EZB startet Firmenanleihen-Kauf: Wie Anleger reagieren sollten

Die europäische Notenbank startet heute Mittwoch den 8. Juni erstmals mit dem Kauf von Firmenanleihen. Trend.at hat Experten gefragt wie sich das auf das Anlagesegment auswirken wird und wie sich Investoren jetzt positionieren sollten.

EZB startet Firmenanleihen-Kauf: Wie Anleger reagieren sollten

Eines gleich vorweg: Seit die EZB am 10. März angekündigt hat, erstmals Firmenanleihen, auch Corporate Bonds genannt, in Europa kaufen will, sind die Kurse solcher Papiere bereits angezogen. Der Bloomberg Investment Grade European Corporate Bond Index etwa ist seit Anfang März um über zwei Prozent gestiegen. Die jährliche Rendite beträgt derzeit im Schnitt 3,42 Prozent. Beim Firmenanleihenkauf sollen sechs nationale Zentralbanken, im Auftrag des Eurosystems und von der EZB koordiniert, ab 8. Juni auf Euro lautende Anleihen von Nichtbanken in Höhe von bis zu 70 Prozent der Emission entweder am Kapitalmarkt oder direkt bei Begebung erwerben. Der Emittent muss im Euroraum angesiedelt sein, nicht jedoch der Konzern oder die Muttergesellschaft. Bankanleihen kommen für die Notenbank nicht in frage.

Viele Austro-Anleihen mit Top-Bonität bereits deutlich gestiegen

Trotz der Kursanstiege im Vorfeld erwarten die Experten der Bank Austria (Pioneer Investment Austria) und der Erste Bank, dass die Renditen verschiedener Anleihenkategorien weiter anziehen. Grundsätzlich plant die EZB nur Anleihen im Investmentgrade Bereich zu kaufen. Das sind Anleihen, die nach Einschätzung von Rating Agenturen eine gute oder hohe Bonität aufweisen. Über Firmenanleihen mit diesen Top-Bonitätsnoten verfügen in Österreich etwa Unternehmen wie die OMV oder Strabag, wenn diese auch schon stattliche Kurszuwächse aufweisen. Würde allerdings die EZB solche Titel kaufen, werden die Kurse weiter steigen.

Kurzfristig müssen Anleiheninvestoren jedoch bis zur Briten-EU-Abstimmung damit rechnen in unruhiges Fahrwasser zu geraten. Auch einzelne enttäuschende Konjunkturzahlen in den USA verheißen zumindest kurzfristig für die Märkte nichts Gutes. „Dennoch bieten Firmenanleihen für Anleger einen Sicherheitspolster, sollten die Briten sich für den EU-Ausstieg entscheiden, glaubt Pioneer-Firmenanleihen-Experten Berhard Pieb. „Wenn die Abstimmung zudem zu Ungunsten der EU ausgeht, wird der negative Effekt an den Märkten insgesamt stärker sein, als ein positiver Ausgang für die EU“, analysiert Pieb. Aktuell liegt die Brexit-Wahrscheinlichkeit bei 50:50.

Beim Kauf von Unternehmensanleihen sollte man auch auf die Laufzeit achten. „Corporate Bonds mit einer Laufzeit zwischen sechs Monaten und drei, vier Jahren sind im Vorfeld bereits stark gestiegen“, erläutert Pieb, Manager des Pioneer Funds Austria - Euro Corporate Bond Funds (ISIN: AT0000688072). Der Bondspezialist rät in Anleihen ab sieben Jahren zu investieren.

Gleichzeitig sinkt jedoch die Notwendigkeit von Firmen Anleihen zu emittieren, da Unternehmen nun auch direkt von der EZB einen Kredit erhalten können. „Firmen können sich für eine Laufzeit bis zu vier Jahre von der Notenbank extrem günstig Geld leihen. Daher wird für Investoren umso mehr bei längeren Laufzeiten die Musik spielen“, so PIA-Manager Pieb.

Europäische High Yield Anleihen attraktiv

Höhere Kurschancen sehen sowohl Pieb als auch Erste Bank Corporate Bond Analyst Peter Kaufmann bei Anleihen der Kategorie High Yield. Diese dürften ebenfalls vom Einstieg der EZB auf dem Corporate Bond Markt profitieren. „Anleger werden verstärkt in diese Hochzinsanleihen ausweichen", so Kaufmann. Die Folge: Auch dort werden die weiter steigen. Die Ausgangslage für Investments in diesem Bereich ist nach wie vor gut.
„Trotz des jüngsten Kursanstiegs ist der Grad der Verschuldung dieser Unternehmen nicht gestiegen und das Chancen-Risiko-Verhältnis ist nach wie vor in der Balance“, erläutert Erste-Bank-Analyst Kaufmann. High-Yield-Anleihen verfügen mit einem Rating von BB+ oder schlechter über eine deutlich geringere Bonität als die von der EZB nun gekauften Investment-Grade-Anleihen. Diese Hochzinsanleihen sind im Gegensatz zu AAA-Anleihen nicht geratet und weisen ein höheres Ausfallsrisiko auf. Das höhere Risiko wird jedoch mit höheren Zinsen belohnt.

