Euro-Aufwertung lässt EZB-Ratsmitglieder grübeln

Euro-Aufwertung lässt EZB-Ratsmitglieder grübeln

Der Euro wird gegenüber den wichtigsten Weltwährungen immer stärker. In Europa zeiht die Wirtschaft weiter an, aber die Inflationsrate passt noch nicht zum Aufschwung. In der EZB grübelt man nun, wie es mit dem billionenschweren Anleihenkaufprogramm weitergehen soll.

Der Kursanstieg des Euro gegenüber dem Dollar treibt den EZB-Währungshütern zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn. Die Aufwertung des Euro könnte dazu führen, dass die EZB ihre Anleihenkäufe womöglich langsamer herunterfährt als geplant. Auf der nächsten EZB-Zinssitzung am 7. September wird wohl noch keine Entscheidung über die weiteren Anleihenkäufe fallen. "Der Wechselkurs ist ein größeres Thema geworden," erklärte ein EZB-Ratsmitglied.

Seit Jahresbeginn hat der Euro zum Dollar um mehr als 15 Prozent aufgewertet - von weniger als 1,04 Dollar in der ersten Januar-Woche auf aktuell über 1,20 Dollar, das ist der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren. Wobei der Kurs allerdings noch recht volatil ist. Nach Berichten, dass die EZB einen starken Euro kritisch sieht, hat er zeitweise einen halben Cent auf 1,1846 Dollar nachgegeben.

Besonders in den wirtschaftlich schwächeren Euro-Ländern wird befürchtet, dass ein zu starker Euro das Wirtschaftswachstum und die Inflationsentwicklung bremsen könnte: Ein hoher Eurokurs verteuert Waren von Unternehmen der Eurozone am Weltmarkt.

Was den Euro stärkt

  • Nach der letzten EZB-Ratssitzung hat EZB-Chef Draghi angekündigt, im Herbst über die Anleihenkäufe beraten zu wollen, was als Signal verstanden wurde, dass das Programm auslaufen könnte.
  • Emmanuel Macrons Sieg bei den Präsidentenwahlen in Frankreich hat Sorgen um das Gespenst Marine Le Pens und einen damit verbundenen Euro-Austritt Frankreichs vertrieben.
  • Das von Donald Trump vollmundig angekündigte Konjunkturprogramm für die USA ("Make America great again") ist immer noch nicht richtig angelaufen, Trump und die US-Wirtschaft stehen weiter unter Druck.
  • Wirtschaftsaufschwung und sinkende Arbeitslosigkeit in Europa.

Der europaweite Wirtschaftsaufschwung trägt zusätzlich zur Stärkung des Euro bei. in Eine starke Wirtschaft und eine schwache Währung passen nicht zusammen. Auch die Inflation hat sich zuletzt wieder etwas mehr in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter zwei Prozent bewegt. Im August zogen die Preise um 1,5 Prozent an. Hauptpreistreiber waren die Energiepreise, die mit vier Prozent weit stärker als im Juli mit 2,2 Prozent stiegen.

Über Falken und Tauben

Die EZB und die nationalen Notenbanken im Euroraum kaufen seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Mit den vor allem in Deutschland umstrittenen Käufen von derzeit monatlich 60 Milliarden Euro soll die Kreditvergabe angekurbelt und die Konjunktur gestützt werden. Letztlich will die EZB dadurch auch die Inflation nach oben treiben.

Die für eine straffere Ausrichtung eintretenden EZB-Ratsmitgleider - in der Notenbank-Welt "Falken" genannt - favorisieren Berichten zufolge einen Ausstieg aus den Anleihenkäufen binnen sechs bis neun Monaten. Der geldpolitische Ausblick der Notenbank, die sogenannte "Forward Guidance", könne als Instrument eingesetzt werden, um den Ausstiegspfad zu umreißen.

Eher für einen lockere Kurs eintretende Euro-Wächter - die sogenannten "Tauben" - bevorzugten hingegen eine Weiterführung der Käufe mit verringertem monatlichen Kaufvolumen. 2018 könne über einen Ausstieg beraten werden, wenn es nach wichtigen Lohnrunden in Deutschland mehr Klarheit über die Inflationsentwicklung gebe.

Notenbank-Präsident Mario Draghi sieht die EZB dagegen noch nicht am Ziel. Die auf 2,28 Billionen Euro angelegten Transaktionen laufen zum Jahresende aus. Draghi hatte angekündigt, der EZB-Rat werde im Herbst über die weitere Zukunft des Programms entscheiden.


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