Finanzminister Brunner forciert Ende der Wertpapier-Kest

Die Pläne von Finanzminister Magnus Brunner, die Wertpapier-Kest von 27,5% abzuschaffen und stattdessen eine Behaltefrist einzuführen nehmen Gestalt an.

Finanzminister Magnus Brunner (li) und Wiener Börse Chef Christoph Boschan

Finanzminister Magnus Brunner (li) und Wiener Börse Chef Christoph Boschan

Finanzminister Magnus Brunner will die im Jänner im trend. Interview angekündigte Abschaffung der Wertpapier-Kest so schnell wie möglich umsetzen. Statt der Steuer in Höhe von 27,5 Prozent soll die Behaltefrist wieder eingeführt werden. Der Hintergrund ist, dass die individuelle Vorsorge über Wertpapier-Investments dadurch attraktiver und günstiger werden soll. Im trend-Interview hatte Brunner bereits erklärt: "Eine steuerliche Entlastung für Investitionen in die eigene Vorsorge muss und wird kommen - und zwar mit einer Behaltefrist für Wertpapiere, um reiner Spekulation vorzubeugen. Wie lange diese genau sein wird, ist Gegenstand von Verhandlungen mit dem Koalitionspartner."

Aus der Branche werden für die Behaltefrist unterschiedliche Zeitrahmen vorgeschlagen. Die Wiener Börse plädierte in den vergangenen Jahren immer wieder für eine Behaltefrist von einem Jahr. Aus der Versicherungsbranche kam kürzlich jedoch der Vorschlag, im Hinblick auf steuerliche Erleichterungen für die Altersvorsorge eine Behaltefrist von mindestens fünf Jahren festzulegen.

Bestimmung auch für Kryptowährungen möglich

Brunner schließt zudem nicht aus, die KESt-Befreiung mit Behaltefrist auch für Kryptowährungen einzuführen. "Das ist natürlich eine Möglichkeit und wir werden das auch im Rahmen dieses Pakets besprechen." Im Hinblick auf Anlageformen für die Altersvorsorge stünden Kryptowährungen zunächst noch nicht im Fokus. "Wir werden uns jetzt mal auf das Thema Wertpapiere konzentrieren." Für junge Menschen seien Krypto-Assets jedoch durchaus ein großes Thema.

Wichtig sei für den Finanzminister vor allem, dass die Anlage in Wertpapiere attraktiver gestaltet werde. Er wolle "in die Breite kommen", das heißt für die breite Masse an Menschen Alternativen der Geldanlage finden, "weil das Sparbuch nicht mehr attraktiv ist", so Brunner. "Und wir müssen diese Alternativen auch attraktiver gestalten".

Pro & Contra

Die Pläne zur KESt-Abschaffung polarisieren jedenfalls. Unterstützung kommt von der Wirtschaftskammer (WKÖ) und vom Wirtschaftsbund. Die Wiedereinführung der Behaltefrist sei "ein wichtiger Meilenstein am Weg in eine nachhaltige Zukunft", sagte der WKÖ-Geschäftsführer der Sparte Bank und Versicherung, Franz Rudorfer. Es könnten Milliarden für eine grüne Transformation mobilisiert werden, insbesondere wenn die Maßnahme mit einer Steuerbefreiung für nachhaltige Vorsorgeprodukte ergänzt werde.

Auch die Industriellenvereinigung (IV) hält die Befreiung von der KESt gemeinsam mit einer Behaltefrist für "die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit." Im Zuge der stark gestiegenen Preise und dem herrschenden Niedrigzinsumfeld brauche es Anreize für einen langfristigen Vermögensaufbau. "Jetzt muss es darum gehen, die Menschen dabei zu unterstützen, langfristig, gerade auch in ihre Altersvorsorge, zu investieren", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

Die Gewerkschaft spricht sich weiterhin gegen die Maßnahme aus. Eine KESt-Befreiung für Wertpapiere sei ein "gewaltiges Steuergeschenk für die Superreichen", sagte Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB. "So zu tun, als hätte eine KESt-Senkung irgendwas mit dem Kampf gegen Altersarmut oder dergleichen zu tun, ist eine besondere Chuzpe. Die große Mehrheit der Menschen im Land zahlt ohnehin keine KESt."

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