Zinsen, Anleihenkäufe: EZB bereitet weitere Maßnahmen vor

EZB Präsident Mario Dragh (re.) und Vizepräsident Vítor Constâncio
EZB Präsident Mario Dragh (re.) und Vizepräsident Vítor Constâncio

EZB Präsident Mario Dragh (re.) und Vizepräsident Vítor Constâncio

Die EZB hat bei ihrer jüngsten Zinssitzung den Leitzins nicht verändert und auch ihr Anleihenkaufprogramm vorerst nicht weiter ausgedehnt. Das dürfte sich jedoch bald ändern.

Die EZB hat bei ihrer September-Sitzung alle Leitzinssätze unverändert gelassen. Auch das Anleihenkaufprogramm (QE) wurde nicht verändert, wenngleich die Rhetorik von Draghi nahelegt, dass weitere Stimulierungsmaßnahmen in der Pipeline sind.

Wir gehen davon aus, dass die EZB eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms noch heuer ankündigen wird, wahrscheinlich bei der Dezember-Sitzung. Außerdem wird es wohl eine Ausweitung der Kriterien geben, was die für einen Kauf in Frage kommenden Papiere betrifft. Um das QE wirklich schlagkräftiger zu machen, werden wahrscheinlich weitere Anleihenkategorien zum Kauf zugelassen werden müssen.

Obwohl die EZB ihre Wachstums- und Inflationsprognosen nur geringfügig gesenkt hat, war Draghi überaus vorsichtig in seiner Einschätzung, was die weitere Inflationsentwicklung betrifft. Wir glauben, dass speziell die Inflationsprognosen der EZB ein klares Risiko nach unten haben, sprich, dass die Gefahr eines Rückfalls in die Deflation besteht.

Anleihenkaufprogramm vor Verlängerung

Besonders die Kernrate bei den Verbraucherpreisen wird unserer Meinung nach von der EZB derzeit zu optimistisch eingeschätzt. Dieser Gedanke ist wohl der EZB selbst auch nicht ganz fremd, deshalb hat Draghi in seinem Statement den Boden für weitere Stimulierungsmaßnahmen schon bereitet. Wir gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Anleihenkaufprogramm über sein jetziges Ende (März 2017) hinaus verlängert wird.

Würde das nämlich nicht geschehen, müsste schon bald mit einer Drosselung der Käufe begonnen werden, was eine eindeutig restriktive Maßnahme der Geldpolitik darstellen würde. Danach klangen die Aussagen von Draghi gar nicht.

Daraus ergibt sich aber auch, dass das geldpolitische Umfeld in der Eurozone weiter expansiv bleibt, was einen wichtigen Unterstützungsfaktor für die Börsen darstellt. Aktien bleiben daher unsere bevorzugte Anlageklasse, wir bleiben übergewichtet.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Twitter: @Monika_Rosen

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