Facebook-Crash: Aktie verliert fast 25% an Wert

Facebook ist in die Jahre gekommen. Die Jugend wandert zu TikTok & Co ab. Das Wachstum stagniert, die Umsätze gehen zurück. Für viele Anleger Zeit, ihre Aktien abzustoßen.

Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg

Der Facebook hat ein Problem: Der Hype der frühen Jahre, als dem Wachstum des Social Media Unternehmens keine Grenzen kannte, ist vorüber. Das weltgrößte Online-Netzwerk konnte im vergangenen Quartal erstmals kaum neue Nutzer dazugewonnen. Die Zahl täglich aktiver Mitglieder sank binnen drei Monaten um rund eine Million. Bei monatlicher Aktivität gab es ein für Facebook-Verhältnisse mageres Plus von zwei Millionen.

Besonders die jüngere Generation kann sich immer weniger für die Social Media Plattform begeistern und nutzt stattdessen Alternativen wie TikTok. Gründer und Chef Mark Zuckerberg nannte die Video-App in der Telefonkonferenz zur Präsentation der Ergebnisse auch als Ursache für das magere Ergebnis. "Die Leute haben jede Menge Auswahl, wie sie ihre Zeit verbringen wollen - und Apps wie Tiktok wachsen sehr schnell", sagte er.

Facebook hat als Konter auf TikTok den Dienst "Reels" entwickelt. Allerdings räumte Zuckerberg ein, dass der neue Fokus zunächst auf die Erlöse drücken wird, weil Reels-Anzeigen weniger lukrativ sind als etwa der Platz im Newsfeed der Nutzer. "Einfach nur die Funktionen von Tiktok zu kopieren, wird nicht reichen", gestand Zuckerberg ein. Doch das sei auf lange Sicht der richtige Schritt für die Plattform.

Anleger stoßen Aktie ab

Anleger reagierten dennoch schockiert und stießen die Aktie in großem Stil ab. Die Aktie des Mutterkonzerns Meta verlor nach Vorlage der Ergebnisse rund ein Viertel ihres Werts. Damit lösten sich mehr als 220 Milliarden Dollar (194 Mrd. Euro) Börsenwert in Luft auf - ein Rekord. Zum Vergleich: Der Verlust des Tages ist gut fünfmal höher mehr der aktuelle Börsenwert des Konkurrenten Snapchat.

Ein Rückgang der Zahl täglich aktiver Nutzer von 1,93 Milliarden auf 1,929 Milliarden mag nicht wie eine große Sache wirken. Aber noch im Vierteljahr davor war der Wert um 22 Millionen gestiegen - und um 30 Millionen im zweiten Quartal 2021. Facebook verfehlte auch die Erwartungen der Experten, die von 1,95 Milliarden täglich aktiven Nutzern ausgegangen waren. Der Facebook-Konzern Meta zählt auch, wie viele Nutzer mindestens eine seiner Apps nutzen - dazu gehören etwa WhatsApp und Instagram. Mit einem Plus von zehn Millionen auf 2,82 Milliarden täglich fiel auch hier das Wachstum ungewöhnlich niedrig aus. Im Vierteljahr davor waren noch 50 Millionen dazugekommen.

Facebook hatte in der Pandemie die Anleger mit üppigen Wachstumsraten verwöhnt. Auch daher schlug die Prognose von 27 bis 29 Mrd. Dollar Umsatz im laufenden Quartal besonders hart ein. Denn sie bedeutet, dass die Erlöse im Jahresvergleich vielleicht nur um drei Prozent wachsen werden.

Meta veröffentlichte auch erstmals ausführlichere Zahlen zu seinem Geschäft mit virtueller Realität. Daraus soll mit der Zeit die digitale Welt Metaverse entstehen, in der Zuckerberg die ferne Zukunft des Konzerns sieht. Im vergangenen Quartal legte der Umsatz der Sparte "Reality Labs" im Jahresvergleich von 717 auf 837 Mio. Dollar zu.

Zugleich stieg auch der operative Verlust von rund 2,1 auf 3,3 Mrd. Dollar. Im gesamten vergangenen Jahr häufte die Sparte rote Zahlen von mehr als 10 Mrd. Dollar an, unter anderem für Forschung und Entwicklung. Und Finanzchef Wehner stellte in Aussicht, dass die Ausgaben in diesem Jahr weiter steigen werden.

Der Konzernumsatz wuchs unterdessen im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um ein Fünftel auf knapp 33,7 Mrd. Dollar. Unterm Strich sank der Gewinn um 8 Prozent auf knapp 10,3 Mrd. Dollar.

Datenschutz- und Wettbewerbsschranken

Probleme bereiten Meta zudem Apples Maßnahmen für mehr Privatsphäre auf dem iPhone. Die bremsen das Facebook-Geschäft schon seit Monaten. Finanzchef Dave Wehner rechnet damit, dass dadurch der Konzernumsatz im Jahr 2022 um zehn Milliarden Dollar niedriger ausfallen wird. App-Anbieter wie Facebook müssen iPhone-Nutzer seit dem vergangenen Jahr fragen, ob sie zu Werbezwecken ihr Verhalten quer über verschiedene Dienste und Websites nachverfolgen dürfen. Das lehnen viele iPhone-Kunden lehnen ab.

Facebook kann dadurch schlechter die Anzeigen auf einzelne Nutzer zuschneiden. Das zentrale Geschäftsmodell des Konzerns ist aber, Anzeigen exakt den von Werbekunden gewünschten Zielgruppen zu zeigen. Mit dem Nein der iPhone-Nutzer zum Tracking wurde es für den Konzern schwieriger, Informationen über Interessen der Nutzer zu sammeln und den Erfolg von Werbekampagnen zu messen.

Die Worte des Finanzchefs erweckten zudem den Eindruck, Meta lote eine Beschwerde mit dem Vorwurf unfairen Wettbewerbs aus. Die Einschränkungen seien auf Apps zugeschnitten, während im Webbrowser zum Beispiel Suchmaschinen weiter Zugang zu mehr Informationen für die Personalisierung von Werbung hätten, kritisierte Wehner.

"Wir glauben, dass Googles Geschäft mit Suchmaschinen-Anzeigen im Vergleich zu Diensten wie unserer profitiert haben könnte", sagte er. Und die Milliarden, die Apple jedes Jahr von Google bekomme, seien ein Anreiz, diese "Diskrepanz" fortzuführen. Google zahlt dafür, als Standard-Suchmaschine in Apples Webbrowser Safari voreingestellt zu sein. Nutzer können die Suchmaschine jederzeit ändern.

Brutto-Netto-Rechner: Was Sie verdienen, was Sie kosten

Wie viel vom Bruttogehalt landet monatlich tatsächlich auf dem Konto? Und …

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

Die reichsten Österreicher: Die Liste der Milliardäre & Clans

Die 100 reichsten Österreicher besitzen mehr als 200 Milliarden Euro und …

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Lagarde: "Kein anhaltendes Inflationsproblem zulassen"

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, dass die Zentralbank weiter, …

Geld am Sparbuch: Wertverlust so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr

Seit 2011 verlieren Sparbuchsparer durch sinkende Zinsen Geld am Konto. …