Facebook & Co bekommen eigenen US-Branchenindex

Facebook & Co bekommen eigenen US-Branchenindex

Nicht mehr im Technologieindex, sondern in einem neuen Branchenindex werden Facebook & Co ab Ende September geführt.

Technologiewerte wie Alphabet, Amazon, Facebook und Netflix ziehen um: S&P legt einen Index für Kommunikationsdienstleistungen auf. Die neue Klassifizierung soll auch anderen, kleineren Unternehmen nutzen. Der Umstieg von den Technologiewerten auf den neuen Branchenindex kann sich laut Experten kräftig auf die Börsenkurse auswirken.

Menlo Park. Nicht nur die Deutsche Börse sortiert ihre Indexwelt neu, auch an der Wall Street stehen im September weitreichende Änderungen an. Der Index-Anbieter S&P klassifiziert Firmen wie Facebook und Netflix künftig in anderen Sektoren.

Experten zufolge bietet dies kleineren Technologiefirmen die Chance, aus dem Schatten von Internet-Giganten wie Amazon oder der Google-Mutter Alphabet herauszutreten. Allerdings könnte die Neuordnung auch Kursschwankungen auslösen.

Obwohl Anleger Firmen wie Alphabet als Vorreiter der Digitalisierung sehen, sind sie bei S&P künftig nicht mehr im Unterindex für Technologie-Firmen sondern in einem Sektor mit dem Namen "Kommunikationsdienstleistungen" notiert. Neben Alphabet gehören dem Index, der ab dem 24. September gelten soll, Unternehmen wie die Online-Videothek Netflix, der Kurznachrichtendienst Twitter, der Bezahlservice Paypal, das Online-Netzwerk Facebook und der Videospiel-Hersteller Electronic Arts an.

Umstellung mit Folgen

Die technische Umsortierung dürfte an den Börsen nicht ohne Auswirkungen bleiben: Weil hunderte Portfoliomanager in den Tagen nach der Umstellung ihre Fonds und ETF neu strukturieren und bestimmte Aktien kaufen und verkaufen müssen, drohen heftige Kursausschläge, prognostiziert Andrew Bodner, Geschäftsführer des Brokers Double Diamond. "Das ist ein zeitlich begrenztes Szenario und könnte für viele Anleger gute Kaufgelegenheiten bieten."

Nach Daten des Fondsanalysehauses Lipper sind über börsengehandelte Fonds (ETF) rund 89 Mrd. Dollar (rund 77 Mrd. Euro) im Technologiesektor angelegt. Ein Großteil davon muss nach Einschätzung von Fachleuten aktualisiert werden. Großanleger wie der Vermögensverwalter Vanguard haben nach eigenen Angaben bereits damit begonnen, ihre ETF anzupassen. State Street Global will unterdessen einen ganz neuen Fonds auflegen.

Profitieren könnten von der Umstellung auch kleinere Firmen. "Investoren erhalten ohne solche Riesenkonzerne, die eigentlich Medienunternehmen sind, einen ganz anderen Blickwinkel auf den Technologiesektor", erläutert Mike O'Rourke, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses JonesTrading. Außerdem müssten Portfoliomanager künftig nicht mehr entscheiden, ob sie aus dem Tech-Sektor in Amazon oder Apple investieren, sondern könnten Titel von beiden Unternehmen kaufen. Fonds haben in der Regel Quoten für Aktien aus den unterschiedlichen Branchen.

Weil Schwergewichte wie Amazon und andere aus dem S&P-Technologieindex herausgenommen werden, steigt die Bedeutung von Werten wie Microsoft, Intel, Cisco Systems oder Oracle.

Der erweiterte Sektorindex Kommunikationsdienstleistungen wird künftig für ein Zehntel des S&P 500 stehen. Bisher war der Index, der lediglich die Telekom-Branche abbildete, für weniger als zwei Prozent des Hauptindex verantwortlich.

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