Die Gagenkaiser drücken bei SAP den Gewinn

Europas größtes Softwarehaus SAP hat ein Luxusproblem. Die Gehälter drücken den Gewinn. Mit steigendem Aktienkurs wird es für den Konzern teurer. Ein Euro Kursgewinn bedeutet 20 Millionen Euro Mehrkosten.

Die Gagenkaiser drücken bei SAP den Gewinn

Walldorf. Der Erfolg und somit auch der Anstieg des Aktienkurses setzen dem deutschen Softwarehaus SAP zu. Ein Kuriosum. Denn der Hersteller von Unternehmenssoftware hat offenbar den Dreh heraus, sein bisheriges Geschäft erfolgreich in die Zukunft zu führen. Das Hauptprodukt S/4Hana aber auch das Geschäft mit dem internetbasiertem Softwarevertrieb treibt den Gewinn an. Immer mehr der Alt- und Neukunden wollen die SAP-Software als Cloud-Dienst nutzen.

Der Unternehmenserfolg führt nun dazu, dass die Managergehälter, die vom Aktienkurs abhängig sind, kräftig angestiegen sind. Im vergangenen Jahr ist der Kurs um rund 33 Prozent angestiegen.

Der Umsatz ist dank eines schwachen Vergleichsquartals im Vorjahr um 12 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro gestiegen. Unter dem Strich verdiente SAP mit 530 Mrd. Euro aber 7 Prozent weniger. Grund sei vor allem die aktienbasierte Vergütung für SAP-Mitarbeiter, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Die Gagenkaiser

SAP bietet seinen Beschäftigten Gehaltsbestandteile an, die sich am Aktienkurs orientieren. Gut 65 Prozent der Belegschaft habe an dem jüngsten Programm für aktienbasierte Vergütung teilgenommen, sagte Mucic. Die Kosten dafür seien im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um gut 250 Millionen Euro auf 363 Millionen Euro gestiegen.

Ein Euro Kursgewinn bei der SAP-Aktie mache etwa 20 Millionen Euro an Mehrkosten aus. Der Kurs der Aktie hatte in den vergangenen zwölf Monaten um gut 20 Euro auf mehr als 90 Euro zugelegt - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gehälter. SAP-Chef Bill McDermott beispielsweise hatte für 2016 wegen dieser langfristigen Vergütungsbestandteile mit knapp 14 Millionen Euro für 2016 das höchste Gehalt in der Dax-Riege kassiert.

Die SAP-Aktie hat binnen eines Jahres um über 20 Euro zulegen können - sehr zur Freude der Manager.

SAP hatte sich jahrelang gegen Vergütungssysteme gestemmt, die sich am Börsenkurs des Unternehmens orientieren, wie es etwa in den USA üblich ist. Mit der Verpflichtung des US-Amerikaners Bill McDermott ins Top-Management wurde das Vergütungssystem umgestellt. McDermott wurde im Jahr 2002 zum Chef von SAP America bestellt. Ab dem Jahr 2008 wurde er als Chef des weltweiten Vertriebs in den Vorstand des deutschen Softwareherstellers berufen. Seit dem Jahr 2014 ist er Alleinvorstand bei SAP.


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Trotz Gewinnrückgang infolge der erhöhten Vergütungen hat die SAP-Aktie auch nach der Mitteilung der Ergebnisse um über ein Prozent zulegen können. Bei einem Kurs von 94,11 Euro hat der SAP-Konzern am heutigen Tga zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch erreicht. Das Unternehmen ist an der Börse somit 115 Milliarden Euro wert.

Miete statt Kauf

Gleichzeitig war die Mitarbeiterzahl im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 85.751 Beschäftigte weltweit gestiegen. Grund sei das stark wachsende Geschäft mit Mietsoftware, sagte ein Firmensprecher. Um das Feld auszubauen, hatte sich SAP in den vergangenen Jahren mit Milliardenübernahmen gerüstet, war zuletzt aber aus eigener Kraft gewachsen. Der neue Bereich soll in diesem Jahr bis zu vier Milliarden Euro einbringen. Im ersten Jahresviertel, traditionell das schwächste in der Softwarebranche, legten die Umsätze mit Mietsoftware um 34 Prozent auf 905 Millionen Euro zu.

SAP verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über ein weiteres Vorruhestands- und Abfindungsprogramm für den Bereich Services. Bei dem neuen Programm geht es laut Betriebsrat eigentlich darum, die Mitarbeiter fit für neue Technologien zu machen, die SAP mehr und mehr einsetzt. Wer sich nicht weiterbilden will, kann eine Abfertigung nehmen.

Der Bereich hat zuletzt weltweit mehr als 14.600 Mitarbeiter, am Ende dürfte das Programm aber Schätzungen zufolge für weniger als 1.000 Mitarbeiter greifen. Der Konzern plane dafür bisher 250 bis 300 Millionen Euro ein, sagte Mucic. 2015 waren bei einem ähnlichen Programm weltweit rund 3.000 Mitarbeiter gegangen.

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