Europäische Neuemissionen

Eine gute Möglichkeit bei Unternehmensanleihen solide Erträge zu generieren, hält Pieb auch Neuemissionen. Erst kürzlich ist er bei der französischen Emission von Air Liquide eingestiegen. Das Problem für Kleinanleger: Die Stückelungen sind teilweise hoch, dass sie nur für institutionelle Investoren in Frage kommen. Bei Air Liquide ist das Mindestinvestment 100.000 Euro. Aber es gibt auch Firmenanleihen, die bereits ab einer Stückelung von 1.000 Euro erhältlich sind.

US-Firmen, die Anleihen in Euro begeben

Interessante Einstiegschancen bieten sich laut PIA-Manager Pieb auch bei Anleihen, die ihren Hauptsitz zwar in den USA haben, aber auch Titel in Euro auflegen, wie etwa McDonalds. Nur ein Einstieg ist nach dem starken Kursanstieg seit Februar derzeit in diesen Wert nicht mehr lohnenswert, selbst bei einer jährlichen Verzinsung von 5,8 Prozent.

Eine Übersicht über die Kursentwicklung der österreichischen Unternehmensanleihen finden Sie auf der Erste Bank Homepage. Die meisten der Anleihen bester und guter Bonität notieren jedoch bereits weit über dem Ausgabekurs von 100. So notiert etwa die OMA Anleihe mit einem jährlichen Kupon von 4,25 Prozent bereits bei einem Kurs von 118 Euro. Selbst wenn der Kurs noch weiter steigen sollte, wäre das nur noch eine Wette auf die Kursentwicklung. Der jährliche Kupon/Verzinsung, der große Vorteil einer Anleihe, wird bei diesen hohen Einstiegskursen, vielfach aufgezehrt.

Bei Anleihen Top-Bonität längere Laufzeiten wählen

Doch in Eurolands gibt es nach wie vor auch in diesem Segment gute Kaufgelegenheiten. Die EZB kauft Anleihen mit einer Laufzeit bis zu drei bis vier Jahren. Diese sind im Vorfeld deshalb bereits auch deutlich gestiegen. „Wer bereit ist Anleihen mit längeren Laufzeiten zu wählen, hat höhere Chancen auf Rendite“, erläutert Bernhard Pieb, Manager des PIA Corporate Bond Funds. Der Fonds versucht von in Punkto Unternehmensanleihen von der EZB-Anleihenstrategie zu profitieren.
Gleichzeitig sinkt die Notwendigkeit von Firmen Anleihen zu emittieren, da Unternehmen nun auch direkt von der EZB einen Kredit erhalten können. „Firmen können sich für eine Laufzeit bis zu vier Jahre von der Notenbank extrem günstig Geld leihen. Daher wird sich umso mehr bei längeren Laufzeiten die Musik abspielen“, so PIA-Manager Pieb.
Europäische High Yield Anleihen attraktiv

High Yield zählt zu den Favoriten

Höhere Kurschancen sehen sowohl Pieb als auch Erste Bank Corporate Bond Analyst Peter Kaufmann bei Anleihen der Kategorie High Yield. „Trotz des jüngsten Kursanstiegs ist der Grad der Verschuldung dieser Unternehmen nicht gestiegen und das Chancen-Risiko-Verhältnis ist nach wie vor in der Balance“, erläutert Erste Banker Kaufmann. Diese Papiere verfügen mit einem Rating von BB+ oder schlechter über eine deutlich geringere Bonität als die von der EZB künftig gekauften Investment Grade Anleihen. Diese sind im Gegensatz zu AAA-Anleihen nicht geratet und weisen ein höheres Ausfallsrisiko auf. Dieses Risiko wird jedoch mit höheren Zinsen belohnt. Da die Ertragschancen aufgrund des Einstiegs der EZB, einem großen Player und Investor am Markt, das Renditepotential für Anleger mittelfristig schmälern, erwartet Kaufmann, dass die Papiere sowohl aufgrund der höheren Rendite.

US-Firmen, die Anleihen in Euro begeben

Interessante Einstiegschancen bieten sich laut PIA-Manager Pieb auch bei Anleihen, die ihren Hauptsitz zwar in den USA haben, aber auch Titel in Euro auflegen, wie etwa McDonalds. Nur ein Einstieg ist nach dem starken Kursanstieg seit Februar derzeit nicht lohnenswert, selbst bei einer jährlichen Verzinsung von 5,8 Prozent.

