EZB halbiert Anleihenkäufe - höhere Zinsen erst 2019

EZB halbiert Anleihenkäufe - höhere Zinsen erst 2019

In der Frankfurter EZB-Zentrale werden die Weichen für das Ende der billionenschweren Anleihenkäufe gestellt.

Die EZB kehrt langsam aber sicher vom Krisen- in den Normalmodus zurück. Das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe wird halbiert, erste Zinsschritte wird es frühestens in einem Jahr geben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert auf ein Ende ihrer Anti-Krisen-Politik zu. Wie schon im Juni in Aussicht gestellt, wird das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro reduziert. Mit Jahresende soll das Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmenspapieren dann gänzlich eingestellt werden.

Ein kleines Hintertürchen lassen sich die Währungshüter weiterhin offen: Die erklärte Voraussetzung dafür dass die Anleihenkäufe auch tatsächlich beendet werden ist, dass sich die Inflation weiterhin wie zuletzt entwicklet. "Der EZB-Rat ist in jedem Fall bereit, alle seine Instrumente angemessen anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation weiterhin nachhaltig in Richtung des Inflationsziels des EZB-Rats bewegt", bekräftigte EZB-Präsident Mario Draghi.

IN den Augen mancher agiert die die Europäische Zentralbank zu langsam. "Die EZB verlässt den geldpolitischen Krisenmodus nur im Schleichtempo. Ein vorbehaltloses Enddatum für das Aufkaufprogramm wäre überfällig gewesen", monierte etwa Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbandes BdB. Auch in Europa sei die Zeit reif, "die Phase der Negativzinsen endlich zu beenden". Stattdessen zementieren die Entscheidungen des EZB-Rates vom Donnerstag in Frankfurt ein Andauern der Phase extrem niedriger Zinsen: Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent, zudem müssen Geschäftsbanken weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Noch ein Jahr Nullzinsen

Eine Wende hin zu höheren Zinsen wollen die Währungshüter frühestens im Herbst 2019 einläuten. Der EZB-Rat bekräftigte seine Einschätzung, dass die Zinsen bis "mindestens über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.

Volkswirte rechnen damit, dass die EZB dann zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Sparer dürften auf eine erste Zinserhöhung noch länger warten müssen. Andererseits profitieren Kreditnehmer somit weiterhin von guten Konditionen: Kredite bleiben damit - wenn man sie bekommt - vorerst weiter billig

Ungewiss bleibt, ob EZB-Präsident Mario Draghi zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit im Herbst 2019 noch die erste Zinserhöhung in Kraft setzen wird oder das seinem Nachfolger überlässt. Nach Ansicht von ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann hat sich die EZB bis zum Ende von Draghis Amtszeit zu "weitgehender geldpolitischer Passivität" verdammt. Draghis Nachfolger würde nach Heinemanns Einschätzung im Fall eines konjunkturellen Abschwungs "bei der konventionellen Geldpolitik über keinerlei Handlungsspielraum verfügen".

Billionen für die Inflation

Seit Beginn der Anleihenkäufe im März 2015 bis Ende August 2018 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,5 Billionen Euro gekauft. Ziel ist, auf diesem Weg der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Inflation anzuheizen.

Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum um 2,0 Prozent über Vorjahresniveau. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Die Sorge ist, dass bei einer dauerhaft geringeren Inflation oder gar sinkenden Preisen Unternehmen und Konsumenten, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen.

Nach EZB-Einschätzung werden die Verbraucherpreise im Euroraum in diesem Jahr sowie 2019 und 2020 um je 1,7 Prozent steigen. Allerdings dämpfen Handelskonflikte und Turbulenzen in einigen Schwellenländer den Konjunkturoptimismus der Notenbank. Die Wachstumsprognose für den Euroraum für 2018 korrigierte die EZB nochmals leicht nach unten auf nun 2,0 Prozent. Für 2019 sagt die Notenbank den 19 Ländern im Währungsraum ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent vorher.

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