Geldanlage: Was Anlageexperten 2017 erwarten und empfehlen

Geldanlage: Was Anlageexperten 2017 erwarten und empfehlen

Ausblick: Fünf Top-Anlageexperten von fünf Bankhäusern über ihre Erwartungen und die besten Anlagestrategien im Jahr 2017.


CONSTANTIN VEYDER- MALBERG

CAPITAL BANK

"Es ist Zeit, umzuschichten. Und zwar jetzt."

Constantin Veyer-Malberg, Capital Bank

Constantin Veyer-Malberg, Capital Bank

Wir starten in ein neues Jahr, und Prognosen haben wieder Hochkonjunktur. Aber sie sind wertlos. Egal ob Prognosen zu Wahlausgängen oder Finanzmärkten. Ersparen Sie sich deren Lektüre. Treffen Sie danach keine Geldentscheidungen. Nutzen Sie den Jahreswechsel, die eigene Vermögensstruktur zu überprüfen. Erstmals in der Geschichte -zumindest seit 5.000 Jahren - gibt es keine Zinsen mehr, wenn man sein Geld verborgt: Der durchschnittliche Anleihezins ist 2016 unter null gefallen. Die EZB zwingt uns zum Umdenken.

Also raus aus Sparbüchern und "sicheren" Anleihen, die keine Zinsen bringen, aber das Risiko der Rückzahlung in sich tragen. Bei der Geld-und Schuldenflut unserer Zeit keine gute Idee. Besser sind hier Investments in reale Vermögensklassen. Diese bieten einen inneren Substanzwert, der einen langfristigen Werterhalt verspricht. Ein sicherer Hort für Geld, das man nicht so bald braucht. Das etwas liegen kann. Langfristig werden Substanzwerte die Nominalwerte schlagen. Das war immer schon so.

Kaufen kann man Immobilien, Aktien oder auch Gold. Erstere sind besonders beliebt, was sie schon sehr teuer macht. Und besonders gefährlich. Denn steigen die Zinsen eines Tages, müssten auch die Mieten steigen. Sonst verlieren die Häuser an Wiederverkaufswert. Dann wollen die finanzierenden Banken Ihr Geld zurück und zwingen zum Verkauf zur Unzeit. Dieses Systemrisiko ist in Österreich verschärft, da die meisten Kredite variable Zinsen haben.

Aktien sind so gesehen weniger gefährlich, da sie nicht mit Krediten gekauft werden. Statt des Systemrisikos sollte sich der Anleger um sein Verhaltensrisiko Sorgen machen: Bei Marktrückgängen wird mit Verlust verkauft. Wenn sich der Liquiditätsbedarf nicht ändert und man weiter Zeit hat, gibt es keinen Grund, bei Verlusten zu verkaufen. Die Märkte schwanken, aber langfristig sind sie bisher immer gestiegen.

Sind Aktien schon zu teuer? Die Dividendenrenditen liegen heute über dem, was den meisten Hausherren nach Kosten bleibt. Und natürlich auch weit über den Anleihezinsen.

Zur Abrundung gehören zu einem gut diversifizierten Vermögen auch Goldmünzen und -barren. Die bringen zwar keine Zinsen, bieten aber eine Absicherung in schlimmen Zeiten. Und sind staatlich gefördert: Gewinne sind nach einem Jahr steuerfrei.


ROBERT KARAS

SCHOELLERBANK

"Es wird wieder genug Ereignisse geben, vor denen sich Anleger fürchten können."

Robert Karas, Schoellerbank

Robert Karas, Schoellerbank

Ein aufregendes Jahr liegt hinter uns. Es war ein schlechtes Jahr für Prognostiker. Aber ein gutes für alle, die mit ruhiger Hand an den Märkten agieren. Brexit und President-elect Donald Trump sind Belege für die Ungewissheit kommender Ereignisse und deren Ausgang. Aber noch viel wichtiger: Niemand weiß, wie die Märkte kurzfristig darauf reagieren.

