EZB-Geldpolitik: "Wir müssen bereit sein, zu handeln"

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sieht die Zeit bald reif für eine Debatte über eine Wende der Geldpolitik in der Eurozone. Die Voraussetzungen da für stabile Inflationszunahme seien gegeben. Die billionenschweren Anleihenkäufe der EZB sollten ihrer Meinung nach behutsam reduziert werden.

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger

Die EZB kann nach Ansicht von Notenbank-Direktorin Sabine Lautenschläger bald mit der Diskussion über einen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik beginnen. "Es scheint aufwärts zu gehen im Euro-Raum", sagte Lautenschläger am Dienstag auf einer Veranstaltung in Hamburg. Alle Voraussetzungen für einen stabilen Anstieg der Inflation seien da. "Ich bin also optimistisch gestimmt, dass wir uns bald der Frage des Ausstiegs widmen können", sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Notenbank. "Wir müssen bereit sein, zu handeln, wenn es soweit ist." Zu welchem konkreten Zeitpunkt der Ausstieg beginnen soll, sagte sie nicht.

Lautenschläger sprach sich für ein allmähliches Herunterfahren der expansiven Schritte aus. Man solle damit nicht schlagartig aufhören. Die EZB hält ihre Leitzinsen derzeit auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Seit März 2015 kaufen die Währungshüter zudem in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder, um die Konjunktur anzuschieben und die Inflation nach oben zu treiben. Das in Deutschland umstrittene Programm wurde erst im Dezember um neun Monate bis Ende 2017 verlängert und soll dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.

Notfallmedizin

Die lockere Geldpolitik sei wie ein starkes Medikament für einen sehr kranken Patienten, sagte Lautenschläger, die wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann manchen expansiven Schritten der EZB kritisch gegenüber steht. Mit der Zeit nehme die beabsichtigte gute Wirkung dieser Maßnahmen ab, Nebenwirkungen und Risiken hingegen würden zunehmen. "Darum ist es wichtig, das Medikament so früh wie möglich abzusetzen, aber eben auch nicht zu früh, sonst riskieren wir einen Rückfall." Sie sei aber optimistisch, glaube an die Selbstheilungskräfte und setze gerne Arzneien eher früher als später ab. "Meines Erachtens geht es nicht darum zu warten, bis der letzte Zweifel an einer Rückkehr der Inflation ausgemerzt ist."

Die Teuerungsrate in der Euro-Zone war im Dezember auf 1,1 Prozent geklettert, nachdem sie im November noch lediglich bei 0,6 Prozent lag. Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg der Verbraucherpreise in den nächsten Monaten. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft der Euro-Zone an. In Deutschland waren nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten erneut Forderungen nach einem Ende der ultraockeren Maßnahmen aufgekommen. Die Inflation war im Dezember 2016 auf 1,7 Prozent gstiegen.

Lautenschläger äußerte sich auf der Veranstaltung zudem zuversichtlich, dass der Euro Bestand haben wird. Der Euro sei nicht in Gefahr, sagte sie. "Ich bin überzeugt, dass der Euro nicht scheitern wird."

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