Erwin Hameseder: "Es braucht einen großen Ruck“

Erwin Hameseder: "Es braucht einen großen Ruck“

Erwin Hameseder, Obmann Raiffeisen-Holding NÖ-Wien

Der Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien nimmt Stellung zu den Belastungen von Banken und Sparern und die Notwendigkeit von Änderungen in der Politik. Eigenartig findet der Raiffeisen-Manager den Vorschlag von Sozialminister Stöger, der per Gesetz die Bankomatgebühren verbieten will.

trend: Die Niedrigzinspolitik der EZB soll die Wirtschaft ankurbeln. Die Maßnahme zeigt aber in keinem Land der EU die gewünschten Folgen. Dafür belastet sie aber Banken und Sparer. Was läuft da schon seit Langem schief?
Erwin Hameseder: Die Politik der EZB hat offensichtlich die Vermeidung eines Deflationsrisikos zum Ziel. Gleichzeitig will man die Konjunktur in Europa ankurbeln, indem vermittelt wird, durch die niedrigen Zinsen der EZB sollen vermehrt Kredite vergeben werden. Die Politik des billigen Geldes verfehlt aber augenscheinlich diese Zielsetzungen. Aus meiner Sicht steckt viel mehr das Ziel der günstigen Refinanzierung der Staatshaushalte dahinter. Die EZB kann noch so viel Geld auf verschiedenen Kanälen in den Markt pumpen. Die Staaten werden die niedrigen Zinsen dazu nutzen, um ihre Budgets zu sanieren.

trend: Die Staaten sanieren mit dem billigen Geld ihre Budgets, aber die Sparer verlieren durch die niedrigen Zinsen, die ihnen heimische Banken bieten, dort ihr Erspartes. Oder sie wandern zu ausländischen Direktbanken ab, die bessere Konditionen bieten. Wie wollen Sie dem begegnen?
Hameseder: Zwischen der Niedrigzinspolitik der EZB und der Konditionenpolitik der heimischen Banken gibt es einen Zusammenhang. Der ist unbefriedigend - keine Frage. Die Niedrigzinspolitik bedeutet für den Sparer einen täglichen Stresstest. Den Kunden muss aber klar sein: Je höher die angebotenen Sparzinsen sind, desto größer ist für sie auch das Risiko. Da gibt es Beispiele aus der Vergangenheit. Und gerade deshalb ist für die Sparer das Thema Vertrauen in die eigene - österreichische - Bank sehr wichtig.


Wenn die Politik das, was sie von den Unternehmen verlangt, auf sich ummünzen würde, hätten wir wohl sehr bald einen wirklichen Aufschwung in unserem Land.

trend: Warum können die heimischen Banken ihren Kunden im Vergleich zu ausländischen Direktbanken nur so niedrige Sparzinsen anbieten?
Hameseder: Die Banken sind aufgrund dieser geldpolitischen Maßnahmen sehr unter Druck. Die Zinsmargen sind "rasiermesserscharf“ dünn geworden, wie es Raiffeisenlandesbank-Niederösterreich-Wien Generaldirektor Klaus Buchleitner ausgedrückt hat. Die niedrigen Einlagenzinsen verunsichern natürlich die Sparer. Die Mittel der Sparer spielen aber eine ganz wesentliche Rolle bei der Finanzierung des Bankensystems für die Kreditvergabe. Und deshalb wird durch die Geldpolitik der EZB der ursprüngliche Auftrag der Banken, die Investitionen von Unternehmen zu finanzieren, konterkariert.

Lesen Sie das Interview in trend Nr.18/2016
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Zur Person

Erwin Hameseder ist Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Zur Holding gehören die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die wiederum Beteiligungen an der RZB hält. Zur Holding gehören u. a. Agrana, NÖM oder Strabag.

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