Geld mit Gott - Investieren mit dem Segen der Kirche

Geld mit Gott - Investieren mit dem Segen der Kirche

Die Kirche hat für für ihre Finanzgebarung mehr oder weniger ethisch konforme Veranlagungen.

Die Österreichische Bischofskonferenz hat einen strengen Kriterienkatalog für ethisches Investment verfasst - zehn Gebote für Gewinne mit dem Segen der Kirche.

Die katholische Kirche hat schon immer auch ein gutes Händchen für Geld gehabt. Allein das Vermögen des Vatikans soll Schätzungen zufolge rund 14 Milliarden Euro betragen und aus Goldreserven in der Schweiz und den USA sowie einem umfangreichen Wertpapierbesitz bestehen. Nach welchen Regeln Rom sein Kapital veranlagt, ist aber nicht bekannt.

Die Österreichische Bischofskonferenz hingegen hat nun erstmals im Auftrag von Kardinal Christoph Schönborn klare Richtlinien für ein ethisches Investment erstellt. Auf 14 Seiten werden die Grundprinzipien unter dem Titel "Finanzanlagen als Kooperation" dargelegt. Und auf einem vierseitigen, eng bedruckten Excel-Sheet werden die genauen Kriterien angeführt, wie kirchliche Stellen ethisch korrekt veranlagen sollen. Denn da gibt es zwischen den Diözesen und so manchem Kloster unterschiedliche Auffassungen, was geht und was nicht.

Der genaue Kriterienkatalog (siehe Die zehn Gebote für ein ethisches Investment ) schafft hingegen Klarheit. Ein Beispiel: In Länder, die laut Amnesty International die Todesstrafe nicht zur Gänze abgeschafft haben, darf nicht veranlagt werden. Auch nicht in solche, deren Verteidigungsbudget mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt.

Was im Klartext heißt, dass der Kauf von US-Staatsanleihen für die Kirche ein ethisches Tabu darstellt. Aber auch gegen Hedgefonds hegen die Verfasser des Ethik-Kriterienkatalogs Vorbehalte. Gewinne aus dem Verkauf von Hochprozentigem aus den Klosterkellereien erhalten hingegen Gottes Segen. Denn erst wenn mehr als fünf Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf von Schnaps und Spirituosen erzielt werden, sind die Gewinne daraus verdammt.

GUTE REGELN. Doch das Werk der Bischofskonferenz soll sich auch an all jene richten, die bei der privaten Veranlagung ein gutes Gewissen haben wollen. Denn der Markt für nachhaltige Geldanlage wächst in Österreich rapide. Kleinanleger haben bereits rund sieben Milliarden Euro in Ethikfonds investiert.

Ehrlich anlegen und sauber verdienen: Die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentfonds steigt in Österreich stark an.

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Gerhard Rehor, früher Raiffeisen-Banker und jetzt Vermögensberater von Family Offices, hat an den Ethik-Richtlinien mitgearbeitet: "Es gibt in Österreich ein sehr breites Spektrum an Ethikfonds, die nach hohen Standards investieren und die auch eine beachtliche Performance liefern. Aber man könnte bei den Veranlagungskriterien noch etwas sauberer werden." Und wenn man die alle mit dem kirchlichen Segen versieht, könnte die geballte Macht der Vermögen der Kleinanleger, der Stifte und Diözesen bei den Fondsgesellschaften eine Verbesserung von Kriterien und auch Konditionen erwirken.

Der Priester und Moraltheologe an der Katholischen Privatuniversität Linz Michael Rosenberger sieht das ähnlich. Und er konkretisiert einen weiteren wesentlichen Grund für die Erstellung der Kriterien für ethische Veranlagung nach kirchlichen Regeln: "Daraus kann in einigen Jahren ein eigenes Gütesiegel für ethische Veranlagung entstehen." Dann könnte die Kirche Managern von Ethikfonds die Absolution erteilen - oder verwehren.

GUTE FONDS. Bei den Kapitalanlagegesellschaften, die schon jetzt stark auf Ethikfonds setzen, sieht man die Regeln mit gemischten Gefühlen. Die Fondsmanager befürchten, dass bei genauer Einhaltung die Ergebnisse in der Veranlagung beeinträchtigt werden könnten. Wolfgang Pinner, Leiter der Abteilung "Nachhaltiges Investment" bei der Raiffeisen KAG, meint: "Die Richtlinien gehen über die uns bekannten Standards von christlichen Institutionen in anderen Ländern hinaus. Sie stellen für den Asset Manager eine Herausforderung dar." Wolfgang Traindl, Mitglied der Geschäftsführung der Erste Asset Management GmbH: "Die Harmonisierung der Richtlinien für kirchliche Anlagen ist zu begrüßen. Die Kriterien sind eher als restriktiv zu beurteilen, was für eine kirchliche Organisation durchaus entsprechend ist. Für manche Privatanleger sind vielleicht etwas weniger restriktive Kriterien auch durchaus ausreichend."

Die Fondsgesellschaft der Erste Bank bietet Ethikfonds an, die von der Ratingagentur Morningstar im Sustainability Rating mit der Höchstnote beurteilt werden. Das Rating ist allgemein anerkannt und wird von der Agentur Sustainalytics vorgenommen. Ein Ethikfonds wird nur dann bewertet, wenn zu mehr als 50 Prozent des Fondsvermögens Daten vorliegen.

Bei der Kepler KAG, der Fondsgesellschaft der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, beurteilt man den Vorstoß der Kirche bei den Ethikkriterien ähnlich. Florian Hauer, Fondsmanager des sehr erfolgreichen Kepler Ethikfonds meint: "Aus finanztechnischer Sicht muss man sich ansehen, ob durch diesen Kriterienkatalog das investierbare Universum noch vertretbar groß bleibt."

Amundi Austria, die Tochtergesellschaft der großen französischen Fondsgesellschaft Amundi, hat nach der Übernahme von Pioneer Invest Austria den nach Renditekriterien sehr erfolgreichen Ethik Mix Fonds im Programm, und Amundi Austria CIO Alois Steinböck meint: "Die Richtlinien der Bischofskonferenz sind bemerkenswert, da sie sehr detailliert beschrieben und auch quantifiziert werden. Die von uns angebotenen Ethikfonds unterliegen einem Auswahlprozess, der jenem der Bischofskonferenz weitgehend gleicht."

GUTE PERFORMANCE. Wie schwierig die Gratwanderung zwischen ethischer Veranlagung und guter Performance ist, zeigt ein Blick in die Portfolios erfolgreicher Nachhaltigkeitsfonds: Der LGT Sustainable Equity Global beispielsweise erzielte über fünf Jahre ein Plus von 80 Prozent.

Zu den Topwerten des Fonds gehört auch Apple. Ein wichtiger Partner von Apple ist der taiwanesische Konzern Foxconn, der wegen seiner harten Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geriet. Nach den strengen Veranlagungskriterien der Kirche eine problematische Verbindung. Derartige Fälle findet man aber auch bei vielen anderen Ethikfonds.

Was bei der Veranlagung mehr Bedeutung haben soll - die Befolgung ethischer Kriterien oder das Erzielen von Rendite -, könnte letztendlich von höchster kirchlicher Stelle entschieden werden. Dem Vernehmen nach soll auch Rom den Kriterienkatalog erhalten haben. Auf die ehrliche Antwort darf man gespannt sein.


Der Beitrag ist der trend-Ausgabe 12/2018 vom 23. März 2018 entnommen.

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