EZB-Vizechef Luis de Guindos dämpft Zinsfantasien

EZB-Vizechef Luis de Guindos knüpft Zinserhöhungen an die Bedingung, dass die Inflation in der Eurozone das mittelfristige EZB-Ziel von zwei Prozent erreicht und dann erst einmal auch so bleibt.

EZB-Vizechef Luis de Guindos

EZB-Vizechef Luis de Guindos

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird laut ihrem Vizechef Luis de Guindos die Zinsen erst dann anheben, wenn sich die Inflation im Euroraum dauerhaft bei der Zielmarke von zwei Prozent einpendelt. "Wir sind durch unsere Bedingungen in der Forward Guidance geleitet und werden handeln, falls und wann diese erfüllt sind, " sagte der Stellvertreter von Notenbank-Chefin Christine Lagarde.

Der geldpolitische Ausblick der EZB - "Forward Guidance" genannt - nennt unter anderem als Bedingung, dass zu sehen sein muss, dass die Inflation das mittelfristige EZB-Ziel von zwei Prozent erreicht und dann erst einmal auch so bleibt.

De Guindos wies darauf hin, dass andere Notenbanken bereits damit begonnen haben, die Zinsen zu erhöhen oder es angedeutet haben, dies bald zu tun. Wenn man Vergleiche anstelle, müsse aber beachtet werden, dass die Eurozone sich in einem unterschiedlichen Stadium des Konjunkturzyklus befinde, erläuterte er. Dies sei schon zu Beginn der Pandemie der Fall gewesen. "Somit ist es selbstverständlich, dass Zentralbanken weltweit nicht notwendigerweise zur gleichen Zeit damit beginnen, die Zinsen zu erhöhen", sagte de Guindos.

Wilde Zinsspekulationen

Am Finanzmarkt sind inzwischen die Zinsspekulationen ins Kraut geschossen. Dort wird mittlerweile von Zinsanhebungen bis Dezember von 50 Basispunkten ausgegangen. Die EZB hatte letztmalig im Jahr 2011 die Zinsen erhöht.

EZB-Präsidentin Lagarde hatte vergangene Woche die Tür für einen eventuellen Zinsschritt noch in diesem Jahr ein Stück weit geöffnet. Sie wiederholte angesichts des momentanen Inflationsschubs nach der jüngsten Zinssitzung ihre frühere Einschätzung nicht mehr, wonach eine Zinswende 2022 sehr unwahrscheinlich sei. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel drängt inzwischen darauf, dass die EZB auf die hohe Inflation schnell reagiert und hält eine Zinswende im laufenden Jahr für möglich. In den USA hatte US-Notenbankchef Jerome Powell eine Zinsanhebung bereits für März angedeutet und die Finanzmärkte auf weitere Schritte nach oben vorbereitet.

Abnehmender Preisdruck wird erwartet

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane dämpfte unterdessen in einem Blog-Beitrag die Erwartung kräftiger geldpolitischer Schritte. Die Inflation im Euroraum werde sich auch ohne große Straffungsmaßnahmen in Richtung der Notenbankzielmarke von zwei Prozent bewegen, erläuterte er in einem Blog-Beitrag. Die pandemiebedingten Engpässe bei Gütern und Arbeitskräften würden allmählich zurückgehen. "Da die Engpässe schließlich überwunden sein werden, sollte der Preisdruck abnehmen und die Inflation zu ihrem Trend zurückkehren, ohne dass eine erhebliche Anpassung der Geldpolitik nötig ist", schrieb Lane.

Auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau rechnet mit Abnahme des Preisdrucks im Verlauf des Jahres. "Wir denken, dass die Inflation runtergeht in den kommenden Quartalen", sagte er. Dabei verwies er auf die Energiepreise und ein Nachlassen der Probleme bei den Lieferketten. "Das wichtigste Fragezeichen betrifft die Energiepreise," sagte er. Diese Unsicherheit erfordere für geldpolitische Schritte, dass verstärkt die Optionen offen gehalten werden.

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