EZB bleibt bei Zinsen und Anleihenkaufprogramm auf Kurs

EZB-Zentrale in Frankfurt

In der Frankfurter EZB-Zentrale wurde der Euro auf Kurs gehalten.

Europas Wirtschaft wird stärker, der Euro ebenfalls, die Inflation zieht an. Ökonomen machen daher Druck auf die EZB, ihre expansive Finanzpolitik zu ändern, doch die bleibt zumindest vorerst noch auf Kurs.

Die Frage, wie es mit dem billionenschweren Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) weitergeht, brannte vor der EZB-Sitzung vielen unter den Nägeln. Seit dem März 2015 kauft die EZB monatlich Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von rund 60 Milliarden, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln und den Euro zu stärken. Zusätzlich wurde der Leitzins im Euroraum auf 0,0 Prozent gesenkt, Einlagen von Banken bei der Notenbank sogar mit einem Strafzins von 0,4 Prozent belegt.

Daran ändert sich vorest nichts. Zumindest bis Jahresende bleibt die EZB noch bei ihrer ultralockeren Geldpolitik, wird weiterhin Anleihen kaufen und die Zinsen nicht anrühren.

Vor allem aus Deutschland kommen seit längerem kritische Stimmen. Im Vorfeld der September-Sitzung hatte sich etwa Clemens Fues, Präsident des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, wieder zu Wort gemeldet und sich für ein Ende der Anleihenkäufe ausgesprochen. Angesichts der aktuellen Daten zur Inflationsentwicklung in der Eurozone spricht immer mehr für einen Einstieg in den Ausstieg“, sagte er. Die EZB solle daher ein entsprechendes Signal senden, damit sich die Finanzmärkte darauf einstellen können. "Die Ankündigung eines schrittweisen Abbaus der Käufe ab Januar 2018, unter der Bedingung, dass die Inflationsentwicklung sich nicht wieder dreht, wäre ein solches Zeichen“, meint Fuest.

Auch Axel Weber, der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, hält eine Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum für überfällig. "Ich bin überzeugt, dass die EZB jetzt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sehr geordnet planen müsste", sagte der heutige Präsident des Verwaltungsrates der Schweizer Großbank UBS, "Die EZB muss sich aus dem Kauf von Anleihen zurückziehen. Punkt."

Warten auf 2018

Obwohl EZB-Präsident Mario Draghi zuletzt erklärt hatte, dass der Rat im Herbst über einen Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm beraten wird, wird nun eine stufenweise Rückkehr in den Normal-Modus ab frühestens 2018 eingeleitet werden.

Geplant ist, dass die Käufe mindestens bis Ende des Jahres weitergehen. Wie es danach weitergehen wird ist völlig offen. Ein weiterer Plan wurde seitens der EZB noch nicht bekannt gegeben. Die EZB hatte ja für die Eurozone und die Änderung ihres finanzpolitischen Kurses stets ein Wunsch-Inflationsziel von zwei Prozent kommuniziert. Im August 2017 lag sie laut noch nicht endgültiger Eurostat-Berechnung bei 1,5 Prozent, nach 1,3 Prozent im Juli 2017 (siehe Grafik). Allgemein wird nicht erwartet, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten deutlich anzieht.

Inflationsentwicklung in der Eurozone Jänner 2007 - August 2017

Inflationsentwicklung in der Eurozone Jänner 2007 - August 2017

Das Festhalten am Inflationsziel von zwei Prozent wird von UBS-Verwaltungsrat Weber jedoch auch kritisiert. "Ich halte es für etwas absurd, dass die Notenbanken feinjustiert darauf schauen, ob die Inflation 2,0 Prozent oder 1,85 Prozent ist", meint er, "Diese Art von Statistikgläubigkeit der Notenbanken halte ich für falsch."

Euro auf starkem Kurs

Die EZB-Entscheidung hat den Euro weiter gestärkt. Vor der Sitzung der Notenbank notierte der Euro bei 1,194 US-Dollar, danach zog er auf über 1,20 Dollar an. Sein 52-Wochen-Tief datiert vom 20. Dezember 2016 und lag bei 1,038 Dollar. Gegenüber dem Schweizer Franken pendelt der Euro derzeit bei 1,14 Franken.

Eine Leitzinsanhebung liegt nach einhelliger Einschätzung von Ökonomen noch in weiter Ferne. Ökonomen rechnen frühestens im Jahr 2019 mit ersten moderaten Zinsschritten. Die Konsumenten werden wohl weiterhin billige Kredite und wenig bis gar keine Zinsen für Erspartes bekommen.


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