Europas Börsen nach Macron-Sieg leicht im Minus

Den Börsen in Asien hat der Wahlsieg von Emmanuel Macron einen Kick gegeben. Anders die Situation in Europa: Die Leitbörsen notieren leicht im Minus. Der Macron-Sieg war Börsianern zufolge bereits eingepreist. In den Fokus der Börsianer rücken nun die bevorstehenden Parlamentswahlen.

Europas Börsen nach Macron-Sieg leicht im Minus

Paris. Uneinheitlich reagierten die Börsen auf den Wahl-Sieg von Emmanuel Macron. In Fernost hat der Wahlsieg den Indices einen Kick mitgegeben. Vor allem in Japan. Die Börse in Tokio ist am Montag mit satten Kursgewinnen in die Handelswoche gestartet. Der Nikkei-225 beendete den Handelstag um 450,00 Punkte oder 2,31 Prozent fester bei 19.895,70 Zählern. Der japanische Leitindex schloss damit so hoch wie zuletzt im Dezember 2015 Der breiter gefasste Topix stieg um 35,56 Punkte oder 2,29 Prozent auf 1.585,86 Einheiten.

Der Euro kletterte im asiatischen Handel auf einen Wechselkurs von 1,1023 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit November. Auch gegenüber dem japanischen Yen legte der Euro zunächst zu, fiel dann aber wieder unter die Marke von 1,10 Dollar beziehungsweise 124 Yen.

Der MSCI Asia Pacific Index ist sogar um 1,3 Prozent auf den Höchststand seit Juni 2015 gestiegen. Der Kospi Index in Südkorea hat einen kräftigen Sprung um 2,3 Prozent verzeichnet, was zum höchsten Stand seit September 2015 geführt hat. In China hat hingegen der Leitindex verloren. Der Shanghai Composite Index noteierte um 0,8 Prozent tiefer und somit auf dem niedrigsten Stand seit Oktober.

Die australische Leitbörse in Sydney ist nach der französischen Präsidentenwahl mit deutlichen Gewinnen in die Handelswoche gestartet. Der S&P-ASX200-Index für 200 führende Werte notierte am Montag zu Beginn des Handels mit 45,3 Punkten oder 0,78 Prozent im Plus bei 5.881,9 Punkten.

Nachdem die Börse in Tokio in der Vorwoche feiertagsbedingt drei Handelstage geschlossen geblieben war, meldete sie sich mit klaren Kursaufschlägen zurück. Unterstützung für den Handel kam vom Wahlsieg des an den Finanzmärkten bevorzugten Kandidaten Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich. "Der Sieg von Macron in der französischen Präsidentenwahl wird von den Märkten willkommen geheißen, obwohl er seit der ersten Wahlrunde schon weithin erwartet worden war", sagte Matthew Siddle von Fidelity Investment der "South China Morning Post". Wie Macron sein Programm umsetzen könne, werde davon abhängen, ob er bei der Parlamentswahl im Juni eine Mehrheit erreichen könne. Deswegen sei es zu früh zu sagen, was die Auswirkungen sein werden. Der Optimismus sei aber groß.

In den Hintergrund rückten in Tokio hingegen schwächer als erwartet ausgefallene Außenhandelsdaten aus China. Dieser hat im April zwar deutlich zugelegt, allerdings blieben die Wachstumsraten bei den Aus- und Einfuhren deutlich hinter denjenigen vom März und auch hinter den Analystenprognosen zurück. Die Exporte sind im April um acht Prozent auf 180 Mrd. Dollar gestiegen. Bei den Importen habe das Plus 11,9 Prozent auf 142 Mrd. Dollar betragen.

Der eingepreiste Sieg

An Europas Leitbörsen ist die Situation hingegen anders. Mehrheitlich haben die Börsen im Minus gestartert. Anders als bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl vor zwei Wochen sorgte der Sieg des EU-freundlichen Macron bei der Stichwahl vom Vortag für keinen Auftrieb an den europäischen Aktienmärkten. Das Wahlergebnis sei letztlich schon eingepreist gewesen, sagte ein Börsianer.

Der Euro-Stoxx-50 verlor 0,44 Prozent auf 3.642,52 Einheiten. In Paris fiel der französische Leitindex CAC-40 um 0,65 Prozent auf 5.396,98 Punkte. Der DAX in Frankfurt notierte um 0,20 Prozent tiefer bei 12.691,41 Punkten. Der britische FTSE-100 gab um 0,12 Prozent auf 7.288,46 Punkte nach.

Einen leichten Kick bekam der DAX in Frankfurt zum Handelsauftakt. Doch war die neue Rekordhöhe nur von kurzer Dauer. Nach einem Sprung auf 12.762 Punkte gab der deutsche Leitindex seine Gewinne jedoch rasch ab und verlor zuletzt 0,20 Prozent auf 12.691,62 Zähler. Da das Wahlergebnis letztlich bereits eingepreist worden sei, habe es keine nennenswerten Marktreaktionen mehr gegeben, sagte ein Börsianer.

Seitdem der europa- und wirtschaftsfreundliche Macron vor zwei Wochen in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl vor der rechtspopulistischen Konkurrentin Marine Le Pen gelegen hatte, war der DAX bereits von Rekord zu Rekord geklettert. Insgesamt hatte er knapp 6 Prozent hinzugewonnen. Auch andere wichtige Indizes in Europa waren kräftig gestiegen.