In der Schoellerbank setzen wir uns dennoch Woche für Woche mit den Märkten und Ereignissen in der Strategierunde auseinander. Macht das überhaupt Sinn, wenn so wenig vorhergesehen werden kann? Absolut! Denn unser Anlagehorizont ist langfristig und erstreckt sich über viele Jahre. Hektische Anlageentscheidungen wurden in den Schoellerbank-Vermögensverwaltungen aufgrund der turbulenten Entwicklungen nicht getroffen. Viel wichtiger ist: Unsere Qualitätsausrichtung in Anleihen und Aktien ist auch auf jeden zukünftigen Wahlausgang, jedes Referendum und vermutete Krisen vorbereitet.

Wie so oft, findet ein großer Teil des Risikomanagements bereits in der Asset-Allokation und in der Auswahl der einzelnen Anlageinstrumente statt und ist keinesfalls lediglich ein reaktives Instrument. Ein Blick auf das kommende Jahr zeigt: Es wird wieder genug politische und andere Ereignisse geben, vor denen sich Anleger fürchten können. Viel besser ist es jedoch, die Unsicherheiten als Teil des Investorenlebens zu akzeptieren und Zeit und Energie auf die eingehende Analyse zu legen. Bei unseren Unternehmensanalysen finden wir weiterhin attraktiv bewertete Aktien. Zusätzlich war die Stimmung an den Märkten über die letzten Monate nie euphorisch und damit auch nicht von großen Korrekturen aufgrund von potenziellen Übertreibungen gefährdet.

In diesem Umfeld sollten wir uns über Rückschläge wie zu Jahresbeginn 2016 freuen. Sie bieten die seltenen Gelegenheiten, Anteile an Unternehmen mit ausgezeichneten Geschäftsmodellen zu attraktiven Preisen zu erwerben. Besonderes Augenmerk sollte auf starken Wettbewerbsvorteilen und Preisfestsetzungsmacht liegen. Unternehmen, die über diese Vorteilsargumente verfügen, werden auch nach der Zinswende und bei anziehender Inflation ihre Margen schützen können.


CHRISTIAN OHSWALD

WEALTHMANAGEMENT DEUTSCHE BANK IN ÖSTERREICH

"Es gibt keinerlei Anzeichen einer Zinswende außerhalb der USA."

Christian Ohswald, Deutsche Bank

Christian Ohswald, Deutsche Bank

Nachdem Donald Trump mit seinem Wahlsieg kurzfristig für Unsicherheit an den Kapitalmärkten sorgte, könnten Anleger die nächste Zeit als Einstiegsmöglichkeit nutzen. Denn unter einer republikanischen Administration ist typischerweise mit einer wirtschaftsfreundlicheren Politik zu rechnen. So hat Trump bei der Reform der Körperschaftsteuer und Infrastrukturmaßnahmen bereits politische Übereinkünfte mit den republikanischen Meinungsführern im Kongress getroffen.

Im Endergebnis könnte dies zu einer Politik führen, die weniger wirtschaftsschädlich anmutet als die ursprünglichen Wahlkampfpositionen Trumps. Es gibt keinerlei Anzeichen einer Zinswende außerhalb der USA. Neben den ohnehin großzügigen Zentralbanken werden vielleicht jetzt auch noch die Regierungen aus dem fiskalischen Füllhorn schöpfen, zumal in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland nächstes Jahr Wahlen anstehen. Trotz moderatem Wirtschaftswachstum haben die Unternehmen zuletzt mehrheitlich positiv überrascht.

Auch wenn die Bewertungen nicht mehr günstig sind, könnten einige Branchen durch die erwartete Änderung der US-Politik profitieren: Gesundheit, da der Preisdruck für Medikamente und medizinische Geräte nachlassen dürfte, Finanzwerte aufgrund von weniger Regulierung und leicht höherer Zinsen, Energietitel, auch wenn man Angebots-und Nachfragedynamik beachten sollte, sowie Technologieunternehmen aufgrund höherer Infrastrukturausgaben.


