Fremdwährungskredite: FMA verschärft Mindeststandards

Die Finanzmarktaufsicht FMA verschärft die in Östererich geltenden Mindeststandards zu Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern. Zur besseren Information der Kreditnehmer - vor allem im Schweizer Franken und im Japanischen Yen - und der Steigerung der Markttransparenz werden die Informationspflichten der Banken wesentlich erweitert.

Fremdwährungskredite: FMA verschärft Mindeststandards

Fremdwährungskredite waren in Österreich bis zur Finanzkrise im Jahr 2007 sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Kreditnehmern gerne in Anspruch genommene Finanzierungsmodelle. Und die heimischen Banken und Finanzberater haben das ihre dazu getan, dass dem so war.

Im Jahr 2008 hat die Finanzmarktaufsicht FMA die strategische Entscheidung getroffen, die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten zur Begrenzung des Risikos für private Haushalte de facto zu stoppen. Nun greift die FMA die riskanten Fremdwährungskredite und Kredite mit Tilgungsträger (FMA-FXTT-MS) erneut an. Mit den neuen, überarbeiteten Mindeststandards zum Risikomanagement und zur Vergabe von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern“ werden die Informationspflichten der Banken gegenüber den Kreditnehmern wesentlich erweitert. Erstmals gibt es in den Bestimmungen auch Vorgaben zur Verbesserung der Markttransparenz sowie ein eigenes Kapitel zu den von Banken zu treffenden Risikovorsorgen.

Dieser neue Mindeststandard tritt mit 1. Juni 2017 in Kraft.

Die Überarbeitung und Erweiterung unserer Mindeststandards ist ein weiterer Schritt mit dem Ziel, das Fremdwährungsrisiko in Österreich abzubauen. Seit 2008 wurde das aushaftende Kreditvolumen wechselkursbereinigt bereits um rund 28 Milliarden Euro oder um mehr als 60 Prozent gesenkt. 160.000 Haushalte sind bereits völlig aus dem Fremdwährungskreditrisiko ausgestiegen. Für die noch verbliebenen 110.000 drängt die Aufsicht zu weiteren angemessenen Maßnahmen der Begrenzung des Risikos. "Auch für diese besteht weiterhin ein erhebliches Risiko, dass sich durch Wechselkursschwankungen die Rückzahlung des Kredits erheblich verteuert“, mahnen die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller.

Erweiterung der Informationspflichten

Den neuen Bestimmungen zufolge hat die Bank dem Kunden sobald die Restlaufzeit des Kredites sieben oder weniger Jahre beträgt, in einem jährlichen Informationsschreiben die aktuelle Höhe des aushaftenden Kreditvolumens sowie gegebenenfalls den etwaigen aktuellen Stand des Tilgungsträgers mitzuteilen. Außerdem muss anhand von zumindest zwei unter realistischen Annahmen erstellten Szenarien eine etwaige prognostizierte Deckungslücke am Laufzeitende dargestellt werden. Die FMA empfuehlt zudem eine zusätzliche Darstellung in grafischer Form.


Aktuelle Fremdwährungskurse


Die Kreditnehmer müssen außerdem über angemessene Maßnahmen zur Risikobegrenzung, wie zum Beispiel eine Konvertierung in Euro, die Umstellung endfälliger Kredite auf Abstattungskredite oder Änderungen beim Tilgungsträger informiert zu einem persönlichen Gespräch eingeladen werden. Die FMA fordert dabei, dass dieses Gespräch ist auf Basis eines standardisierten Prozesses unter Beiziehung von erfahrenen Mitarbeitern der Bank durchgeführt wird.

Verbesserung der Markttransparenz

Eine weitere Verschärfung gibt es für Banken, deren Fremdwährungskreditvolumen mehr als zehn Prozent des Gesamtkreditbestandes beträgt oder die aufgrund von Fremdwährungskrediten, respektive Krediten mit Tilgungsträgern erhebliche Rechts- oder operationelle Risiken zu erwarten haben oder die mit einer Deckungslücke von zumindest 20 Prozent rechnen müssen. Sie sind zu bestimmten Offenlegungen gegenüber dem Finanzmarkt verpflichtet, um ein umfassendes Bild ihres Risikoprofils zu vermitteln.

Dazu müssen die Banken regelmäßig das aushaftende Volumen an FWTT-Krediten und ihr Anteil am Gesamtkreditportfolio veröffentlichen. Dabei müssen die wesentlichen Währungen und der Anteil an den Fremdwährungskrediten angegeben werden. Außerdem muss die erwartende Deckungslücke auf Basis von begründeten und offengelegten Annahmen dargestellt werden. Zusätzlich empfiehlt die FMA die Veröffentlichung der Höhe der als notleidend eingestuften Kredite sowie der vorgenommenen Wertberichtigungen, die Aufschlüsselung nach Restlaufzeiten bziehungsweise Fälligkeiten (laufend/tilgend) sowie die Darstellung der Refinanzierungsstruktur.

Stärkung der Risikovorsorge der Banken

Für die Risikovorsorgen (Wertberichtigungen, Abschreibungen, Rückstellung) ist in einer zukunftsorientierten Betrachtungsweise verstärkt auf zukünftig zu erwartende Verluste abzustellen. Die Institute können aber selbst entscheiden, ob sie dabei eine Einzelengagement- oder eine Portfolioperspektive anwenden. Sie haben aber zu begründen, warum sie sich wie entschieden haben.

Die weiteren Details zur den neuen Bestimmungen finden Sie auf der FMA-Website unter fma.gv.at/fma-mindeststandards/.

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