die Zinsen sind anhaltend niedrig, aber der Goldpreis sinkt. Im Jahresvergleich liegt die Notierung über sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Eigentlich einer der Investments, um sich vor der Geldentwertung zu schützen schlechthin. Warum ist der Goldkurs dann in diesem Jahr gefallen?


Die häufigsten Erklärungsversuche:
• Es liegt am steigenden Dollar,
• an steigenden Aktienkursen und damit an den höheren Opportunitätskosten für Goldanleger und
• den steigenden Zinserwartungen und damit potenziell höhere Opportunitätskosten.


Es ist müßig, für eine kurzfristige Entwicklung des Goldpreises nach einer sinnvollen Erklärung zu suchen

Goldpreis hat den höchsten Anstieg erlebt als die Zinsen stark stiegen
Diese Begründungen sind aber nicht zwingend. So gibt es viele Phasen in der Vergangenheit, in denen sowohl der Dollar als auch der Goldpreis stark gestiegen sind. Es gibt ebenso viele Phasen, in denen auch die Aktienkurse und der Goldpreis parallel gestiegen sind. Jüngstes Beispiel ist die Zeit von März bis August 2020. Oben drein hat der Goldpreis seinen größten Anstieg erlebt, als die Zinsen Ende der Siebzigerjahre durch die Decke gingen. "Es ist also müßig, für eine kurzfristige Entwicklung des Goldpreises nach einer sinnvollen Erklärung zu suchen", so Bert Flossbach von Storch von der gleichnamigen deutschen Investmentgesellschaft.

Langfristiger "Ertrag" ist die Geldentwertung auszugleichen
Langfristig besteht der „Ertrag“ des zinslosen Edelmetalls darin, mindestens die jährliche Geldentwertung auszugleichen. Zwischenzeitlich steigt und fällt der Goldpreis mal stärker, mal weniger stark als die Inflationsrate. In Zeiten großer Unsicherheit, etwa geopolitischen Stressphasen, Krisen des Finanzsystems oder Pandemien, wird Gold gerne auch die Rolle eines sicheren Hafens zugeschrieben. Doch diese Eigenschaft ist langfristig von untergeordneter Bedeutung oder nur als möglicher Auslöser für Inflation relevant.

Goldpreisentwicklung seit Preisfreigabe 1973

Anfang der 1970er Jahre wurde die Fixierung des Goldpreises auf 35 Dollar freigegeben. Die Kursentwicklung wurde seither von unterschiedlichen Faktoren getrieben. Goldpreis ist in Dollar je Unze angegeben.

Die Entwicklung des Goldpreises nach der Freigabe des Goldpreises
Das zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Von 1933 bis 1971 war der Goldpreis bei 35 Dollar fixiert. Nach dem Ende dieses sogenannten Goldstandards wurde der Goldpreis im Jahr 1973 endgültig freigegeben und stieg in kurzer Zeit auf über 100 Dollar. Das Ölembargo nach dem Jom-Kippur-Krieg führte zu einem sprunghaften Anstieg des Ölpreises und der Inflation. Der Goldpreis stieg kurzfristig auf rund 180 Dollar, fiel dann aber wieder auf gut 100 Dollar zurück. In der zweiten Ölkrise Ende der Siebzigerjahre stieg die Inflation in den USA auf 15 Prozent. Die Anleger befürchteten damals, dass die Inflation aus dem Ruder laufen könnte und kauften lieber Gold als Anleihen, obwohl deren Renditen bei über zehn Prozent lagen. Anfang 1980 erreichte der Goldpreis dann ein Rekordhoch von 850 Dollar. Kurz darauf trat US-Notenbankchef Paul Volcker auf die Bremse und erhöhte den Leitzins auf heute unvorstellbare 20 Prozent. Die Inflationserwartungen fielen und damit auch der Goldpreis. Es dauerte 28 Jahre, bis das Rekordniveau von Januar 1980 wieder erreicht wurde.

Wie Inflationssorgen sich auf den Goldpreis auswirken
Die dann folgende Finanzkrise führte trotz umfassender Geldschöpfung der Notenbanken nicht zu Inflation, weil sich die Kreditvergabe der Banken nicht erhöhte und das Geld die Realwirtschaft nicht erreichte. Auch erneute Inflationssorgen im Zuge der Eurokrise, die den Goldpreis 2011 auf einen neuen Rekordwert von 1.900 Dollar steigen ließen, erwiesen sich als unbegründet, so dass er bis 2015 wieder auf 1.053 Dollar fiel.
Im Zuge der Corona-Pandemie brachten die Rettungsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken viel Geld unters Volk, was sich auch in einem deutlichen Anstieg der Geldmenge M2 niederschlug. Damit stiegen die Inflationserwartungen und mit etwas Verzögerung in diesem Jahr auch die Inflation. Bereits im August 2020 erreichte der Goldpreis ein neues Rekordhoch von 2.063 Dollar. Seither ist er wieder um 300 Dollar gefallen, was auch daran liegen kann, dass der vorangegangene Preisanstieg zu viel des Guten war.

Goldpreis im Schnitt höher als die Inflation
Ob der Goldpreis der Inflationsentwicklung vorausgeeilt ist oder ihr hinterherhinkt, hängt naturgemäß vom Betrachtungszeitraum ab. Seit Ende 1973, als sich der Kurs nach der Freigabe des Goldpreises bei gut 100 Dollar eingependelt hat, ist der Goldkurs um 6,1 Prozent jährlich und damit zwei Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inflation. Die „Outperformance“ von Gold kann auf den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern zurückzuführen sein, deren Bürger erst in den Folgejahren in nennenswertem Umfang Gold kaufen konnten bzw. durften.


Gold ist kein kurzfristiger Inflationsschutz, sondern ein langfristiger Wertspeicher

Die Outperformance von Gold gegenüber der Inflation

Die Goldpreisentwicklung für verschiedene Zeiträume, jeweils bis heute , bezogen auf den aktuellen Goldkurs von 1.760 Dollar je Unze.

Gefahr eines nachhaltigen Preisschubs gering
Es spricht viel dafür, dass Gold auch zukünftig seiner Funktion als langfristiger Inflationsschutz gerecht wird. Da die Notenbanken kaum noch in der Lage sein werden, mit deutlichen Zinserhöhungen einen Inflationsanstieg zu bekämpfen, ist die Gefahr eines nachhaltigen Preiseinbruchs wie in den 1980er und 1990er Jahren gering.

Goldproduzenten leiden unter steigenden Kosten
Dass die Goldproduzenten derzeit unter dem Inflationsanstieg leiden, klingt ironisch, liegt aber daran, dass die Kosten für Energie, Material und Personal steigen, während der Verkaufspreis – sprich der Goldpreis – zuletzt gefallen ist. Dies hat die Aktienkurse in den vergangenen Monaten stark unter Druck gesetzt. Allerdings sind die Bilanzen der großen Produzenten durch die hohen Cashflows der vergangenen Jahre inzwischen nahezu schuldenfrei, und das derzeitige Goldpreisniveau reicht immer noch für auskömmliche Gewinne und attraktive Dividenden.

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