Euro fällt gegenüber Dollar auf Fünfmonatstief

Die Stärke der USA zwingt den Euro in die Knie. Für Unternehmer, die nach Übersee exportieren, ist das vorteilhaft und bietet durch einen günstigeren Wechselkurs Chancen, weist allerdings auf die Schwäche der europäischen Wirtschaft hin. Warum die US-Wirtschaft gerade abhebt und wie Experten die künftige Euro/Dollar-Entwicklung einschätzen und wie Portfolios umgeschichtet werden.

Euro fällt gegenüber Dollar auf Fünfmonatstief

Die US-Wirtschaft schaltet den Turbo ein. "Die US-Wirtschaft wird in diesem Jahr mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen spektakulären Aufschwung erleben", ist Jakob Frauenschuh, Investmentmanager bei der Schoellerbank, überzeugt. Nach neuesten Schätzungen der OECD wird das US-BIP heuer um 5,6 Prozent wachsen. Europa kann da nicht mithalten. Und bekommt das von den Anlegern gleich von mehreren Seiten zu spüren. Vor allem institutionelle Investoren schichten große Summen in Richtung USA um. Die Folge: Die europäische Einheitswährung knickt gegenüber dem Dollar ein. Zuletzt gab die Währung innerhalb eines Monats um drei Prozent nach. Innerhalb von drei Monates betrug der Rückgang 4,6 Prozent und liegt nach einem Zwischenhoch Anfang Jänner von 1,23 bei aktuell bei einem Euro/Dollar-Kurs von 1,173. Der tiefste Stand seit dem vergangenen November.

Hohes Impftempo, Billionen an Stimuli beflügeln den Dollar
Der jüngste Dollarhöhenflug und das damit verbundene hohe Wachstum in den USA hat mehrere Ursachen: Die Amerikaner legen beim Impfen ein enormes Tempo hin. Dort werden ab nächster Woche schon die über 30-jährigen geimpft. In Österreich sind beispielsweise noch nicht einmal alle Impfwilligen über 80-jährigen immunisiert. Für Aufsehen und Wachstumsfantasien hat auch die Rede von US-Präsident Joe Biden vergangenen Mittwoch gesorgt, in der dieser ein gewaltiges Infrastrukturprojekt angekündigt hat. Vier Billionen Dollar Stimulus sollen demnach über mehrere Jahre in marode Straßen und Leitungen investiert werden, gegenfinanziert allerdings mit drei Billionen Dollar an Steuererhöhungen. Nicht zuletzt liegt dies insbesondere aber auch an den verzögerten und im Vergleich zu den anderen Ländern wesentlich geringeren Stimulus der EU. Siehe auch Artikel Börsen-Analyse: In Asien und den USA lebt die Chance. Wenn auch noch, was als wahrscheinlich gilt, der US-Arbeitsmarktbericht positiv ausfällt, wird es für die US-Notenbank zunehmend schwierig, Argumente zu finden, die Zinsen nicht zu erhöhen. Bereits das Geschäftsklima in der Region Chicago hat sich im März unerwartet stark verbessert. Der Indikator stieg um 6,8 Punkte auf 66,3 Zähler, wie die regionale Einkaufsmanagervereinigung am Mittwoch in Chicago mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur einen Anstieg auf 61,0 Punkte erwartet. Werte über der Marke von 50 Punkten signalisieren wirtschaftliches Wachstum.

US-Anleihen auf 14-Monatshoch - Dollar profitiert
Im Endeffekt verändern sich Devisenkurse immer aufgrund von Kapitalströmen. Und diese wiederum werden von den Parametern Zinsniveau und Risiko beeinflusst. Denn Geld ist stets auf der Suche nach den höchsten Erträgen mit dem niedrigsten Risiko. So stärkt derzeit eben die US-Währung, dass ausländisches Kapital verstärkt in die USA fließt, um dort in Anleihen mit soliden Renditen mit überschaubaren Risiken zu investieren, die zudem noch Kursgewinne versprechen. Die Renditen der 10-jährigen Bonds sind mit 1,76 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 14 Monaten. Dadurch steigt auch das Zinsgefälle zwischen den USA und der EU. Die 10-jährigen US-Anleihen haben sich auf 1,75 Prozent erholt und liegen damit wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Das deutsche 10-Jahres-Zinsniveau liegt immer noch nahe an den Tiefstständen, sodass der deutsch-amerikanische Spread sich wieder auf das Niveau von Anfang 2020 im Bereich von 200 Basispunkten ausgeweitet hat (siehe Grafiken).

Steigende Renditen von 10-jährigen Anleihen, wie gerade in den USA, implizieren auch einen starken Dollar. Denn Geld ist stets auf der Suche nach den höchsten Erträgen mit dem niedrigsten Risiko.

Sinkende Renditen, wie bei deutschen Anleihen, haben fast immer einen fallenden Euro zur Folge.

Investoren schichten Portfolios um
"Das Umfeld für den Euro bleibt schwierig", kommentierten Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) das Handelsgeschehen. So hat denn die Schoellerbank als Konsequenz, wie viele andere Investoren in ihren Fremdwährungsportfolios den Dollar-Anteil angehoben, „weil die Zinsen in den USA schon wieder deutlich höher als im Euro", so die Begründung. Eine aktive Fremdwährungsbeimischung hält Frauenschuh ebenfalls für eine Möglichkeit, den Niedrigzinsen zu begegnen.

Divergierende Wechselkurs-Prognosen
Die DZ Bank erwartet in den nächsten sechs Monaten einen Anstieg des Dollar auf 1,28. In einem Jahr schätzen die Experten, dass der Euro-Dollar-Kurs bei 1,25 liegt. Raiffeisen sieht den Euro zum Dollar bei 1,23. Die Banker erwarten eine leichte Abwertung des Dollars bis zum Jahresende. Die Einschätzung spiegelt eine starke globale Konjunkturerholung im Jahr 2021 wider, was auch positiv für den Euro wäre, wenn die USA auch eine Vorreiterrolle spielen werde, was die Federal Reserve in der Folge dazu veranlassen wird, früher als die EZB (positiv für den Dollar) über eine geldpolitische Normalisierung nachzudenken. Chefstratege Markus Müller schätzt, dass der Dollar auch weiterhin von stärkerer Wachstumserholung der USA profitieren wird. Das 12-Monats-Ziel der Bank für das Euro/Dollar-Währungspaar ist beträchtlich niedriger und beträgt 1,15.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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