Der MDAX, der Index der mittelgroßen deutschen Konzerne, erreichte bei zeitweise deutlich über 25.200 Punkten ebenfalls eine neue Bestmarke und sank dann um 0,20 Prozent auf 25.112,65 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDAX verlor 0,42 Prozent auf 2.120,49 Punkte.

Auch die in der Früh veröffentlichten Zahlen aus der deutschen Industrie haben die Kurse somit nicht stützen können. Das verarbeitende Gewerbe in der größten Volkswirtschaft Europas hat im März um 1,0 Prozent mehr Aufträge erhalten als im Februar. Analysten hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, allerdings nur um 0,7 Prozent. Im weiteren Tagesverlauf wird noch das sentix-Investorenvertrauen für Mai veröffentlicht.

In Warteposition

Der Wiener Aktienmarkt hat den Handel am Montag mit behaupteter Tendenz begonnen. Der heimische Leitindex ATX lag kurz nach Handelsbeginn marginal um 0,24 Punkte oder 0,01 Prozent unter dem Freitag-Schluss.

Der Sieg von Macron sei "ein Votum pro Europa und die nationalen Bewegungen sind offensichtlich im Abdämmen begriffen", lautet das Fazit des Chefanalysten der Erste Group, Friedrich Mostböck.

"Die Märkte werden jetzt aber nicht unmittelbar in vollkommene Jubelstimmung verfallen", sagte Mostböck am Montag zur APA, denn angesichts der bevorstehenden Parlamentswahl im Juni gebe es noch eine gewisse Verunsicherung. Heute seien die asiatischen Aktienmärkte zwar schon relativ freundlich, das werde sich eine Zeit lang fortsetzen.

"Aber die Parlamentswahlen stehen dann auch an. Da wird man sehen, wen Macron, der ja den Vorsitz in seiner Partei zurücklegen wird, dort einsetzen wird und vor allem, wen er als Premierminister einsetzen wird. Es kann sein, dass er bei der Parlamentswahl bei weitem nicht so viel gewinnt wie er jetzt in der Präsidentenwahl gewonnen hat. Dann wird es für ihn wahrscheinlich zunehmend schwieriger, als Präsident seine Maßnahmen durchzusetzen."

Die Märkte hätten genau so reagiert, wie man nach dem ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen erwartet habe, sagte Mostböck. Für Deutschland habe es Renditeanstiege gegeben, während für Frankreich und die Peripheriestaaten die Renditen wieder zurückgehen würden.

Eigentlich hätten schon die unerwartet guten Konjunkturdaten für die Eurozone die Renditen nach oben bringen müssen, erklärte Mostböck. "Nur war es so in Deutschland, dass es auf Grund der Verunsicherung, die in erster Linie politischer Natur ist durch starke nationale Bewegungen, sogenannte "Safe Haven Flows" gegeben hat, die die Renditen zurückgebracht haben für Deutschland." Investoren seien aus Sicherheitsgründen verstärkt in deutsche Bundesanleihen gegangen, was die Renditen gedrückt habe.

Der gute Tag

DIW-Chef Marcel Fratzscher hat das Wahlergebnis als einen guten Tag für Frankreich, Deutschland und Europa begrüßt. "Frankreich hat nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

"Vorausgesetzt, Macron kann in der bevorstehenden Abgeordnetenwahl eine solide Mehrheit hinter sich versammeln, hat die Bundesregierung nun endlich wieder einen starken Partner."

Zugleich forderte Fratzscher: "Die Bundesregierung muss sich offener gegenüber gerechtfertigter Kritik aus Europa und Frankreich zeigen." Macron hat unter anderem den Handelsüberschuss Deutschlands und die restriktive Finanzpolitik kritisiert.

Der Sieg von Macron hat aus Sicht von Ifo-Chef Clemens Fuest die Gefahr einer tiefen politischen und ökonomischen Krise für Frankreich und die EU abgewendet. Wenn es Macron gelinge das Land zu reformieren, werde ganz Europa davon profitieren, sagte der Ökonom. "Für Deutschland wird Macron ein herausfordernder, aber konstruktiver Partner sein."

Der 39-jährigen Ex-Wirtschaftsministers hatte vorgeschlagen, die Eurozone solle einen eigenen Haushalt, ein Parlament und einen Finanzminister bekommen. "Es ist wichtig, dass Deutschland eigene Konzepte zur Weiterentwicklung der Eurozone entwickelt, um für die anstehenden Gespräche vorbereitet zu sein", forderte Fuest.

Commerzbank-Chef Jörg Krämer hat nach dem Sieg von Emmanuel Macron vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt. Zwar sei eine existenzgefährdende Krise für die Währungsunion abgewendet. "Aber nach der Wahl ist vor der Wahl", sagte Krämer.

Bei den Parlamentswahlen im Juni dürfte Macron schwerlich eine absolute Mehrheit erringen, "was zusammen mit seinem zögerlichen Programm gegen eine beherzte Reformpolitik in Frankreich spricht." Zudem stünden spätestens im Mai 2018 Parlamentswahlen in Italien an, wo das Lager der Links- und Rechtspopulisten ähnlich stark sei wie in Frankreich. "Der Euroraum kommt nicht zur Ruhe, die EZB dürfte nicht bereits in diesem oder im nächsten Jahr ihre Leitzinsen erhöhen."

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