FNG-Leiter Pinner: "Nachhaltige Finanzprodukte bleiben atomfrei"

Wenn Atomkraft in die EU-Taxonomie aufgenommen und als umweltfreundlich eingestuft wird sollte das den österreichischen Fondsmarkt vorerst wenig berühren, meint Wolfgang Pinner, Leiter des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Wolfgang Pinner, Experte für nachhaltige Geldanlage und nachhaltige Finanzprodukte

Wolfgang Pinner, Experte für nachhaltige Geldanlage und nachhaltige Finanzprodukte

Der Vorschlag der EU, Atomkraft in die Taxonomie aufzunehmen und so als umweltfreundlich zu kennzeichnen, hat in den vergangenen Wochen große politische Wellen geschlagen. Für den heimischen Fondsmarkt dürften die Auswirkungen aber vorerst begrenzt bleiben, meint Wolfgang Pinner, Leiter des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) Österreich und Head of Sustainable & Responsible Investments bei Raiffeisen Capital Management. Dass Atomkraft bald in grünen Fonds in Österreich zu finden sein könnte, glaubt er nicht.

Die Bedeutung der Taxonomie für nachhaltige Anlageprodukte in Österreich sei bisher generell eher begrenzt, da der Zugang der heimischen Fondsmanager ein anderer sei und nicht nur auf Ausschlusskriterien, sondern auch stark auf den Strategien des Engagement und Voting beruhen würde. Die Maßnahme der EU, Atomkraft und Erdgas unter Auflagen als nachhaltig zu labeln, sei in erster Linie ein politischer Schritt gewesen, für die heimische Fonds-Landschaft werde das zunächst keine einschneidende Wirkung haben.

Frage der Glaubwürdigkeit

"Perspektivisch gesehen könnte es Auswirkung haben, wenn Taxonomie-Produkte auf den Markt kommen. Kurzfristig sehe ich die Auswirkungen - bis auf dass es die Taxonomie in gewisser Weise in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt hat - aber als gering an", sagt Pinner.

Aus einem nachhaltigen Blickwinkel heraus könne man Atomkraft nur schwer befürworten. Die Technologie könne sicherlich nicht als risikolos bezeichnet werden und berge noch große Problemfelder wie die Endlagerung von Atommüll. "Natürlich haben wir in Bezug auf Atomkraft mit dem Atomsperrgesetz in Österreich grundsätzlich eine klare Meinung zu dem Thema", so Pinner. Mit einer großen Änderung dieser Einstellung durch die Taxonomie rechnet er aber nicht.

Österreichisches Umweltzeichen bleibt atomfrei

Auswirkungen auf das heimische Umweltzeichen UZ 49 sieht Pinner derzeit ebenfalls nicht. Das Atomsperrgesetz in Österreich bleibe weiterhin die Vorgabe für das Umweltsiegel. "Ich denke nicht, dass eine Taxonomie das Atomsperrgesetz aushebeln würde", so Pinner. Das Umweltzeichen werde aber alle vier Jahre überarbeitet und in Zukunft werde man über neue Inhalte sicher diskutieren müssen.

Auch einen Imageschaden für nachhaltige Produkte bei den Kunden fürchtet Pinner nicht. "Die Taxonomie-Diskussion ist bei vielen Anlegern noch nicht angekommen." Nachhaltige Fonds würden weiterhin stark nachgefragt werden. Dementsprechend rechnet Pinner auch damit, dass sich der Anstieg des Anteils der nachhaltigen Anlagen auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird.

Kritisches Erdgas

Neben Atomkraft will die EU auch Erdgas in die Taxonomie aufnehmen. Man müsse aber unterscheiden zwischen der sehr kontroversen Entscheidung zur Atomkraft und der Entscheidung für Erdgas als Brückentechnologie, so Pinner. Erdgas sei auch in der Vergangenheit schon in Richtung einer Übergangstechnologie von den Fondsmanagern aufgefasst und dementsprechend behandelt worden. Der Anteil an Erdgas in nachhaltigen Fondsprodukten in Österreich sei aber sehr überschaubar und wäre vor allem von der Versorgerseite her in den Fonds enthalten, jedoch nicht von der Produktionsseite. Dass der Anteil in Zukunft stark steigen könnte, glaubt Pinner nicht.

Mit 21. Jänner 2022 endet die Frist für die EU-Mitgliedsstaaten, ihr Feedback zu dem Vorschlag der EU-Kommission einzubringen. Dass die EU ihre Meinung noch ändert und Atomkraft doch nicht in die Taxonomie aufnimmt, sei höchst unwahrscheinlich, so Pinner. "Ich würde mich wundern, wenn es da noch einen Ausweg gibt." Österreich hat sich bereits mehrmals vehement gegen Atomkraft in der Taxonomie ausgesprochen. Die österreichische Regierung will in der Sache Klage gegen die EU vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) einbringen, sollte Atomkraft als nachhaltige Energiequelle eingestuft werden.

Brutto-Netto-Rechner: Was Sie verdienen, was Sie kosten

Wie viel vom Bruttogehalt landet monatlich tatsächlich auf dem Konto? Und …

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

Die reichsten Österreicher: Die Liste der Milliardäre & Clans

Die 100 reichsten Österreicher besitzen mehr als 200 Milliarden Euro und …

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Lagarde: "Kein anhaltendes Inflationsproblem zulassen"

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, dass die Zentralbank weiter, …

Geld am Sparbuch: Wertverlust so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr

Seit 2011 verlieren Sparbuchsparer durch sinkende Zinsen Geld am Konto. …