Ferdinand Schmalz: "Geld hält sich nicht in meinen Taschen"

Ferdinand Schmalz

Ferdinand Schmalz

Der steirische Erfolgsdramatiker Ferdinand Schmalz hat den "Jedermann" radikal umgedichtet. Wie er privat mit dem schnöden Mammon umgeht und warum er sich den Janker vom Manker geleistet hat erzählt er in der Rubrik "Sprechen Sie Wirtschaft?"

trend: Sie haben ein goldenes Kalb geschlachtet und eine Neufassung des "Jedermann" geschrieben, den Sie als letzten aufrechten Kapitalisten skizzieren. Wie gut sprechen Sie selbst Wirtschaft?
Ferdinand Schmalz: Um ehrlich zu sein, ist die Wirtschaft eine Fremdsprache für mich, die ich mir nur schwer anlernen hab können. Aber ich versuche immer wieder, meinen Wortschatz zu erweitern.

Lesen Sie auch die Wirtschaftsseiten?
Schmalz: Gewöhnlich lese ich nur ab und zu die Wirtschaftsseiten, bei größeren Aufdeckergeschichten, wenn wieder mal wo Papers leaken, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. In der Vorbereitung auf den "jedermann (stirbt)" hab ich es mir aber zur Aufgabe gemacht, regelmäßig den Wirtschaftsteil zu lesen.

Ihre Texte weisen Sie als scharfen Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen aus. Was ärgert Sie am momentanen Wirtschaftssystem?
Schmalz: Was mich besonders ärgert, ist, dass unsere Gesellschaft zusehends auseinander driftet. Das hat einerseits mit einer veränderten Medienlandschaft zu tun, andererseits ist es natürlich aber auch ein Produkt unseres wirtschaftlichen Systems. Chancengleichheit herrscht auf dem Papier, nicht aber im realen Leben.


Chancengleichheit herrscht nur auf dem Papier.

Was kann die Kunst dem entgegensetzen?
Schmalz: Sokrates vergleicht die Aufgabe des Philosophen in der griechischen Polis mit einer lästigen Bremse. Die Kunst kann und muss genauso lästig sein. Wie ein Bremsenschwarm, der überall dort brummend zur Stelle sein sollte, wo die vorgefertigten Meinungen sich zu glatt ineinander fügen.

Was haben Sie im Bezug auf Umgang mit Geld von zu Hause mitbekommen?
Schmalz: Ich habe relativ wenig an Wirtschaftswissen mitbekommen. Einen gesunden Löffel Hausverstand in Haushaltsführung, mehr - Gott sei Dank - nicht.

Wie schaut Ihr persönlicher Finanzfahrplan aus?
Schmalz: Da ich mir gerade ein Wohnungseigentum geschaffen habe, heißt es jetzt mal, ein paar Jahre Schulden zu tilgen.

Ist der Vorsorge-Gedanke da auch ein Thema?
Schmalz: Als freischaffender Künstler muss man vor allem auch ein bisschen für den Fall vorsorgen, wenn die Musen einem nicht mehr hold sein sollten. Kleine Sicherheitspolster anzulegen für die Schreibkrise, ist sicher nicht das Schlechteste.

Was ist heute Ihres Erachtens überhaupt noch ein gutes Investment?
Schmalz: Natürlich die Kunst. Die Kunst ist die Blase, die niemals platzt. Es gibt keine Krise der Kunst, weil Kunst immer schon Krise, Ausnahmezustand ist. Will heißen, dass die Kunst in der Krise erst zu sich kommt.


Angst wird einen auf Dauer versteinern.

Sind Sie eigentlich ein vorsichtiger Mensch?
Schmalz: Ich versuche, so wach wie möglich zu bleiben für die Entwicklungen, die um mich herum passieren. Wenn man glaubt, man kann sich ein Sicherheitsnetz stricken, das einen gegen alle Eventualitäten abschirmt, wird einen die Angst auf Dauer versteinern. Wach bleiben heißt dagegen gefasst sein, bereit sein, im richtigen Moment auch Risiken einzugehen.

Sind Sie der großzügige Typ oder der Groscherlzähler?
Schmalz: Geld hält sich nicht in meinen Taschen.

Bargeld- oder Kartenzahler?
Schmalz: Bargeld. Ich bin einer der wenigen Leute, die nicht einmal eine Kreditkarte besitzen. Was alltägliche Dinge wie Flugbuchungen zu einer spannenden Angelegenheit werden lässt.

Und wofür geben Sie gerne Geld aus?
Schmalz: Bücher und Essen.

Was war das Verrückteste, das Sie sich jemals geleistet haben?
Schmalz: Ich habe mir bei einer Kostümauktion an den Münchner Kammerspielen einmal den Janker vom Manker ersteigert. Ein grellgrünes Filzmäntelchen, das der Schauspieler Paulus Manker in Peter Zadeks Inszenierung von "Richard III." getragen hat.

Was bedeutet "wunschlos glücklich " für Sie?
Schmalz: Mein Jedermann erklärt seiner Mutter, dass Glück eine Erfindung sei, um Pauschalurlaube zu verkaufen. So weit würde ich vielleicht nicht gehen. Aber man muss schon aufpassen, dass einen die Werbeindustrie nicht am Glückswunsch zu fassen kriegt.

Zur Person

Ferdinand Schmalz , 32, der Grazer Autor und Bachmann-Preisträger, der eigentlich Matthias Schweiger heißt, hat sich zur Kunstfigur stilisiert und feiert mit seinen artifiziellen, pointenreichen Dialogen vor allem am Theater Erfolge. Am 23.2. hatte "jedermann (stirbt)" an der Burg Uraufführung.


Das Interview ist von der trend-Ausgabe 8/2018 vom 23. Februar 2018 entnommen.

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