Zinspolitik: Die Fed macht einen Kniefall vor der Wall Street

Zinspolitik: Die Fed macht einen Kniefall vor der Wall Street
Zinspolitik: Die Fed macht einen Kniefall vor der Wall Street

Federal Reserve-Gebäude in Washington, D. C.

Die US-Notenbank überrascht mit ihrer jüngsten Ansage, auch wenn sie den Zins unverändert lässt. Zwei statt vier Anpassungen des Zinses bringen eine neue Belebung für die Aktienmärkte. Und damit wollen die Amerikaner ein klares Zeichen für die ganze Welt setzen. Eine Analyse von Monika Rosen, Chefanalystin Bank Austria Private Banking

Mit dem Ergebnis ihrer März-Sitzung sorgte die US Notenbank für eine erhebliche Überraschung. Nicht so sehr mit der Tatsache, dass sie die Leitzinsen unverändert ließ - das war weitgehend erwartet worden. Einigermaßen überraschend kam aber die neue Prognose der Fed, wonach heuer wahrscheinlich noch zwei, statt bisher vier, Zinsanhebungen erfolgen werden. Etwas pointiert könnte man sagen, die Fed hat die Zinsen gesenkt, ohne die Zinsen zu senken. Sie hat jedenfalls einen Schritt in Richtung expansiverer Geldpolitik getan.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass acht der 17 Komitee-Mitglieder heuer mindestens drei Anhebungen erwarten, die restlichen neun erwarten zwei oder weniger. Die Entscheidung war also offenbar weniger einhellig, als das Fazit nahelegt. Notabene gab es ja sogar ein Mitglied, das bei der aktuellen Sitzung für eine Zinsabhebung gestimmt hatte. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen gehört aber wohl sicher ins "expansive" Lager, sie wird für einen moderateren Kurs votiert haben.

Fed will offenbar Dollar schwächen

Nun gehen die Meinungen auseinander, warum die US Notenbank einen derart expansiven Kurs eingeschlagen hat. Einerseits hat sich der US Arbeitsmarkt deutlich erholt, andererseits hat auch die Inflation zuletzt ein Lebenszeichen gegeben. Einige Ökonomen stellen also schon die Frage, worauf die Fed noch wartet, um eine weitere Zinsanhebung durchzuführen.

Einen zentralen Platz in der Argumentation der Notenbank nimmt die globale Konjunktur ein. Janet Yellen verwies bei der Pressekonferenz ausdrücklich auf China und Japan, aber auch auf die Eurozone. In all diesen Wirtschaftsräumen sind die Leitzinsen zuletzt gesenkt worden, teilweise erstmals in den negativen Bereich. Jedenfalls könnte man auch anmerken, dass es der Fed möglicherweise darum geht, den Dollar etwas zu schwächen - was in der unmittelbaren Reaktion auf die Entscheidung auch gelang. Der Dollar gab nach, im Gegenzug zeigten sich Gold und Öl stärker.

Sorgenkind Finanzmärkte

Ein weiteres Sorgenkind der Fed scheinen die Finanzmärkte zu sein. Zwar zeigen sich die Börsen in den letzten Wochen deutlich erholt, der Start ins heurige Jahr kann aber nur als ruppig bezeichnet werden. Das war dann auch Tenor bei einigen Ökonomen in unmittelbarer Reaktion auf die Entscheidung: die Fed hätte sich der Argumentation der Wall Street angeschlossen und würde mehr in Richtung Märkte als in Richtung allgemeiner Konjunktur schielen. Strenger betrachtet, könnte sich daraus durchaus der Schluss ergeben, dass die US-Notenbank in ihrer Geldpolitik weiter "hinter die Kurve" zurückfällt.

Es gab ja schon im Vorjahr nicht wenige Stimmen, die meinten, die Zinsanhebung im Dezember sei zu spät erfolgt. Andererseits muss man auch in Rechnung stellen, dass die USA das einzige Industrieland sind, das über eine Zinsanhebung auch nur nachdenken kann, bzw. bereits eine durchgeführt hat.

Die Amerikaner stemmen sich gegen einen gewaltigen deflationären Sog aus dem Rest der Welt, und eventuell signalisieren sie auch indirekt, dass sie den Preis dafür (die starke Aufwertung im Dollar) in der bisherigen Form nicht mehr hinnehmen wollen.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Twitter: @Monika_Rosen

Monika Rosen


Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

Geld

Wiener Börse startet mit ETF-Trading

Geld

Schwarzer Montag: Kommt 30 Jahre danach der nächste Börsen-Crash?

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung

Geld

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung