Europäische Aktien: 7 von 9 Branchen bereits zu teuer

Europäische Aktien: 7 von 9 Branchen bereits zu teuer

Aktien von europäischen Rohstoffunternehmen sind derzeit an der Börsen von allen Branchen am teuersten.

Für Anleger ist es äußerst schwierig noch unterbewertete Branchen zu finden. Die Analysegesellschaft Morningstar hat nun die Bewertungen von europäischen Aktien insgesamt, deren Branchen und Investmentstile vorgenommen. Fazit: Es gibt tatsächlich noch Branchen, die nicht überbewertet sind - wenn auch nicht viele.

Speziell wer die vergangenen drei bis fünf Jahre an den Börsen verpasst hat oder nun neu investieren möchte, hat es nicht leicht. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 hat sich zwar im vergangenen Monaten nicht furios entwickelt und nur ein Plus von 1,5 Prozent eingefahren und die Bilanz der vergangenen drei Monate ist sogar bereits leicht rot gefärbt. Davor haben die Börsen aber kräftig hochgedreht. In den vergangenen zwölf Monaten schoss der europäische Aktienindex Index um mehr als 18 Prozent in die Höhe. Ein ähnliches Bild liefert das deutsche Aktienbarometer Dax. In den vergangenen drei Jahren machte dieser fast 30 Prozent, in den fünf Jahren fast 70 Prozent. Wenn es im Euro Stoxx 50 in den letzten drei Jahren auch nur fast neun Prozent waren und in fünf Jahren rund 36 Prozent. Billige Aktien sind in ganz Europa nicht mehr leicht zu finden, so der Befund von der Befund von Morningstar.

Groß schlägt klein

Doch welche Branchen sind nach dem jahrelangen Aktienboom und dem jüngsten Börsenrallye bei europäische Aktien noch günstig, welche gelten bereits als teuer? Die Reserach-Experten von Morningstar haben dazu die Entwicklung ihres eigenen Morningstar Developed Europe Index untersucht und zunächst die Bewertung nach der Marktkapitalisierung unterschieden. Demnach entwickelten sich Aktien von großen Konzernen deutlich besser als mittelgroße und kleine.

Growth schlägt Value im 3-Jahrescheck um Längen

Mit Blick auf den Stil lagen Wachstumswerte im August vor Substanzwerten. Damit setzte sich der große Trend des laufenden Jahres fort. Im Schnitt lagen Growth-Titel per Ende August zehn Prozentpunkte vor Value-Aktien. Das spiegelt sich auch in den Bewertungen wieder. Auch im 3-Jahresvergleich lässt sich dieser Trend gut erkennen. Großkapitalisierte Value-Aktien legten seither insgesamt um gut 16 Prozent zu. Small-Caps der Kategorie Growth konnten ihre Kursgewinne um rund 82 Prozent ausweiten. Large-Cap-Growth brachte immerhin eine Rendite von 58,5 Prozent.

Aktien wachstumsstarker Firmen haben in den vergangenen drei Jahren am meisten Anlegergeld angezogen.

7 von 9 Branchen überbewertet

Laut den Berechnungen der renommierten Aktien- und Fondsspezialisten Morningstar sind in Europa bereits sieben von zehn Aktiensegmenten überbewertet. Deren Resümee: Große und mittelgroße Wachstumswerte sind im Schnitt sechs bis neun Prozent überbewertet. Mid-Cap Value-Titel sind drei Prozent überbewertet. Einzig Mid Cap Blend- und Large-Cap Value Aktien notieren leicht unter ihrem fairen Wert.

Europäische Growth-Aktien bereits zu teuer

Zur Bewertung zieht Morningstar folgende Kennziffern heran: Das Verhältnis von Kurs zu fairem Wert (P/FV) . Liegt der Wert unter 1,0 signalisiert das eine Unterbewertung, ein Wert größer als Null gibt an, dass eine Aktie überbewertet ist, ein Wert von 1,0 besagt, dass ein Unternehmen fair bewertet ist. Demnach sind derzeit in Europa sämtliche Growth-Aktien bereits überbewertet. Also sowohl Growth-Aktien von großen, mittleren als auch kleinen börsennotierten Firmen.

Industrie- und Techaktien am stärksten gestiegen

Auf Branchenebene gab es bei europäischen Firmen in den vergangenen Jahren und Monaten ebenfalls gravierende Unterschiede bei der Kursentwicklung. Nicht nur in den USA auch in Europa zählen Technologieaktien zu den Topperformern. Im Schnitt lag der jährliche Kursanstieg in den vergangenen drei Jahren bei 19 Prozent, bei der Nummer zwei, den Industriewerten lag der Anstieg bei 13 Prozent. Kaum von der Stelle bewegt haben sich dagegen Aktien von Energieunternehmen und Versorgern. Bei Energiewerten betrug der Zuwachs ein Prozent, bei Versorgern vier Prozent.

Rohstoff-Aktien am stärksten überbewertet

Zyklische Branchen sind am höchsten bewertet. Allen voran Rohstoff-Aktien. Diese sind mit einem sind dabei mit einem P/FV von 1,31 am teuersten. Zu den wichtigsten in Europa notierten Rohstoffaktien zählen Anglo American, BHP, Rio Tinto, Glencore und Antofagasta.
Über der Marke 1, die signalisieren, dass die Branche bereits zu hoch bewertet ist, notieren auch Aktien der Branchen Technologie, Immobilien, zyklische Konsumgüter, defensive Konsumgüter und Industrie.

Telekom, Energie und Pharmatitel noch günstig

Auch nach den Kurseinbußen sind Finanzaktien im Schnitt fair bewertet. Unter den konjunktursensitiven Aktien sind Technologie-Titel mit einem P/FV von 1,15 die am zweithöchsten Aktien auf Branchenebene. Unterbewertet waren per Ende August vor allem Telekoms, Energie- sowie Pharma-Aktien mit Kurs-Fair-Value-Ratios von 0,93, 0,94 und 0,95.

August-Bilanz: Large Cap Growth wieder vorn

Im August legten, wie häufig am Ende eines Bullenruns, die zurückgebliebenen Werte, wie die Versorger um 4,5 Prozent zu. Aber auch Rohstoff-Aktien legten mit zwei Prozent merklich zu, Immotitel um 0,7 Prozent. Zu den Aktien, die im August am größten absahnten zählten bei Large-Cap Growth Aktien wie LVHM, Diageo und Unilever.
Die größten Verluste bei Substanzwerten verzeichneten HSBC, Banco Santander und UBS.

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