Der Euro und der lange Weg zur Inflation

Der Euro und der lange Weg zur Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet trotz der wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum keinen schnellen Anstieg der Verbraucherpreise. Die Inflation werde in den nächsten Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben. Mit aktuell 1,3 Prozent ist die Inflationsrate noch weit vom angepeilten Ziel von zwei Prozent entfernt.

Die reguläre Amtszeit des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, der EZB, beträgt acht Jahre und eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Wenn der im November 2011 angetretene EZB-Präsident Mario Draghi also im Oktober 2019 wieder abtritt, wird er als der Mann in Erinnerung bleiben, der Billionen Euro ausgab, um die nach der Finanz- und Wirtschaftskrise geschwächte europäische Gemeinschaftswährung zu stärken und die Inflation in der Eurozone auf in Richtung zwei Prozent zu bewegen.

Ob dieses Ziel in den gut zwei Jahren, die Draghi dafür noch bleiben, erreicht wird, bleibt abzuwarten. Vorerst sieht es nicht danach aus, und die EZB schraubt auch selbst die Erwartungen zurück, dass sich das bald ändern könnte. Im Juli 2017 lag die Inflationsrate laut Eurostat bei 1,3 Prozent. Während sich die Konsumenten über anhaltend niedrige Preise freuen können, bereitet der EZB der langsame Anstieg der Inflation, denn die Zentralbank hat ihr währungspolitisches Pulver schon lange verschossen: Die Zinsen wurden auf null gedrückt und seit März 2015 werden jedes Monat Milliarden über Wertpapierkäufe in die Wirtschaft gepumpt, um die Konjunktur anzuschieben und die Preise nach oben zu treiben. Bis Ende Juli hat die Zentralbank bereits Staats- und Firmenanleihen sowie andere Wertpapiere im Volumen von insgesamt 2,01 Billionen Euro angekauft.

Immerhin haben die Maßnahmen der EZB dazu beigetragen, dass die Wirtschaft in der Eurozone wieder anzieht. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Euro-Staaten 0,6 Prozent gestiegen. Für 2017 wird in der Eurozone ein Wachstum von 1,7 Prozent erwartet und etwas Trost dürfte es der EZB auch spenden, dass die sogenannte Kerninflation, die ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie berechnet wird, anzieht.

Draghi hält EZB auf Kurs

Mario Draghi hält das Schiff EZB daher weiter auf Kurs. Nach der letzten Zinssitzung erklärte er, dass für die Gesundung des Euro weiterhin "ein sehr substanzielles Maß" an konjunkturstützender Geldpolitik nötig sei.

Eine erste, leichte Kurskorrektur der EZB kann frühestens im Oktober vorgenommen werden, doch bei diesem Termin könnten die EZB-Ratsmitglieder auch erst darüber beratschlagen, ob sie im Dezember die Entscheidung treffen sollen, das Volumen der Anleihenkäufe der EZB im März 2018 - drei Jahre nach dem Beginn der Maßnahme - wieder zu reduzieren.

Gegenüber den wichtigsten Weltwährungen hat sich der Euro im Jahresverlauf recht passabel entwickelt (siehe den untenstehenden Währungsrechner). Aktuell notiert er bei 1,184 US-Dollar (2017: +12,54%, 1,148 Schweizer Franken (2017: +7,13%), 0,894 Britischen Pfund (2017: +5,28%) oder 130,981 Japanischen Yen (2017: +6,42%).

Historisch gesehen liegt der Euro/US-Dollarkurs damit aktuell sogar noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Laut OECD-Berechnungen wäre ein angemessener Euro/Dollar-Kurs bei 1,33. Auch die Schweizer Nationalbank SNB wird nicht müde zu betonen, dass der Franken deutlich überbewertet ist. Für Anleger hat ein starker Euro im Übrigen auch positive Seiten, signalisiert er doch ein erhöhtes Interesse globaler Investoren an Europa, was auf Dauer zu steigenden Aktienkursen führen sollte.


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