WERNER ZENZ

BANKHAUS SPÄNGLER

"Fragen über die geldpolitische Strategie der EZB werden in den Mittelpunkt rücken."

Werner Zenz, Bankhaus Spängler

Werner Zenz, Bankhaus Spängler

Wir erwarten für 2017 weiterhin ein nur verhaltenes, wenngleich positives Wachstum. Dabei sollte sich die Konjunktur der Industrieländer dank fortgesetzt expansiver Geldpolitik weiter stabilisieren. Schwellenländer erholen sich im Zuge anziehender Rohstoffpreise weiter.

Vor diesem Hintergrund sind wir vorsichtig optimistisch, dass sich die Aktienmärkte aus der seit Mitte 2015 eingeschlagenen Seitwärtsbewegung nach oben hin befreien können. Unterstützend wirkt dabei, dass Zinserhöhungen - mit Ausnahme der US-Notenbank Fed, die bereits im Dezember 2015 eine Zinswende eingeleitet hat -für die nächsten Monate nicht zu erwarten sind. Seitens der EZB stellt sich vielmehr die Frage nach der weiteren Vorgehensweise hinsichtlich der Anleihenkäufe, zumal das aktuelle Aufkaufprogramm im ersten Quartal ausläuft. Damit sollten Fragen über die weitere geldpolitische Strategie der EZB wieder in den Mittelpunkt rücken. Die EZB kann sich dabei aber nur mehr "kreativer" Instrumente, wie etwa der temporären Anhebung eines Inflationsziels, bedienen.

Unter Zuhilfenahme klassischer Bewertungsmaßstäbe erscheint der europäische Aktienmarkt zunehmend attraktiver als sein US-Pendant. Allerdings gehen wir von einem nicht zu unterschätzenden Impuls der vom neuen US-Präsidenten Trump angekündigten Infrastrukturprogramme aus. Dies sollte auch zu einer höheren Inflation in den USA führen und eine begleitende, restriktivere Geldpolitik der Fed unterstützen. Davon wiederum sollten insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Rohstoff sowie Banken profitieren.


ERICH STADLBERGER

OBERBANK PRIVATE BANKING

"Die Lage ist gar nicht so schlecht."

Erich Stadlberger, Oberbank

Erich Stadlberger, Oberbank

Laut Bloomberg Consensus dürfen wir 2017 ein Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent erwarten. Eine Krise sieht anders aus. Und es muss auch erlaubt sein, die Frage zu diskutieren, ob ein niedrigeres, dafür aber kontinuierlicheres Wachstum nicht attraktiver sein kann als ein ständiges Wechselbad zwischen Boom und Bust. 3,2 Prozent reichen jedenfalls aus, um den global agierenden Konzernen ein Gewinnwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich zu ermöglichen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Gewinnprognosen deutlich zu optimistisch waren, aktuell knapp zweistellig, deshalb machen wir Abstriche. Unsere Ertragserwartungen an die Aktienmärkte sind im Bereich von fünf bis zehn Prozent angesiedelt. Wir sagen nicht, dass die Notenbanken in der Geiselhaft der Märkte sind, aber der Weg zum Exit aus der ultralockeren Geldpolitik wird schon sehr spannend.

Zu den Aktien kommen etwas Gold und Rohstoffe ins Portfolio, dazu Inflationsschutzanleihen, Emerging Market Bonds in Euro, Unternehmensanleihen in Euro und ein Cashpolster für alle Fälle. Unsere Rentenportfolios sind mit kurzer durchschnittlicher Restlaufzeit ausgelegt. Von Staatsanleihen halten wir uns schon länger fern, der Markt ist stark verzerrt und die Spekulation auf (höhere) Negativzinsen machen wir nicht mit. Mit diesem Mix ist die Chance gegeben, real Kapital zu erhalten.

Ohne höheren Risikoappetit wird 2017 einen realen Geldverlust bescheren. Die Chance, eine Zielrendite von drei bis vier Prozent vor Steuern und Inflation im Rest der Dekade zu erreichen, kann nur durch hohe Aktienanteile am Leben erhalten werden.

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