Hybrid-Anleihen: Risikoreich, aber mit hohen Renditechancen

Die Banken warnen stets davor in einzelne risikoreichere Anleihen einzusteigen. Aber wer in diesem Umfeld keine Aktien kaufen möchte, aber einen Schuss Risiko schon verträgt und keine Fondsgebühren und jährliche Managementspesen zahlen möchte, ist mit dem einen oder andere Einzeltitel-Engagement – wenn man nicht zu viel Geld auf eine Position setzt – sicher nicht schlecht beraten. Am meisten bringen neben High Yield Anleihen sogenannte nachrangige Anleihen. Im Konkursfall wird man damit nachrangig behandelt. Aber wer große Player kauft, geht ein überschaubares Risiko ein. Einer der Investments von Pieb: Die Hybridanleihe der OMV. Der Wiener Ölkonzern zahlt jährlich Zinsen von 6,25 Prozent. Der Kurs dieser nachrangigen Anleihe liegt aktuell bereits zwar bei 105,7 Prozent, die erste Zinszahlung ist damit zwar fast aufgezehrt, aber bei einer Laufzeit bis 2025 könnte sich die Zitterprämie, vorausgesetzt die OMV geht nicht Pleite, schon auszahlen. Zusätzliches Risiko bei einer Hybrid-Anleihe: Die jährliche Prämie wird nicht in diesem Jahr gezahlt, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Diese Anleihenfonds sind empfehlenswert

Der von Morningstar mit fünf Sternen bewertete Pioneer Euro Corporate Bond Fonds erzielte in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt über eine Performance von 5,9 Prozent. Der Fonds investiert aktuell 70 Prozent in Firmenanleihen, die mit einem BBB geratet sind, 17 Prozent weisen ein A-Rating auf. Die jährliche Managementgebühr beträgt 0,72 Prozent.
Gut entwickelt hat sich in den vergangenen fünf Jahren auch der Euro Bond Corporate BB Fonds (ISIN: AT0000A09HD5) der Erste Bank. Der Fonds, der vor allem Firmenanleihen, die keine Top-Bonität bieten, dafür aber höhere Renditen, machte per anno seither 5,3 Prozent. Über 90 Prozent des Fonds sind derzeit in BB-Anleihen veranlagt. 22 Prozent davon in britische Anleihen, 15 in Italo-Bonds und 15 in hochrentierlichen deutschen Firmenanleihen.

Die Fondstochter der Erste Bank, die ESPA, empfiehlt Anlegern auch denEspa Bond Europe-High Yield (ISIN: AT0000805676) dessen Anleihen eine Währungssicherung in Euro aufweisen. Der Fonds, mit Schwerpunkt BB-geratete Anleihen (63 Prozent) und B-Rating (30 Prozent) erzielte in den vergangenen fünf Jahren per anno ein Plus von 5,5 Prozent.

Nützliche Informationen für Anleger finden sich auf dem deutschen Onlineportal Bond Board.

Auch international bieten risikoreichere Anleihen noch gute Einstiegschancen. Ein in Dollar notierende Fonds, der sich unter anderem gut geschlagen hat, ist der Templeton Global Bond Funds. Der Fonds, der aktuell Staatsanleihen aus Mexiko, Malaysien und Brasilien im Fonds hat, erzielte in den vergangenen fünf Jahren einen Wertzuwachs von im Schnitt 5,5 Prozent und liegt damit deutlich über den meisten anderen Fonds dieser Kategorie.

Ein weiterer Tipp: Der Erste Bond Emerging Markets Corporate Fonds. 45 Prozent sind derzeit in Firmenanleihen in Lateinamerika investiert, rund 34 Prozent in osteuropäischen Corporate Bonds und 16 Prozent in Asien. Die Anleihenkateogrien: Firmenanleihen unterhalb Investment Grade (40 Prozent), Investment Grade (35 Prozent), Bankanleihen (13 Prozent). Das Fremdwährungsrisiko wird abgesichert.

Gefährliches Szenario Rezession: Technisch gesehen liegt eine Rezession bereits vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst.

Rezession: Wenn das Wirtschaftswachstum ausbleibt

Der Abschwung einer Volkswirtschaft kann die Wirtschaft schwer …

Willibald Cernko, neuer CEO und Vorstandschef der Erste Group

Willibald Cernko, der neue CEO der Erste Group

Nach dem überraschenden Rückzug von Bernhard Spalt hat sich der …

Neues EZB-Werkzeug gegen Anleiheausverkauf bald einsatzfähig

Neues EZB-Werkzeug gegen Anleiheausverkauf bald einsatzfähig

Werkzeug soll Auseinanderdriften der Spreads bei Anleihenrenditen bekämpfen

EZB-Chefin Christine Lagarde

EZB reagiert auf Verkaufswelle bei Anleihen

Die EZB stemmt sich gegen die Unruhe an den Finanzmärkten und arbeitet an …