Exchange Traded Funds: Chancenkiller für Investoren?

Börsen-Indizes wie der Dow Jones, der Dax, der Nikkei oder der ATX bilden als Barometer die Stimmung an den Finanzmärkten ab. Mit Exchange Traded Funds (ETFs) gibt es die Möglichkeit, direkt in Indizes zu investieren. Akhil Dhawan, Asset Manager der Schoellerbank, sieht darin jedoch auch Nachteile.

Exchange Traded Funds: Chancenkiller für Investoren?

In Aktien zu investieren ist auf lange Sicht immer noch die erfolgversprechendste Möglichkeit, Geld zu vermehren. Aktienindizes wie der österreichische ATX, der deutsche DAX, der amerikanische Dow Jones oder der japanische Nikkei sind dabei für Investoren wichtige Indikatoren zur Einschätzung der Marktlage. Sie geben ein Bild über die Stimmung an den jeweiligen Börsenplätzen und der aktuellen Wirtschaftslage.

Mit Exchange Traded Funds (ETFs), die seit dem vergangenen Jahr auch von der Wiener Börse angeboten werden, sind Wertpapier-Investments noch einfacher geworden. ETFs bilden exakt Börsen-Indizes, was für Investoren mehrere Vorteile hat: Erstens wird durch derartige Index-Investments ähnlich wie bei einem herkömmlichen Fonds das Verlustrisiko reduziert, weil das Investment auf alle Aktien im Index gesplittet wird und zweitens sind ETFs vergleichsweise günstig, weil bei ihnen erheblich geringere Kosten anfallen als bei normalen Fonds, weil kein aktives Fondsmanagement betrieben werden muss. Und ETFs können auch einfach gehandelt werden.

Problem Preisgewichtung beim Dow Jones

Alles bestens also? "Index ist nicht gleich Index und Investoren sollten wissen, dass es mehrere Methoden bei der Berechnung gibt", warnt Akhil Dhawan, Asset Manager der Schoellerbank.

Der älteste und wohl bekannteste Aktienindex der Welt ist der 1896 von den Gründern des „Wall Street Journal“, Charles Dow und Edward Jones, aus der Taufe gehobene, Dow Jones Industrial Average Index. Die simple Absicht dahinter war, ein Maß für die Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes zu haben. Zum Start waren darin zwölf Industrieunternehmen vertreten. Deren Kurse wurden addiert und die Summe durch die Anzahl der Indexmitglieder geteilt, was den Durchschnittswert ergab.

Dow Jones Industrial Average; Entwicklung Dez. 1979 - Dez. 2017

Dow Jones Industrial Average; Entwicklung Dez. 1979 - Dez. 2017

Auch wenn der Index mittlerweile 30 Werte umfasst wurde das Konzept bis heute beibehalten. Was Experten seit langem kritisieren, zumal die Indexzusammensetzung keinem bestimmten Regelwerk unterliegt und als eigenwillig gilt. Jüngstes Beispiel: der Rauswurf der Aktie des US-Industriegiganten General Electric (GE) aus dem Dow Jones. GE war das letzte verbliebene Gründungsmitglied in dem Index und 110 Jahre durchgehend im Dow Jones vertreten. Nun wurde GE durch die Aktien der Drogeriekette Walgreens Boots Alliance ersetzt.

Auf den ersten Blick war der Wechsel für Marktteilnehmer keine große Überraschung. Der Kurs der GE-Aktie ist über die letzten zwölf Monate um rund 50 Prozent gefallen. Vom Höchststand zur Jahrtausendwende von 60 US-Dollar auf aktuell unter 13 US-Dollar. Schoellerbank Asset Manager Dhawan, zum Problem der Preisgewichtung: "Aktien mit hohem Kurs fließen stärker in den Index ein als Aktien mit niedrigem Kurs. Die größte Position im Dow Jones ist derzeit der Flugzeughersteller Boeing mit knapp zehn Prozent. Gemessen am Börsenwert liegt das Unternehmen nur auf Platz 15, weist aber mit einem Aktienkurs von zuletzt um 360 US-Dollar den höchsten Wert aus. Die Marktkapitalisierung spielt eine untergeordnete Rolle bei der Gewichtung im Index – und darin liegt die Krux."

Kapitalgewichtete Indizes

"Diese Eigenheit ist auch der Grund, warum aktuell populäre Technologietitel wie Amazon, Google oder Facebook nicht im Dow Jones vertreten sind. Die Apple-Aktie ist hingegen seit drei Jahren im Index – allerdings nur, weil es kurz davor zu einem Aktiensplit gekommen ist, welcher den Titel optisch billiger machte. Sonst wäre diese Aktie, wie auch die vorhin genannten, aufgrund ihres hohen Kurses aktuell noch immer kein Thema für eine Aufnahme", beschreibt Dhawan.

Das Gegenteil dazu stellen kapitalisierungsgewichtete Indizes dar, bei denen die Marktkapitalisierung von Aktien (ausstehende Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs) als Gewichtungsfaktor herangezogen wird. Standard & Poor’s hat mit dem S&P 500 im Jahr 1935 den ersten kapitalgewichteten Aktienindex angeboten; mittlerweile ist diese Methode weltweit ein Standard zur Berechnung fast aller bekannten Aktienindizes.

Eine Besonderheit unter diesen Indizes ist der deutsche Leitindex DAX, der als Performance-Index zusätzlich noch Bardividenden sowie sonstige Erträge, die ein Aktienbesitz nach sich zieht berücksichtigt.

ETF und Index-Schwemme

Mittlerweile gibt es jedoch längst nicht mehr nur die großen, etablierten Indizes. Indizes können heute nach Belieben in Echtzeit berechnet und als ETF angeboten werden, worin Dhawan ein Risiko sieht, denn dementsprechend speziell und maßgeschneidert wird ein Index auf Kundenbedürfnisse hin erstellt: "Für Indexanbieter ist das ein lukratives Geschäft."

Dhawan sieht das Beispiel von General Electric als Nachteil für die ETF-Investoren: "Die Eliminierung hatte zur Folge, dass die Aktie komplett verkauft wurde. Die Befürchtung war groß, dass dieser Automatismus trendverstärkend wirkt und die ausgelösten Verkäufe eine Übertreibung nach unten auslösen. Das zeigt eine zentrale Problematik auf. Entscheidungen von Indexanbietern können ganze Märkte beeinflussen. Die Frage eines Investments in eine Aktie nach derartigen Kriterien zu richten, ist nicht nur kurzsichtig, sondern auch zu kurzfristig gedacht."

Eine langfristige und wertorientierte Investmentstrategie könne sich nicht dem kurzfristigen Renditerennen unterordnen, betont der Asset Manager. Als Vermögensverwalter reiche es nicht, die Portfolios nur langfristig chancenorientiert sowie gleichzeitig robust gegenüber Marktverwerfungen und Krisen zu gestalten, sondern auch der Faktor Mensch müsse immer berücksichtigt werden. Dhawan: "Oft sind die Anleger selbst die größte Gefahr für den Anlageerfolg. Vergangene Krisen haben bewiesen, dass der Großteil der Marktteilnehmer unterschätzt, wie stark die Emotionen in fallenden Märkten wirken. Vor allem, wenn das eigene Vermögen unter Beschuss ist. Daran werden auch passive Indexinvestitionen nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Der Trend zu ETFs & Co. kann hier sogar noch verstärkend wirken."

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