Feiertag für Wiener Börse: Bawag Aktie ist gestartet

BAWAG Vorstand Abuzaakouk und Börse Vorstand Boschan läuten die Börsenglocke.

BAWAG Vorstand Abuzaakouk und Börse Vorstand Boschan läuten die Börsenglocke.

Die Bawag, Österreichs viertgrößte Bank, ist an der Wiener Börse gestartet. Für die Wiener Börse ist es ein Grund zum Feiern: Der IPO der Bank ist der bisher größte in der Geschichte des Finanzplatzes. Die Bawag startet in den ATX durch.

Es ist so weit: die Bawag, Österreichs viertgrößte Bank, ist an der Wiener Börse gestartet. Die Wiener Börse hieß die Bank traditionsgemäß willkommen, indem Bawag-CEO Anas Abuzaakouk zum Handelsbeginn gemeinsam mit Börsen-CEO Christoph Boschan die Glocke läutete.

Für die Wiener Börse ist der IPO der Bank ein vorgezogener Nationalfeiertag, denn schließlich stellt das Listing der Bawag mit einem Volumen von knapp zwei Milliarden Euro (1,93 Milliarden inkl. Greenshoe) den größten Börsengang in der Geschichte der Wiener Börse dar. Er ist außerdem der erste Börsengang eines größeren Unternehmens am Finanzmarkt Wien seit dem der FACC im Jahr 2014. Der letzte ähnlich gewichtige IPO an der Wiener Börse liegt überhaupt schon zehn Jahre zurück. Er geht auf das Konto des Baukonzerns Strabag Im Jahr 2007. Basierend auf einer PWC IPO Studie ist der Börsengang der BAWAG Group AG im Jahr 2017 Europas drittgrößter IPO und zählt zu den Top 10 IPOs weltweit.

Die zehn größten Börsengänge an der Wiener Börse

  1. Bawag Group (2017), Emissionsvolumen 1,93 Mrd. €
  2. Strabag SE (2007), Emissionsvolumen 1,3 Mrd. €
  3. Raiffeisen International Bank (2005), Emissionsvolumen 1,1 Mrd. €
  4. Telekom Austria (2000), Emissionsvolumen 1 Mrd. €
  5. Österreichische Post (2006), Emissionsvolumen 652 Mio. €
  6. Zumtobel (2006), Emissionsvolumen 553 Mio. €
  7. AMAG Austria Metall (2011) Emissionsvolumen 411 Mio. €
  8. CA Immobilien (2006), Emissionsvolumen 287 Mio. €
  9. FACC (2014), Emissionsvolumen 194 Mio. €
  10. Kapsch Traffic Com (2007), Emissionsvolumen 118 Mio. €

Start unter dem Ausgabepreis

Nach der zweiwöchigen Zeichnungsfrist wird die Aktie (ISIN AT0000BAWAG2 seit Mittwoch, dem 25. Oktober an der Wiener Börse gehandelt. Der erste Börsenkurs lag bei 47,40 Euro. Die Aktie notiert zum Start im prime market, dem Top-Segment der Wiener Börse und wird an ihrem zweiten Handelstag, dem 27. Oktober 2017, per Fast-Entry-Regelung in den österreichischen Leitindex ATX aufgenommen. Dort wird sie mit einer Gewichtung von mehr als vier Prozent zu den ATX-Schwergewichten zählen.

39,9 Prozent der Bank sind in den Streubesitz gelangt, der Bruttoerlös für die verkaufenden Hauptaktionäre Cerberus und Golden Tree, die vor dem IPO 94 Prozent an der Bank hielten, beläuft sich auf knapp zwei Milliarden Euro. Der Verkauf der Anteile ist für Cerberuns und Golden Tree ein großer finanzieller Erfolg. Cerberus hat die BAWAG 2006 um rund 2,6 Milliarden Euro gekauft hat - später wurden weitere 600 Millionen Euro Kapital zugeschossen, Golden Tree ist danach eingestiegen. Der Bank selbst wird aus dem Börsengang kein Geld zufließen.

Insgesamt wurden 100 Millionen Aktien aufgelegt. Ausdrücklich hielt die Bank im Börsenprospekt fest, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass die beiden Großinvestoren nach Ablauf der Behaltefristen weitere Aktien verkaufen.

IPO bringt Geld und Risiko

Auf Basis der Zahl der gesamten Aktien beträgt die BAWAG-Marktkapitalisierung 4,8 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 40.250.000 bestehende Aktien bei Investoren platziert. Diese beinhalten 35.000.000 verbindliche Aktien und 5.250.000 Mehrzuteilungsaktien. Die Bewertung der Bank ist einigermaßen ambitioniert, wenn man die Bawag mit der ebenfalls in Wien gelisteten Erste Group vergleicht. Die Erste ist aktuell etwa 15 Milliarden Euro - also rund dreimal so viel wie die Bawag - wert, allerdings ist die Bilanzsumme der Erste Group auch mehr als fünf Mal so groß wie die der Bawag.

Die Bank musste im Börsenprospekt auf alle nur erdenklichen Risiken eingehen. Dazu gehörte auch, dass die geplante Kündigung des Vertrags mit der Post womöglich nicht die erhofften Einsparungen bringt oder zu langem Rechtsstreit führt. Weiter, dass im Streit mit der Stadt Linz um ein schiefgegangenes Swap-Geschäft noch hohe Abschreibungen im dreistelligen Millionenbereich fällig werden können. Die BAWAG verwies im Börsenprospekt auch darauf, dass noch Schweizer-Franken-Kredite im Wert von 1,5 Milliarden Euro laufen, die einem Währungsrisiko und damit einem indirekten höheren Ausfallsrisiko unterliegen.

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